Kein Zorn in Gott
Die Kirche lehrte sie, dass Sünder Tadel und Zorn verdienen, und in den Schauungen sah sie Gott niemanden tadeln. Kann beides wahr sein, und was müsste dann gelten?
Juliana spricht von zwei Urteilen, dem höheren, das Gott ihr zeigte, und dem niederen, das sie in der Kirche gelernt hatte, und gibt keines von beiden auf. Als Antwort erhält sie nur ein Bild. Ein Knecht läuft los, um den Willen seines Herrn zu tun, stürzt in eine Senke und kommt nicht mehr hoch, und der Herr sieht an ihm keine Schuld, nur Eifer. Fast zwanzig Jahre später liest sie den Knecht als Adam und Christus in einer Gestalt: Der Vater kann den Menschen so wenig tadeln wie den eigenen Sohn.
- Sünde
- Barmherzigkeit
- Gnade
- Erlösung
- Umkehr
- Demut
- Selbsterkenntnis
- Menschennatur
- Inkarnation
- Christologie
- Tugend
Ins Gespräch kommen
- Ein Knecht eilt im Auftrag seines Herrn los, stürzt in eine Senke und bleibt liegen, und der Herr findet keine Schuld. Wessen Sturz ist das?
- Man hatte Sie gelehrt, Sünder verdienten Tadel und Gottes Zorn, und Sie sahen in Gott keinen Zorn. Weshalb gaben Sie keines von beiden auf?
- Am schlimmsten ist für den gestürzten Knecht, dass er seinen nahen, mitleidigen Herrn nicht sehen kann. Was übersieht, wer in Selbstvorwürfen feststeckt?
- Fast zwanzig Jahre vergingen, ehe Sie das Bild vom gestürzten Knecht lesen konnten. Was mussten Sie bemerken, das Ihnen entgangen war?
- In jeder Seele, die gerettet wird, gebe es einen Willen, der der Sünde nie zustimmte, sagen Sie. Wie passt das zu dem, was Menschen tatsächlich tun?