WerkLudwig Feuerbach

Das Wesen der Religion

Feuerbach weitet seine Projektionsthese vom menschlichen Wesen auf die Natur selbst aus: Religion, geboren aus unserer Abhängigkeit von der Erde, ohne die wir nicht leben können.

von Ludwig Feuerbach37 Passagen vorhanden

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Überblick

Fünf Jahre nach dem Buch, das seinen Namen gemacht hatte, kehrte Feuerbach zu der Frage zurück, die dahinterstand. Das Wesen des Christentums hatte Gott im menschlichen Wesen gefunden; diese kürzere Schrift von 1846 treibt über den Menschen hinaus zur Natur selbst. Die Religion, so argumentiert sie, beginnt im Gefühl der Abhängigkeit — nicht in der verfeinerten schlechthinnigen Abhängigkeit, die Schleiermacher zum Grund des Glaubens gemacht hatte, sondern in der schlichten Abhängigkeit eines Geschöpfs von der Sonne, der Erde, dem Wasser, ohne die es nicht leben kann, personifiziert und dann angebetet. Der Schritt beantwortet eine Frage, die das erste Buch offen ließ: woher der Sinn für eine Macht, größer als man selbst, kommt, noch vor jeder Vorstellung eines menschlichen Wesens. Die Überlieferung darum herum ist dünn. Er nahm ihr Argument in den Vorlesungen wieder auf, die er im Winter 1848/49 in Heidelberg hielt und die 1851 in erweiterter Form als eigener Band erschienen.

Schlüsselbegriffe

Was ist das Gefühl der Abhängigkeit in diesem Buch?

Es ist Feuerbachs vorgeschlagene Wurzel aller Religion: die empfundene Verfassung eines Geschöpfs, das sich nicht selbst erhalten kann und von der Sonne, der Erde, dem Wasser und den Elementen abhängt, die es zum Leben braucht. Aus diesem Bedürfnis, gemischt mit Furcht und Dankbarkeit, wächst der Sinn für eine höhere Macht. Er meint gewöhnliche, konkrete Abhängigkeit von der Natur, keine verfeinerte geistige Anschauung — die Religion beginnt in der schlichten Lage, ein bedürftiges Naturwesen zu sein.

Wie unterscheidet sich dieses Buch vom Wesen des Christentums?

Das frühere Buch verortete Gott im menschlichen Wesen — die Gattung, die ihr eigenes Wesen anbetet. Diese kürzere Schrift treibt über den Menschen hinaus zur Natur selbst und argumentiert, die zuerst angebeteten Mächte seien personifizierte Naturkräfte gewesen. Sie füllt eine Lücke, die das erste Buch ließ: woher der Sinn für eine höhere Macht kommt, ehe es eine Vorstellung vom menschlichen Wesen gibt. So ist es dieselbe Projektionsthese, auf eine ursprünglichere Stufe zurückgetragen.

Was meint Feuerbach hier mit Natur?

Die Natur ist die konkrete Welt der Kräfte, von denen ein lebendes Geschöpf abhängt und die es nicht beherrscht — Sonne, Erde, Wasser, Wetter, Wachsen und Vergehen. In der Religion werden sie als Mächte empfunden, von der Einbildungskraft mit Gesichtern versehen und angebetet. Feuerbachs Naturalismus behandelt sie als wirklich und materiell statt als göttlich; der Irrtum der Religion ist nicht, dass die Natur mächtig ist, sondern dass sie personifiziert und angebetet statt verstanden wird.

Warum heißt dieses Werk eine Brücke?

Feuerbach selbst behandelte es als Übergang, nicht als abgeschlossene Aussage. Man las es eher als Anhang zu seinem berühmten Buch denn für sich, und er nahm sein Argument in den Vorlesungen wieder auf, die er im Winter 1848 bis 1849 in Heidelberg hielt und die 1851 in erweiterter Form erschienen. So verbindet es die Projektionsthese von 1841 mit seiner späteren, offener naturalistischen Deutung der Religion.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Religion, geboren aus der Abhängigkeit

Woher kommt der Sinn für eine Macht, größer als man selbst, noch vor jeder Vorstellung von Gott? Feuerbach wurzelt ihn in der schlichten Abhängigkeit eines Geschöpfs von dem, ohne das es nicht leben kann.

