WerkJohannes Calvin

Unterricht in der christlichen Religion

1536 schrieb ein Flüchtling eine kurze lateinische Verteidigung der verfolgten französischen Protestanten; in dreiundzwanzig Jahren der Überarbeitung wuchs sie auf achtzig Kapitel.

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  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Originaltitel
Institutio Christianae Religionis
Erstveröffentlichung
(mit 27 Jahren)
Originalsprache
Latein

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Überblick

Im Oktober 1534 tauchten in mehreren französischen Städten Plakate gegen die katholische Messe auf, und die Verhaftungen und Verbrennungen, die darauf folgten, trieben einen fünfundzwanzigjährigen Juristen aus Noyon, Johannes Calvin, ins Exil nach Basel. Franz I., der König von Frankreich, wollte die Reform im eigenen Land ersticken, ohne die protestantischen Fürsten Deutschlands zu verprellen; also stellte man die französischen Evangelischen als Täufer hin, als Radikale, die jede weltliche Obrigkeit verwarfen. Calvin antwortete mit einem kurzen lateinischen Handbuch ihres Glaubens, im März 1536 in Basel gedruckt, mit einer Vorrede, die den König bat, sie anzuhören, bevor er sie verurteilte. Seine zentrale These: Der Mensch kann sich selbst nicht wahrhaft erkennen, ohne Gott zu erkennen, und Gott erkennt er wahrhaft nur durch die Schrift, deren Autorität auf dem inneren Zeugnis des Heiligen Geistes beruht und nicht auf dem Wort der Kirche. Das Heil kommt aus Gnade und wird im Glauben empfangen, und Gottes ewige Erwählung entscheidet, wer es empfängt. Binnen eines Jahres war das Buch vergriffen, und Calvin baute es für den Rest seines Lebens immer wieder um. Die Straßburger Ausgabe von 1539 hatte siebzehn Kapitel statt sechs. Seine eigene französische Fassung von 1541 verurteilten die Pariser Behörden; sie prägte die französische Schriftsprache über Generationen. Die lateinische Ausgabe letzter Hand, 1559 in Genf gedruckt, goss das Ganze in vier Bücher und achtzig Kapitel um. Ende 1558 lag Calvin mit Fieber im Bett und zwang sich dennoch, sie abzuschließen – aus Angst, er könnte vorher sterben. In ihr stecken die Streitigkeiten seiner Genfer Jahre. Sie widerlegt Michael Servet, den spanischen Arzt und Theologen, den Genf 1553 als Ketzer verbrannte, nachdem Calvin ihn angezeigt hatte, und Andreas Osiander, den lutherischen Theologen in Königsberg, der lehrte, die Gläubigen würden gerecht, indem Christi göttliche Natur in ihnen wohne. Das vierte Buch wendet sich der Kirche zu, misst das Papsttum an der Schrift und befindet es für eine angemaßte Herrschaft. Thomas Norton, der Schwiegersohn des Erzbischofs Thomas Cranmer, veröffentlichte 1561, drei Jahre vor Calvins Tod, eine englische Übersetzung. Für die Forschung ist der Text von 1559 bis heute der maßgebliche.

Schlüsselbegriffe

Was ist die doppelte Gotteserkenntnis in der Institutio?

Gemeint ist die Erkenntnis Gottes in zwei Rollen, und sie gibt der Institutio ihren Aufbau. Zuerst wird Gott als Schöpfer erkannt, an der Ordnung der Welt und an der Ahnung von ihm in jedem Gewissen. Weil die Sünde diese Erkenntnis getrübt hat, muss Gott auch als Erlöser erkannt werden, der die Menschen in Christus rettet. Das erste Buch behandelt den Schöpfer, das zweite den Erlöser, die beiden letzten zeigen, wie diese Rettung zu uns gelangt.

Was meint Calvin mit dem inneren Zeugnis des Geistes?

Es ist Gottes Geist, der einen Leser von innen überzeugt, dass die Schrift Gottes eigenes Wort ist. Calvin bestreitet, dass die Autorität der Bibel von der Bestätigung durch die Kirche abhängt, denn die Kirche ruht selbst auf der Bibel. Vernunftgründe für die Wahrheit der Schrift helfen, schaffen aber keine Gewissheit. Die kommt so unmittelbar, wie der Geschmack süß von bitter unterscheidet: Derselbe Geist, der durch die Propheten sprach, bestätigt ihre Worte im Herzen.

Was heißt es nach Calvin, gerechtfertigt zu werden?

