Argumentieren ohne These
Kann überhaupt argumentieren, wer bestreitet, dass irgendetwas ein Eigensein hat, ohne selbst eine Position aufzustellen, die er verteidigen müsste? Das erste Kapitel des Kommentars setzt alles auf die Antwort.
Buddhapālita, ein früherer Kommentator, hatte die Behauptung, Dinge brächten sich selbst hervor, mit der bloßen Frage widerlegt, warum etwas schon Vorhandenes noch einmal entstehen müsse. Ein späterer Kritiker nannte das keinen Beweis. Candrakīrti stellt sich auf Buddhapālitas Seite: Wer dem Mittleren Weg folgt, stellt keine These auf, sondern zeigt, worauf die eigene Behauptung den Gegner festlegt, und zwar mit Prämissen, die dieser selbst anerkennt. Dann nimmt er sich die Erkenntnismittel der Logiker vor, Wahrnehmung und Schlussfolgerung, und fragt, was sie begründen könnte, ohne selbst wieder Begründung zu brauchen.
- Madhyamaka
- Erkenntnistheorie
- Wahrnehmung
- Schriftautorität
- Verursachung
- Kausalität
- konventionelle Wahrheit
Ins Gespräch kommen
- Buddhapālita, ein früherer Kommentator, fragte, warum etwas, das schon da ist, noch einmal hervorgebracht werden müsste. Weshalb wiegt diese Frage für Sie mehr als ein förmlicher Beweis?
- Ein Anhänger des Mittleren Weges hat, wie Sie sagen, keine These zu beweisen. Ist „nichts hat ein Eigensein“ etwa keine These?
- Die Weisen argumentieren von dem aus, was ihr Gegenüber schon gelten lässt. Was lernt daraus, wer einen Freund umstimmen möchte?
- Manche Fragen gleichen der nach der Farbe des Sohnes einer unfruchtbaren Frau. Warum gehört für Sie die Frage, ob die Welt ewig ist, dazu?
- Die buddhistischen Logiker vertrauen zwei Erkenntnismitteln, Wahrnehmung und Schlussfolgerung. Was aber verbürgt diese Mittel selbst, ohne seinerseits einen Bürgen zu brauchen?