Feuerbach führt die Religion auf das Gefühl der Abhängigkeit zurück — aber nicht auf die verfeinerte schlechthinnige Abhängigkeit, die Schleiermacher zum Grund des Glaubens gemacht hatte. Er meint die gewöhnliche Abhängigkeit eines lebenden Geschöpfs von der Sonne, der Erde, dem Wasser, die es zum Überleben braucht. Aus diesem empfundenen Bedürfnis und der damit verwobenen Furcht und Dankbarkeit wird die Religion geboren. Das beantwortet eine Frage, die sein berühmtes früheres Buch offen ließ: woher der Sinn für eine höhere Macht kommt, ehe irgendein menschliches Wesen projiziert wird. Der Glaube beginnt nicht in einer besonderen religiösen Anschauung, sondern in der bloßen Verfassung, ein bedürftiges Naturgeschöpf zu sein.

  • Religion
  • Theologie
  • Natur
  • Naturalismus
  • Abhängigkeit
  • Sterblichkeit
  • politische Theologie
  • Verursachung

Die Natur als erster Gott

Was waren die frühesten Götter, ehe sie menschliche Gesichter trugen? Feuerbach treibt seine Projektionsthese über den Menschen hinaus: Die zuerst angebeteten Mächte waren die Naturkräfte, an denen das Leben hängt.

Fünf Jahre nachdem er Gott im menschlichen Wesen gefunden hatte, weitet Feuerbach die Behauptung aus: Die Religion personifiziert die Natur selbst und beugt sich vor ihr. Die Sonne, die Erde, die Elemente, von denen ein Geschöpf abhängt, werden als Mächte empfunden, von der Einbildungskraft mit einem Gesicht versehen und angebetet. Das dehnt die Projektionsthese des Wesens des Christentums rückwärts aus, auf eine Stufe vor jedem menschlichen Wesen: Die Naturvergötterung ist die früheste Form derselben Neigung. Die Überlieferung um das Buch ist dünn — man las es als Anhang zum berühmten —, doch sein Argument kehrt in den Heidelberger Vorlesungen wieder, die er zwei Jahre später hielt.

  • Projektion
  • Natur
  • Göttlichkeit
  • Einbildungskraft
  • Anthropomorphismus
  • Theismus
  • Anthropologie
  • Verlangen

In diesem Werk

Passagen vorhanden
37
eigenständige Begriffe
76
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 246

Was dieses Buch zusammen denkt

Jeder Bogen am Rad ist ein Begriff dieses Buches. Ein Band verbindet zwei, nach denen der Text gemeinsam greift; seine Breite zeigt, wie viele seiner Passagen beide enthalten. Am stärksten: Kausalität mit Theologie.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 14 Paarungen. 40 gemeinsame Passagen insgesamt. 22 schwächere Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
KausalitätTheologie4
NaturNaturalismus4
NaturReligion4
NaturTheologie4
GöttlichkeitNatur3
KausalitätNatur3
NaturProjektion3
TheologieVerlangen3
GöttlichkeitProjektion2
GöttlichkeitTheologie2
GöttlichkeitVerlangen2
KausalitätNaturalismus2
NaturalismusTheologie2
ReligionVerlangen2

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  1. 1841 Das Wesen des Christentums

    Das Buch, das die Junghegelianer und den jungen Marx gegen Hegel kehrte, indem es die Theologie als verkleidete Anthropologie deutete – Feuerbachs folgenreichstes Werk und dasjenige, das einem Augenblick den Namen gab.

    DE
  2. 1845 Das Wesen der Religion du bist hier DE
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