Im sechsten Jahrhundert v. Chr. hielten die Könige von Zhou noch ihre Titel und sonst kaum etwas. Die Regionalfürsten führten eigene Kriege, schlossen eigene Bündnisse und übergingen den Hof. Im kleinen östlichen Staat Lu hatten drei Ministerfamilien dem Herzog die Regierung so vollständig entzogen, dass sie ihn 517 aus seiner eigenen Hauptstadt vertrieben. Die ganze Ordnung ruhte auf dem Ritual — den Zeremonien, Rangfolgen und der Musik, die jedem sagten, wer wo stand und warum. Abgeschafft hatte es niemand. Vollzogen wurde es, korrekt, von genau den Männern, die zerlegten, was es beschrieb.
In diese Lage hinein schlug der Sohn eines niederen Adligen, verarmt, seit der Vater früh gestorben war, ein Mittel vor, das gegen Heere fast schwerelos klingt: Ein zerfallender Staat wird durch den Charakter derer geheilt, die ihn führen. Nicht durch schärfere Gesetze. Nicht durch einen stärkeren Anspruch auf den Thron. Durch bessere Menschen, mit Absicht besser gemacht.
Dann baute er die Maschinerie, die sie hervorbringen sollte. Bildung war bis dahin aristokratischer Besitz gewesen: Beamte unterrichteten Männer, die das Amt ohnehin erben würden. Er nahm Schüler nach Begabung statt nach Geburt, für das, was eine Familie an Schulgeld aufbrachte — der erste Privatlehrer Chinas, mit dreitausend Schülern nach späterer Überlieferung und zweiundsiebzig, die den ganzen Lehrgang beherrschten. Vornehmheit war nun keine Tatsache über die Eltern mehr, sondern etwas, woran man scheitern konnte.
Seine Begriffe waren alltägliche Wörter, die er tragfähig machte. Ren, in den meisten Übersetzungen Menschlichkeit, heißt schlicht: sich dafür zu interessieren, wie die Dinge von dort aus aussehen, wo ein anderer steht. Li, das Ritual, ist der ganze überkommene Apparat des Verhaltens, vom Staatsopfer bis zum Gruß an den Nachbarn — keine leere Form, sondern die Einübung, die aus einem anständigen Impuls verlässliches Handeln macht. Ohne Ehrfurcht vollzogen, sagte er, sei es nichts wert. Der Junzi, der Edle, war der Mensch, bei dem die Einübung gegriffen hatte.
Daraus folgte die Politik. Ein Herrscher, der sein Volk mit Strafen lenkt, bekommt ein Volk, das den Strafen ausweicht; ein Herrscher, der es durch das eigene Verhalten lenkt, bekommt ein Volk mit Schamgefühl. Das war sein Programm, und die Herrscher fanden es unbrauchbar.
Man gab ihm kleine Ämter — die Speicherbuchhaltung, die Viehregister, später ein Richteramt. Um 498 unterstützte er den Versuch, die befestigten Städte zu schleifen, von denen aus die drei Familien Lu beherrschten. Er scheiterte. Er ging und zog rund vierzehn Jahre lang zwischen Wei, Song, Chen, Cai und Chu umher, auf der Suche nach einem Herrscher, der es versuchen würde; zwischen Chen und Cai saß er einmal mit seinen Schülern fest, ohne Nahrung. 484 kam er ohne Amt nach Lu zurück und lehrte bis zu seinem Tod. Sein bester Schüler, Yan Hui, starb vor ihm; in den Gesprächen ruft er, der Himmel habe ihn vernichtet. Nichts in der Überlieferung deutet darauf hin, dass er zu Lebzeiten recht bekam.
Alles Weitere ist der Streit darüber, was er gesagt hat. Die Gespräche sind eine Sammlung, der Tradition nach von seinen Schülern angelegt, doch andere Autoren zeigen erst vom zweiten Jahrhundert v. Chr. an ernsthaftes Interesse daran, und die Forschung streitet heute scharf darüber, wie alt ihre Autorität wirklich ist. Die maßgebliche Biografie schrieb Sima Qian fast vierhundert Jahre nach dem Tod, den sie beschreibt.
Außer Zweifel steht das Ausmaß der Nachwirkung. Ab 136 v. Chr. holte der Hof der Han die Klassikergelehrten in sein Zentrum. Von 1313 bis 1905 waren die um ihn versammelten Texte die Prüfung, die darüber entschied, wer China regierte. Jesuiten latinisierten seinen Namen im späten sechzehnten Jahrhundert, brachten ihn 1687 in Paris heraus und reichten ihn Leibniz als Beweis dafür, dass die Vernunft allein zu einem Sittengesetz gelangen kann. 1919 forderten Reformer Herrn Wissenschaft und Herrn Demokratie anstelle von Herrn Konfuzius; 1973 griff ihn eine staatliche Kampagne namentlich an; heute finanziert derselbe Staat seine Wiederkehr.
Fünfundzwanzig Jahrhunderte lang haben Menschen ihn in Anspruch genommen, und keines ist mit ihm fertig geworden, denn die Frage, auf die er drängte, ist offen. Genügen gute Institutionen, oder hängt am Ende doch alles an den Menschen in ihnen?