WerkVācaspati Miśra

Bhāmatī

(dt. etwa: Die Glänzende)

Eine Lesart Śaṅkaras, die das Unwissen im einzelnen Selbst ansiedelte und einer der beiden späteren Schulen des Advaita ihren Namen gab.

von Vācaspati Miśra1.425 Passagen vorhanden

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Überblick

Vācaspati Miśra schrieb Kommentare zu fast jeder Schule der indischen Philosophie, und in den Schlussversen dieses Werks zählt er sie auf: drei mit Titel genannte Bücher, dann seine Abhandlungen zur Logik des Nyāya, zum Sāṃkhya, zum Yoga und zum Vedānta. Die Bhāmatī ist ein Unterkommentar, eine ṭīkā: Sie erklärt Ādi Śaṅkaras Kommentar zu den Brahma-Sūtras, den Merksätzen, die die Lehre der Upanishaden ordnen, Wendung für Wendung durch alle vier Bücher. Wiedergegeben ist hier nur Vācaspatis eigener Text, nicht Śaṅkaras Kommentar, den er erklärt. Vācaspati wirkte in Mithilā, im heutigen Norden Bihars; eines seiner Bücher trägt eine Jahreszahl, die je nach gemeinter Kalenderära als 841 oder als 976 zu lesen ist, und so setzt ihn die Forschung ins neunte oder ins zehnte Jahrhundert. Dieselben Schlussverse nennen den König, unter dem er schrieb: Nṛga. Was das Buch auszeichnet: Es liest Śaṅkara zusammen mit Maṇḍana Miśra, dem Advaita-Autor des achten Jahrhunderts, der bis etwa ins zehnte Jahrhundert bekannter war als Śaṅkara. Mehr als einmal verweist es den Leser auf Vācaspatis eigene Kommentare zu zwei Büchern Maṇḍanas: die Nyāyakaṇikā zum Vidhiviveka, einer Abhandlung über vedische Gebote, und die Brahmatattvasamīkṣā zur Brahmasiddhi. Am folgenreichsten beantwortet es die Frage, wo das Unwissen seinen Sitz hat, wenn Brahman, die höchste Wirklichkeit, alles ist, was es gibt. Seine Antwort: im einzelnen Selbst, dem jīva. Das Unwissen gehört dem Selbst, und Brahman ist nur das, worauf es sich richtet: Brahman ist nie unwissend und lenkt das Unwissen als der Herr. Der Meditation weist das Buch die führende Rolle auf dem Weg zur Befreiung zu. Die andere Linie des späteren Advaita erwuchs aus Prakāśātmans Vivaraṇa, einem Kommentar des zehnten Jahrhunderts zur Pañcapādikā des Padmapāda, eines Schülers Śaṅkaras. Sie machte Brahman selbst zum Sitz des Unwissens. Gewöhnlich gilt der spätere Advaita als geteilt zwischen diesen beiden, der Bhāmatī- und der Vivaraṇa-Schule. Die Kommentare häuften sich weiter. Um 1300 schrieb Amalānanda den Kalpataru zur Bhāmatī, und im sechzehnten Jahrhundert Appayya Dīkṣita den Parimala zum Kalpataru. Nach der Überlieferung ist der Titel der Name von Vācaspatis Frau.

Schlüsselbegriffe

Was ist avidyā, Unwissen, in der Bhāmatī?

Avidyā ist kein bloßer Mangel an Kenntnis, sondern ein wirksamer Schleier, der das eine Bewusstsein als viele Selbste und eine Welt von Dingen erscheinen lässt. Es hat keinen Anfang, lässt sich weder wirklich noch unwirklich nennen und endet erst mit der Erkenntnis. Sein Kennzeichen ist der Irrtum: Körper, Geist und ihre Eigenschaften für sich selbst zu halten.

Was ist der jīva, das einzelne Selbst?

Der jīva ist das Bewusstsein, wie es begrenzt durch Unwissen, Geist und Körper erscheint: der, der „ich“ sagt, handelt, genießt und leidet. In der Bhāmatī ist er der Sitz des Unwissens. Sein wahres Wesen ist Brahman, selbstleuchtend und frei, und Tätersein und Grenzen kommen ihm nur zu, weil sein Unterschied vom Geist nicht erkannt wird.

Wer ist der Herr, Īśvara, wenn Brahman jenseits aller Eigenschaften ist?

