WerkJuliana von Norwich

Offenbarungen von göttlicher Liebe

Juliana von Norwichs erster Bericht von ihren Visionen, mit einer Stelle, die ihr längeres Buch auslässt: ihrer Antwort auf den Einwand, eine Frau dürfe nicht lehren.

von Juliana von Norwich50 Passagen vorhanden

  • Englisch, die Originalsprache
Originaltitel
Comfortable Words for Christ's Lovers
Erstveröffentlichung
(mit 30 Jahren)
Originalsprache
Englisch

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Überblick

Fast fünf Jahrhunderte lang bewahrte eine einzige Abschrift alles, was von diesem Bericht geblieben war, und kaum jemand wusste, dass es ihn gab. Sie steht in einem Band mit Andachtstexten, der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts angelegt wurde, neben Werken des englischen Einsiedlers Richard Rolle und des flämischen Mystikers Jan van Ruusbroec. Eine Überschrift hält fest, die Vision sei einer frommen Frau namens Juliana gezeigt worden, einer Klausnerin in Norwich, und 1413 sei sie noch am Leben gewesen. Das British Museum kaufte den Band 1910, als die Bibliothek von Lord Amherst versteigert wurde, und im Jahr darauf brachte der Geistliche Dundas Harford den Text zum Druck. Er ist die kürzere und frühere Fassung dessen, was Juliana von Norwich über ihre Visionen schrieb. Sie hatte sie im Mai 1373, dreißigeinhalb Jahre alt, als man glaubte, sie liege im Sterben. Ihr Bericht von diesen Visionen ist das älteste erhaltene Buch in englischer Sprache, von dem bekannt ist, dass eine Frau es geschrieben hat, und dies ist seine erste Gestalt. Die kurze Fassung bleibt nah am Krankenzimmer. Ein Priester kommt mit einem Kind und hält ihr ein Kreuz vors Gesicht; ihre Mutter streckt die Hand aus, um ihr die Augen zu schließen, weil sie die Tochter für tot hält. Juliana sieht den gekreuzigten Christus bluten, sieht alles, was geschaffen ist, in ihrer Handfläche liegen, nicht größer als eine Haselnuss, und ihr wird gesagt, die Sünde sei notwendig und alles werde gut sein. Daraus folgert sie, dass die Furcht, die eine Seele quält, nicht von Gott kommt, denn Gott will die Menschen in der Liebe sicher wissen. Auch dem Einwand, eine Frau dürfe nicht lehren, begegnet sie. Sie bestreitet, eine Lehrerin zu sein, nennt sich ungelehrt und schwach und fragt dann, ob ihr Frausein ein Grund sei, über das zu schweigen, was Gott ihr gezeigt hat. Die längere Fassung, die sie später schrieb, Offenbarungen der göttlichen Liebe, lässt diese Stelle aus. Dafür enthält sie, was der kurzen fehlt: das Gleichnis von einem Herrn und einem Knecht und die Lehre von Christus als Mutter. Wann der kurze Bericht entstand, ist umstritten. Meist setzt man ihn bald nach der Krankheit an; der Forscher Nicholas Watson hat für die 1380er-Jahre plädiert.

Schlüsselbegriffe

Was ist eine Schauung, und auf wie viele Arten geschieht sie?

Eine Schauung ist etwas, das Gott ihr während der Krankheit zu erkennen gab, und sie geschah auf drei Arten. Leibliche Schau ist, was ihre Augen sahen, etwa das Blut, das am vorgehaltenen Kruzifix unter der Dornenkrone hervorrann. Worte wurden ohne Stimme in ihrem Verstand gebildet. Geistliche Schau ist innere Einsicht, etwa die ganze Schöpfung klein wie eine Haselnuss, und sie sagt, diese könne sie nie ganz in Worte fassen.

Wer sind die „Mitchristen“, an die sich das Buch immer wieder wendet?

Es sind die anderen Christen, ihr vor Gott gleichgestellt, und in ihrem Namen ist das Buch geschrieben. Was ihr gesagt wurde, sei allen gesagt, erklärt sie, und sie bittet darum, nicht auf sie zu sehen, sondern auf Gott. Daraus folgt eine Regel: Wer einem einzigen Mitchristen die Liebe entzieht, liebt gar nichts, denn eine Liebe, die jemanden ausnimmt, ist keine Liebe zu allen.

Welche drei Wunden erbat sie sich?

Reue, Mitleiden und ein gewolltes Verlangen nach Gott. Den Anstoß gab die Geschichte der heiligen Cäcilia, die an drei Schwerthieben in den Hals starb. Sie hatte auch gebeten, die Passion zu sehen und schwer krank zu werden, doch nur unter der Bedingung, dass Gott es wolle. Die drei Wunden erbat sie ohne Bedingung, und dieser Wunsch, sagt sie, blieb ihr, als die beiden anderen ihr aus dem Sinn gekommen waren.

