Glaube und Vernunft, als eines erörtert
Lässt sich über geoffenbarte Lehre wie über alles andere räsonieren, Einwände erhoben und beantwortet? Aquin baut jede Frage als inszenierte Debatte und behandelt die Theologie als eine Wissenschaft mit Methode.
Aquin behob ein Lehrproblem: Die Theologie für Anfänger war ein Durcheinander von Streitfragen ohne brauchbare Ordnung. Sein Heilmittel war eine Architektur. Jeder Artikel inszeniert eine kleine Disputation — zuerst die Einwände, dann ein knappes sed contra, dann seine begründete Antwort, dann die Erwiderung auf jeden Einwand der Reihe nach —, sodass der Schluss gegen die stärksten Bestreiter errungen wird. Vernunft und Glaube treten nicht gegeneinander an: Manche Wahrheiten erreicht die Vernunft, manche liefert nur die Offenbarung, und die Gnade vollendet die Natur, statt sie aufzuheben. Dahinter steht seine Wiedergewinnung des Aristoteles, dessen Logik er in den Dienst der christlichen Lehre stellt — Wahrheit kann der Wahrheit nicht widersprechen.
- Vernunft
- Erkenntnistheorie
- Logik
- Glauben
- Autorität
- Wahrheit
Ins Gespräch kommen
- Für einen Menschen, der fühlt, wie Glaube und ehrliches Denken ihn in entgegengesetzte Richtungen ziehen, wie hältst du beide, ohne dass eines still nachgibt?
- Jede Frage als Debatte zu inszenieren, die du immer gewinnst, sieht nach Theater aus — bedrohen die Einwände je die Antwort, die du längst festgelegt hattest?
- Wie unterscheidet sich, die Theologie als eine Wissenschaft mit eigener Methode zu behandeln, von der losen Sammlung von Streitfragen, die du ersetzen wolltest?
- Wenn Vernunft und Offenbarung einander nie widersprechen können — was muss ein Gläubiger aufgeben, sobald ein Argument gegen eine Lehre zu schneiden scheint?
- Du bautest dies, um Anfängern die Theologie zu öffnen, ließest es dann liegen und nanntest alles Stroh — was soll ein Leser aus diesem Urteil machen?