Īśvara ist Brahman, betrachtet als Schöpfer und Lenker der Welt. Brahman selbst ist nie unwissend, wirkt aber im Verhältnis zum Unwissen der einzelnen Selbste als ihr Lenker, als Quelle, aus der die Welt hervorgeht, in der sie besteht und in die sie zurückkehrt. Wirklich ist der Herr als Brahman, die Rolle des Herrschers gehört zur Ebene der Erscheinung.

Was sind Hören, Nachdenken und Betrachten?

Es sind die drei Stufen, durch die die Lehre der Upanishaden zur eigenen wird. Hören, śravaṇa, heißt lernen, was die Texte sagen; Nachdenken, manana, räumt Zweifel durch Überlegung aus; Betrachten, nididhyāsana, ist anhaltende Meditation über die Wahrheit. Von den dreien gibt Vācaspati der Betrachtung die führende Rolle auf dem Weg zur Befreiung.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Wessen Unwissen?

Wenn Brahman alles ist, muss der Irrtum, der uns eine Welt vieler Dinge zeigt, jemandem gehören. Vācaspati fragt, wem, und wie es Unwissen überhaupt geben kann, ohne dass Brahman unwissend wird.

Das Unwissen, antwortet Vācaspati, gehört dem einzelnen Selbst, dem jīva, und hat Brahman nur zum Gegenstand: Brahman ist nie unwissend und beherrscht das Unwissen als der Herr. Der naheliegende Einwand ist ein Zirkel, denn das einzelne Selbst wird selbst durch Unwissen hervorgebracht. Er antwortet, beide seien anfangslos wie Same und Keim, jedes gehe dem anderen voraus, ohne dass eines das erste wäre. Das Unwissen lässt sich weder wirklich noch unwirklich nennen, und was es verhüllt, ist das Selbst, das von der Kindheit bis ins Alter dasselbe bleibt.

  • Unwissenheit
  • individuelles Selbst
  • Selbst
  • Brahman
  • Nichtzweiheit
  • Erscheinung und Wirklichkeit
  • Bewusstsein
  • Identität
  • Gedächtnis
  • Verkörperung
  • Handlungsmacht
  • Verursachung
  • Schöpfung
  • Kosmologie
  • Metaphysik
  • Augenblicklichkeit

Vom Hören zum Sehen

Die Upanishaden sagen, das Selbst sei Brahman, und man kann diesen Satz hören und genau derselbe bleiben. Vācaspati fragt, was zwischen dem Hören der Wahrheit und ihrem Sehen geschehen muss.

Das Hören der upanishadischen Lehre gibt Wissen, aber mittelbares; erst lange Betrachtung, geübt von einem beruhigten und gelösten Geist, macht daraus unmittelbare Verwirklichung. Riten und Gaben haben einen echten, aber begrenzten Platz: Sie bringen weder Wissen von Brahman noch Befreiung hervor, reinigen aber und wecken den Wunsch zu wissen. Betrachtung braucht keinen heiligen Ort, nur einen Platz, an dem der Geist zur Ruhe kommt. Ist Brahman erkannt, bindet keine rituelle Pflicht mehr, doch das gewöhnliche Handeln kann ohne Anhaften weitergehen.

  • Meditation
  • Selbsterkenntnis
  • Wissen
  • Befreiung vom Leiden
  • Schriftauslegung
  • Schriftautorität
  • Hermeneutik
  • Satzbedeutung
  • Ritual
  • rituelles Handeln
  • Gebot
  • Karma
  • Geist
  • Kognition
  • Erkenntnistheorie
  • Handlung

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Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Brahman“ und „Schriftauslegung“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 28 Paarungen. 76 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
BrahmanSchriftauslegung139
MeditationSchriftauslegung63
BrahmanSelbst59
SchriftauslegungSelbst58
Befreiung vom LeidenUnwissenheit56
Befreiung vom LeidenSchriftauslegung53
Befreiung vom LeidenSelbst52
BewusstseinSelbst48
SelbstUnwissenheit45
Befreiung vom LeidenBrahman44
SchriftauslegungVerursachung42
BrahmanMeditation41
BrahmanUnwissenheit34
BrahmanVerursachung32
BewusstseinVerursachung27
SelbstVerursachung22
BewusstseinSchriftauslegung21
Befreiung vom LeidenVerursachung20
BewusstseinBrahman20
Befreiung vom LeidenMeditation16
Befreiung vom LeidenBewusstsein14
SchriftauslegungUnwissenheit14
BewusstseinUnwissenheit12
UnwissenheitVerursachung12
MeditationSelbst11
MeditationUnwissenheit7
MeditationVerursachung4
BewusstseinMeditation3

Vorhandene Werke

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