Gibt es einen Prüfstein der Wahrheit?
Wer Wissen beansprucht, braucht ein Mittel, wahre Eindrücke von falschen zu unterscheiden. Die beiden Bücher gegen die Logiker fragen, ob es ein solches Mittel gibt, und finden jeden Kandidaten umstritten.
Die logischen Bücher beginnen mit einer Übersicht darüber, was Philosophen von Xenophanes bis Karneades als Richter der Wahrheit vorschlugen: die Vernunft, die Sinne, beides oder den Menschen, der sie gebraucht. Am ausführlichsten behandelt Sextus die stoische Antwort, einen Eindruck, den sein Gegenstand so genau prägt, dass er von nichts anderem stammen könnte. Die Geschichten, die ihn stützen sollen, untergraben ihn, von Menelaos, der der echten Helena nicht glaubt, bis zu Orestes, der seine Schwester für eine Rachegöttin hält. Umstrittene Prüfsteine schlichten keinen Streit, also wird das Urteil zurückgehalten.
- Erkenntnistheorie
- Wahrnehmung
- Wahrheit
- Wissen
- Mentale Repräsentation
- Stoizismus
- Vernunft
Ins Gespräch kommen
- Im dunklen Schatzraum tasten Suchende nach Gold, und selbst wer es in der Hand hält, kann es nicht wissen. Gleicht so die Suche nach Wahrheit?
- Menelaos kämpfte zehn Jahre vor Troja um ein Trugbild Helenas und glaubte dann der echten nicht. Welchem Eindruck hätte er trauen sollen?
- Orestes sah im Wahn seine Schwester Elektra als Rachegöttin. Wenn ein Wahnbild so wirklich wirkt wie das Sehen, woran erkennt jemand, dass er bei Sinnen ist?
- Karneades, Haupt der skeptischen Akademie, meinte, handeln könne man nach dem, was überzeugend wirkt und der Prüfung standhält. Reicht das zum Leben?
- Prüfen müsste die Wahrheit ein Mensch, doch die Philosophen sind sich nicht einmal einig, was ein Mensch ist. Wer könnte dann urteilen?