Gerechtfertigt werden heißt, von Gott für gerecht erklärt zu werden, wie ein Richter einen Angeklagten freispricht, nicht erst moralisch gut gemacht zu werden. Calvin zufolge besteht es aus zweierlei: Gott vergibt die Sünden und rechnet Christi Gerechtigkeit dem Gläubigen als dessen eigene an. Diese Gerechtigkeit ist geliehen, nie verdient, und der Glaube ist die Hand, die sie empfängt. Ein verändertes Leben folgt, ist aber nie der Grund für das Urteil.

Was bedeuten Mortifikation und Vivifikation in Calvins Lehre von der Buße?

Es sind die beiden Teile der Buße: das Absterben des alten Menschen und das Lebendigwerden eines neuen. Mortifikation ist der Schmerz und die Furcht, die auf den wahren Anblick der eigenen Sünde folgen, bis der Eigenwille nachgibt. Vivifikation ist nicht bloß die Erleichterung danach, wie andere lehrten, sondern ein neues Verlangen, heilig zu leben, das aus der Erneuerung entsteht. Für Calvin dauert beides das ganze Leben lang.

Was sind Erwählung und Verwerfung in der Institutio?

Erwählung ist Gottes Wahl vor Erschaffung der Welt, wen er retten will. Verwerfung ist die Kehrseite dieser Wahl: Die Übergangenen bleiben der gerechten Strafe für ihre eigene Sünde überlassen. Calvin begründet den Unterschied allein in Gottes Willen, nicht in einem vorausgesehenen Verdienst, damit das Heil ganz geschenkt bleibt. Nach den Gründen zu forschen verbietet er, und wen die Frage quält, den weist er an Christus.

Warum nennt Calvin die Sakramente Siegel?

Ein Sakrament ist ein äußeres Zeichen wie Wasser oder Brot, das Gott einer Verheißung beifügt, um sie zu bekräftigen. Calvin vergleicht es mit dem Siegel auf einer Urkunde: Das Siegel fügt keinen neuen Inhalt hinzu, macht die Zusage aber einem schwachen Gläubigen gewisser. Mit Augustinus nennt er es auch ein sichtbares Wort, weil es die Verheißung zeigt, wie ein Bild seinen Gegenstand zeigt.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Gott erkennen, sich selbst erkennen

Kann sich jemand selbst erkennen, ohne Gott zu kennen, und wo lässt sich Gott verlässlich erkennen? Die Antwort legt die Schrift, nicht die Kirche, unter alles Weitere.

Calvin verknüpft gleich zu Beginn zwei Erkenntnisse: Wer ehrlich auf die eigene Armut blickt, wird zur Suche nach Gott getrieben, und wer Gott sieht, erkennt die eigene Kleinheit. Jeder Mensch trägt einen Samen der Religion in sich, doch der Geist macht daraus eine Werkstatt von Götzen. Die Schrift schärft den verschwommenen Blick wie eine Brille schwache Augen, und ihre Autorität stammt aus dem inneren Zeugnis des Geistes, nicht aus dem Urteil der Kirche. Spricht sie von Gottes Händen und Augen, so redet Gott mit uns wie eine Amme mit dem Kleinkind.

  • Schrift
  • Schriftautorität
  • Schriftauslegung
  • Bibelauslegung
  • Heiliger Geist
  • Gottesverehrung

Nichts bleibt dem Zufall überlassen

Wenn Gott jedes Ereignis lenkt, vom Sturz auf der Straße bis zum ewigen Schicksal jedes Menschen, ist das Schrecken oder Trost? Das Buch will, dass es Trost wird.

Gegen jeden Glauben an Fortuna hält Calvin fest, dass Gott jedes Ereignis lenkt, bis hin zum Kaufmann, den Räuber im Wald erschlagen. Böse Menschen führen Gottes Absichten aus und bleiben doch schuldig, weil sie aus eigener Bosheit handeln. Derselbe verborgene Wille erwählt die einen zum Heil und übergeht die anderen, ein Ratschluss, den Calvin selbst schrecklich nennt. Er lehrt ihn, damit die Gnade als frei erkannt wird, warnt vor einer Neugier, die sich jenseits der Schrift im Labyrinth verliert, und weist Verängstigte an Christus.

  • Göttliche Vorsehung
  • Göttliches Urteil
  • Göttliche Barmherzigkeit
  • Heil

Ein Wille, der sich nicht selbst befreit

Kann der Mensch nach dem Fall noch aus eigener Kraft das Gute wählen? An dieser Antwort hängt alles, denn ein Wille, der das könnte, bräuchte keine Rettung.

