WerkMeister Eckhart

Traktate

Prosa, nicht Predigt: Eckharts Traktate — Tischreden für junge Brüder, ein Trost für Trauernde, eine Besinnung über die Abgeschiedenheit, ruhig dargelegt statt von der Kanzel gerufen.

von Meister Eckhart75 Passagen vorhanden

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Überblick

Wo die Predigten aufblitzen, argumentieren die Traktate. Diese Sammlung vereint die wenigen zusammenhängenden Prosawerke, die Eckhart auf Deutsch schrieb, statt sie zu predigen, und jedes hat seinen eigenen Anlass. Die Reden der Unterweisung sind die frühesten, formlose Ratschläge, die er als Prior den jungen Dominikanern in seiner Obhut in den 1290er Jahren gab, über Gehorsam, Gebet und innere Armut — die schlichteste Tür in sein Denken. Von abegescheidenheit führt in voller Ausdehnung den Fall, dass die Abgeschiedenheit noch über Liebe und Demut steht, weil das gänzlich abgeschiedene Herz, leer von jedem geschaffenen Ding, jenes ist, in das Gott nicht anders kann als eintreten. Und das Buch der göttlichen Tröstung wurde geschrieben, um jemanden in Trauer zu trösten — der Überlieferung nach eine königliche Witwe — und tröstet auf dem denkbar härtesten Weg: dass der gute Mensch nichts wollen, nichts verweigern und in Gottes Willen nicht Ergebung, sondern den eigenen finden soll. Dieser letzte Traktat kam ihn teuer zu stehen. Als 1325 in Köln erstmals Anklagen gegen Eckhart zusammengestellt wurden, waren Stellen aus dem Buch der göttlichen Tröstung — einem Trostbuch für Laien — unter den Beweisstücken, denn den Ungelehrten solches zu lehren erschien seinen Prüfern, als streue man Feuer in dürres Gras. Die Traktate stehen daher dem Prozess näher als die Predigten, und in ihnen begegnet der heutige Leser seinen Gedanken auch ruhig genug dargelegt, um sie zu wägen, statt im Blitzlicht der Kanzel.

Schlüsselbegriffe

Welche Traktate bilden dieses Buch?

Die zusammenhängenden Prosawerke, die Eckhart auf Deutsch schrieb, statt sie zu predigen: die Reden der Unterweisung, seine frühen Ratschläge an junge Dominikaner; Von abegescheidenheit, das die Abgeschiedenheit über jede Tugend stellt; und das Buch der göttlichen Tröstung, geschrieben, um jemanden in Trauer zu trösten. Anders als die Predigten, die aufblitzen, argumentieren die Traktate und legen seine Gedanken ruhig genug dar, dass ein Leser sie wägen kann.

Was sind die Reden der Unterweisung?

Die frühesten der Traktate, formlose Ratschläge, die Eckhart als Prior den jungen Dominikanern in seiner Obhut in den 1290er Jahren gab, über Gehorsam, Gebet und innere Armut. Schlicht und praktisch, sind sie der leichteste Weg in sein Denken, die Tür vor den schwereren Räumen. Hier erscheint seine radikale Mystik als konkreter Rat für ein Ordensleben statt als die schroffe Metaphysik der Predigten.

Was argumentiert Von abegescheidenheit?

Dass die Abgeschiedenheit, nicht Liebe oder Demut, die höchste aller Tugenden ist. Die Liebe strebt zu Gott hin, doch die Abgeschiedenheit entleert die Seele so vollständig, dass Gott notwendig eintritt, wie in ein Vakuum. Eckhart treibt den Fall bis an seinen Rand: Das vollkommen abgeschiedene Herz will nichts, nicht einmal die eigene Seligkeit. Es ist die vollste, systematischste Fassung des Gedankens, den die Predigten nur aufblitzen lassen.

Was heißt „Nichtwollen“ im Buch der göttlichen Tröstung?

Der Kern von Eckharts Trost für die Trauernden. Eine Seele, die nichts will und nichts verweigert, hat ihren Willen ganz Gott übergeben und macht so Gottes Willen zum eigenen. Da sie keinen Willen außer Gottes hat, hat sie nichts, das ihr genommen werden könnte, und kann durch Verlust nicht beraubt werden. Das ist nicht passive Ergebung, sondern eine völlige Identifikation, die Eckhart als den einzigen unerschütterlichen Trost anbietet.

Wie führte das Buch der göttlichen Tröstung zu Eckharts Prozess?

