Liebe, die keinen Lohn verlangt
Was schuldet ein Mensch der Frau, die auf sein Wort hin alles aufgegeben hat? Heloisa misst die Liebe an dem, was sie für sich selbst will, und an diesem Maß schneidet die Ehe schlechter ab als ihr Name.
Ihn habe sie gewollt, schreibt sie, und nichts von dem Seinen: keinen Ehebund, keine Mitgift. Der Name der Gattin mag heiliger sein, süßer war ihr immer der der Freundin, ja der Konkubine oder Dirne. Eine Frau, die lieber den Reicheren heiratet, ist käuflich und verdient Lohn statt Dank. Von dort kommt sie auf seine Schuld. Er hat den Parakleten gegründet, einem Freund einen langen Trostbrief geschrieben und ihr keinen, und sie fragt, ob ihn eher Begierde als Liebe an sie band. Als er von seinem Tod spricht, verbittet sie es sich: Schon die Erwähnung sei für die Nonnen eine Art Tod.
- Liebe
- Ehe
- Verpflichtung
- Trauer
- Trost
- Tod
- Leiden
Ins Gespräch kommen
- Lieber wollten Sie Abaelards Hure heißen als die Kaiserin des Augustus, des Herrn der ganzen Welt. Was bewahrt der niedrigere Name, das „Ehefrau“ verlöre?
- Jemand gibt auf das Wort eines anderen hin alles auf und hört dann jahrelang nichts von ihm. Was steht diesem Menschen nach Ihrer Rechnung zu?
- Eher Begierde als Liebe habe Abaelard an Sie gebunden, argwöhnen Sie, weil seine Zuwendung mit dem Verlangen endete. Was hätte als Beweis der Liebe gegolten?
- Als Gegenleistung für alles verlangen Sie nur Briefe, Worte für Taten. Warum sollte eine so kleine Zahlung eine so große Schuld begleichen?
- Ein Mann erzählt denen, die ihn lieben, immer wieder, wie bald man ihn töten könnte. Warum nennen Sie solches Reden schwerer zu ertragen als den Tod selbst?