Was heißt es in diesem Buch, „zunichte“ zu werden?

Es heißt, alles Geschaffene für nichts zu achten, um Gott zu haben, der nicht geschaffen ist. Den Grund liefert das kleine Ding in ihrer Hand: Menschen suchen Ruhe in einer Welt, die zu gering ist, um sie zu geben. Keine Seele ruht, sagt sie, ehe sie von allem Geschaffenen leer geworden ist. Dasselbe Wort beschreibt Christus am Kreuz, den Höchsten, der zu nichts gemacht und verachtet wurde.

Warum nennt das Buch die Sünde ein Nichts?

Weil sie in allem, was ihr gezeigt wurde, die Sünde nie sah. Sie sah, dass Gott alles tut, was getan wird, und schloss daraus, die Sünde habe kein eigenes Sein und sei nur an dem Schmerz zu erkennen, den sie verursacht. Gegen Ende redet sie sie direkt an: „Du bist nichts.“ Harmlos wird sie dadurch nicht. Lieber wählte sie jede Pein der Hölle und der Erde, denn in jeder Pein kann eine Seele Gott haben, nur in der Sünde nicht.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Einer gezeigt, für alle gemeint

Was gibt einer Frau ohne Gelehrsamkeit und ohne Amt das Recht, weiterzugeben, was sie gesehen hat? Juliana antwortet, die Schau habe nie ihr allein gehört, und sie zurückzuhalten wäre der eigentliche Fehler.

Juliana bestreitet, eine Lehrerin zu sein, und nennt sich ungelehrt, schwach und gebrechlich. Dann fragt sie, ob sie, weil sie eine Frau ist, von Gottes Güte schweigen solle, wo sie doch sah, dass er sie bekannt wissen will. Die Schau mache sie nicht besser als andere, sagt sie, und viele, die nie eine hatten, liebten Gott mehr. Ihre Mitchristen bittet sie, sie selbst zu vergessen und auf das Gezeigte zu sehen. Sie hält auch fest, dass sie das Gesehene zuerst als Irrereden abtat.

  • Religiöse Erfahrung
  • Nächstenliebe
  • Liebe
  • Mitgefühl
  • Andacht
  • Kontemplation
  • Glauben
  • Tod

Gehalten in Trost und Not

Wenn Gott Liebe ist, woher kommt dann die Furcht, in der sich ein Gläubiger verloren fühlt? Juliana unterscheidet vier Arten von Furcht und findet, dass Gott nur an einer Gefallen hat.

Alles Geschaffene liegt in ihrer Hand, klein wie eine Haselnuss, und besteht, weil Gott es liebt: Er macht, liebt und bewahrt. Von diesem Bewahren her deutet sie ihr eigenes Schwanken, etwa zwanzigmal, zwischen Freude und einem Überdruss, den sie durch nichts verschuldet hatte. Beides kommt aus Liebe, und Gefühle beweisen nichts darüber, wie es um eine Seele steht. Der Furcht, die sich als Demut ausgibt, hält sie die letzten Worte entgegen, die ihr gesagt wurden, „Du wirst nicht überwunden werden“, und sie merkt an, dass darin kein Sturm ausgeschlossen ist.

  • Leiden
  • Sünde
  • Göttliche Liebe
  • Heil
  • Furcht
  • Vertrauen
  • Schöpfung
  • Göttlicher Wille
  • Göttliche Vorsehung
  • Böses
  • Hoffnung
  • Verzweiflung
  • Umkehr
  • Gnade
  • Frieden
  • Gebet
  • Erlösung
  • geistliche Ruhe
  • Vereinigung mit Gott
  • Göttliche Güte
  • Himmel
  • Dreifaltigkeit

In diesem Werk

Passagen vorhanden
50
eigenständige Begriffe
99
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 655

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Heil“ und „Leiden“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 22 Paarungen. 57 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
HeilLeiden5
LeidenMitgefühl4
GlaubenLeiden3
Göttliche LiebeHeil3
Göttliche LiebeLeiden3
HeilLiebe3
HeilSünde3
LeidenLiebe3
MitgefühlReligiöse Erfahrung3
Göttliche LiebeReligiöse Erfahrung2
Göttliche LiebeSünde2
LeidenReligiöse Erfahrung2
LeidenSünde2
GlaubenGöttliche Liebe1
GlaubenHeil1
GlaubenSünde1
HeilMitgefühl1
LiebeMitgefühl1
LiebeReligiöse Erfahrung1
LiebeSünde1
MitgefühlSünde1
Religiöse ErfahrungSünde1

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

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