Es war an Laien gerichtet, und seine härteste Lehre — dass der gute Mensch nichts wollen und seinen eigenen Willen in Gottes finden solle — erschien seinen Prüfern in ungeschulten Händen gefährlich. Als 1325 in Köln Anklagen zusammengestellt wurden, waren Stellen aus diesem Trostbuch unter den Beweisstücken. Den Ungelehrten solches zu lehren erschien ihnen, als streue man Feuer in dürres Gras.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Abgeschiedenheit über der Liebe selbst

Welche Tugend steht am höchsten? Nicht die Liebe, nicht die Demut, argumentiert Eckhart, sondern die Abgeschiedenheit, weil das von jedem geschaffenen Ding entleerte Herz jenes ist, in das Gott nicht anders kann als eintreten.

In Von abegescheidenheit führt Eckhart in voller Ausdehnung den Fall, dass die Abgeschiedenheit noch über Liebe und Demut steht. Seine Begründung ist genau: Die Liebe strebt zu Gott hin, doch die Abgeschiedenheit entleert die Seele einfach jedes geschaffenen Dinges und jedes Wollens, und das gänzlich leere Herz ist jenes, in das Gott notwendig eintritt, hineingezogen wie in ein Vakuum. Es ist weniger ein Gefühl als eine Subtraktion, das Entfernen alles Anhaftens, bis nichts vom geschaffenen Selbst bleibt. Als Argument dargelegt statt gepredigt, lässt die Lehre sich wägen, und sie ist schonungslos: Das Höchste, was ein Mensch tun kann, ist, gar nichts zu wollen.

  • Loslösung
  • Transzendenz
  • Selbsttranszendenz
  • Empfänglichkeit
  • Askese
  • Göttliche Vereinigung
  • Mystik

Trost durch Nichtwollen

Wie tröstet man jemanden in echter Trauer? Eckhart verweigert die leichten Wege für den härtesten: Die getröstete Seele will nichts, verweigert nichts und findet in Gottes Willen nicht Ergebung, sondern den eigenen.

Das Buch der göttlichen Tröstung wurde für jemanden in Trauer geschrieben, der Überlieferung nach eine königliche Witwe, und es tröstet auf dem steilsten Weg. Sein Trost ist nicht, dass der Verlust vergolten werde, sondern dass eine Seele, ganz an Gottes Willen hingegeben, nichts mehr zu verlieren hat: Nichts wollend und nichts verweigernd, macht sie Gottes Willen zum eigenen und kann nicht beraubt werden. Das ist Gleichmut an seiner Grenze, und es kam Eckhart teuer zu stehen. Als 1325 in Köln Anklagen zusammengestellt wurden, waren Stellen aus diesem Trostbuch unter den Beweisstücken, denn den Ungelehrten solches zu lehren erschien seinen Prüfern, als streue man Feuer in dürres Gras.

  • Gleichmut
  • Leiden
  • Göttliche Vereinigung
  • Selbsttranszendenz
  • negative Theologie
  • Dreifaltigkeit

In diesem Werk

Passagen vorhanden
75
eigenständige Begriffe
123
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 199

Was dieses Buch zusammen denkt

Jeder Bogen am Rad ist ein Begriff dieses Buches. Ein Band verbindet zwei, nach denen der Text gemeinsam greift; seine Breite zeigt, wie viele seiner Passagen beide enthalten. Am stärksten: Mystik mit non-duality.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 26 Paarungen. 197 gemeinsame Passagen insgesamt. 65 schwächere Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
Mystiknon-duality21
MystikTranszendenz20
BewusstseinMystik14
Transzendenznon-duality13
LoslösungSpiritualität12
LoslösungMystik10
MetaphysikMystik9
Metaphysiknon-duality9
MetaphysikTranszendenz9
MystikSelbsttranszendenz9
BewusstseinLoslösung7
Bewusstseinnon-duality7
BewusstseinTranszendenz7
MystikSpiritualität7
Selbsttranszendenznon-duality6
BewusstseinSpiritualität5
LoslösungTranszendenz5
BewusstseinMetaphysik4
BewusstseinSelbsttranszendenz4
LoslösungSelbsttranszendenz4
SpiritualitätTranszendenz4
Loslösungnon-duality3
LoslösungMetaphysik2
MetaphysikSelbsttranszendenz2
SelbsttranszendenzSpiritualität2
Spiritualitätnon-duality2

Vorhandene Werke

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  1. Deutsche Predigten

    Eine moderne Sammlung von Eckharts volkssprachlicher Predigt, kein von ihm herausgegebenes Buch; diese deutschen Predigten sind der meistgelesene Teil seines Werks und die Hauptquelle der 1329 verurteilten Sätze.

    GMHDE
  2. Fragmente und Sprüche (Fragmente Und Sprueche)

    Kurze Sprüche und Predigtfragmente unter Eckharts Namen, von unsicherem Datum und teils unsicherer Echtheit; die Marginalien eines Werks, das nicht durch Druck, sondern durch Sprechen und Erinnern lebte.

    GMHDE
  3. Traktate du bist hier GMHDE
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