Adams Fall hat die Verderbnis durch Abstammung auf alle Nachkommen übertragen, nicht bloß durch schlechtes Beispiel, wie die Anhänger des Pelagius meinten. Der Mensch wählt weiterhin, und zwar willentlich: Er sündigt notwendig, aber ohne Zwang, und bleibt verantwortlich. Anständige Heiden verdanken ihre Tugenden Gottes zügelnder Güte, nicht einer gesunden Natur. Das Sittengesetz, das niemand hält, wirkt wie ein Spiegel, der die Flecken im Gesicht zeigt, damit wir aufhören, uns selbst zu vertrauen, und nach der Gnade fragen.

  • Sünde
  • Freier Wille
  • Menschennatur
  • moralische Verantwortung
  • Gnade

Eine geschenkte, keine verdiente Gerechtigkeit

Wie kann ein Schuldiger vor Gott als gerecht dastehen? Nicht dadurch, dass er sich genug bessert, antwortet das Buch, sondern indem er Christi Gerechtigkeit im Glauben empfängt.

Glaube ist in Calvins Bestimmung eine feste und gewisse Erkenntnis von Gottes Wohlwollen uns gegenüber, gegründet auf die in Christus gegebene Verheißung und vom Geist ins Herz gesiegelt. Rechtfertigung heißt, dass Gott die Sünden vergibt und Christi Gerechtigkeit als unsere anrechnet. Gegen Andreas Osiander, der sie in Christi göttlicher Natur suchte, die in den Gläubigen wohne, hält Calvin sie außerhalb von uns. Die Heiligung folgt dennoch, weil Christus sich nicht teilen lässt, und gute Werke gefallen Gott erst, wenn der Mensch schon angenommen ist.

  • Glauben
  • Rechtfertigung
  • Vergebung
  • Sühne
  • Christologie
  • Göttliche Gnade

Ein Leben, das einem anderen gehört

Was ändert sich an einem gewöhnlichen Tag, wenn ein Mensch Gott gehört und nicht sich selbst? Das Buch macht aus der Lehre eine Regel für Arbeit, Besitz, Feinde und Gebet.

„Wir sind nicht unser eigen“ ist der Satz, den Calvin an den Anfang des christlichen Lebens stellt. Die Buße dauert ein Leben lang, während der alte Mensch stirbt und ein neuer wächst. Güte schuldet man auch dem Feind, weil Gottes Bild in ihm sie beansprucht. Selbstverleugnung verbietet keine Freude, denn Gott hat die Blumen schön gemacht, damit man sich an ihnen freut, und jeder Lebensweg ist ein von Gott zugewiesener Posten. Gebet ist Gespräch mit Gott, und christliche Freiheit schont den schwächeren Nächsten.

  • Umkehr
  • Gebet
  • Gewissen
  • Nächstenliebe

Die Kirche und ihre sichtbaren Zeichen

Der Glaube ist innerlich, warum bindet Gott ihn dann an Kirche, Kanzel, Wasser, Brot und Obrigkeit? Schwache Menschen, antwortet das letzte Buch, brauchen äußere Hilfen.

Calvin nennt die Kirche die Mutter der Gläubigen und erkennt sie überall dort, wo das Wort rein gepredigt und die Sakramente recht gereicht werden, mit allen Mängeln. Am Maßstab der alten Kirche erscheint das Papsttum als Anmaßung und die Messe als Entweihung des Abendmahls. Ein Sakrament ist ein sichtbares Wort und ein Siegel der Verheißung Gottes. Im Abendmahl verbindet der Geist die Gläubigen mit Christi Leib im Himmel. Gegen die Täufer werden Kinder getauft. Auch grausame Herrscher sind zu ehren, doch eingesetzte Amtsträger dürfen sie zügeln.

  • Kirche
  • Sakramente
  • Taufe
  • Religiöse Autorität
  • Kirchengeschichte

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Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Glauben“ und „Gnade“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 25 Paarungen. 87 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
GlaubenGnade61
GlaubenSakramente48
GlaubenHeil39
GnadeHeil37
GnadeSünde24
ChristologieHeil22
ChristologieGlauben21
GlaubenGöttliche Vorsehung20
ChristologieGnade17
ChristologieSakramente15
GlaubenSünde14
GnadeSakramente14
HeilSünde13
GlaubenReligiöse Autorität8
Religiöse AutoritätSakramente8
ChristologieReligiöse Autorität5
GnadeGöttliche Vorsehung5
Göttliche VorsehungSünde5
ChristologieSünde4
Göttliche VorsehungHeil4
HeilReligiöse Autorität4
HeilSakramente3
GnadeReligiöse Autorität2
Religiöse AutoritätSünde2
SakramenteSünde2

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