Zorn, Schulden und zu viel Gerede
Was taugt eine Philosophie im Hörsaal, wenn sie beim Familienstreit oder vor der Tür des Geldverleihers versagt? Plutarch setzt darauf, dass ein Platoniker seine Bildung im gewöhnlichen Leben beweist oder gar nicht.
Die kleinen Laster sind die eigentliche Prüfung. Also widmet Plutarch ganze Schriften der Beherrschung des Zorns, dem Schuldenmachen, der Neugier auf fremde Angelegenheiten, der Schwatzhaftigkeit, der falschen Scham, die nicht Nein sagen kann, und der Kunst, sich selbst zu loben, ohne Anstoß zu erregen. Daneben stehen Fragen des Lernens: wie junge Leute Dichtung hören sollen, wie man Vorträge hört, woran jemand merkt, dass er in der Tugend vorankommt. Die Themen sind mit Absicht häuslich. Wer gelehrt ist und doch weder Zunge noch Zorn im Zaum hält, hat nach diesem Maßstab noch nichts gelernt.
- Zorn
- Selbstkontrolle
- Mäßigung
- Reichtum
- Tugend
- Phronesis
- Erziehung
Ins Gespräch kommen
- Jemand weiß genau, wann ihm der Kragen platzt, und verliert trotzdem die Beherrschung. Was verlangt die Zähmung des Zorns über das bessere Wissen hinaus?
- Klatsch, Geschwätz und Schulden sind kleine Laster. Weicht ein Platoniker, der darüber schreibt, nicht den schwereren Fragen seiner eigenen Schule aus?
- Platon gestattet dem Nachbarn fremdes Wasser erst, wenn er bis zum Ton gegraben und nichts gefunden hat. Warum sollen wir vor dem Borgen zuerst die eigenen Mittel ausschöpfen?
- Athene erblickte beim Flötenspiel ihr Gesicht im Fluss und warf die Flöte weg. Warum soll Ihrer Ansicht nach ein Zorniger in einen Spiegel sehen?
- Jemand sagt gegen besseres Wissen zu, weil er einem Gegenüber nichts abschlagen kann. Warum gilt Ihnen diese Weichheit als Fehler und nicht als Güte?