Leben ohne Überzeugungen
Kann jemand aufhören zu entscheiden, wie die Dinge wirklich sind, und trotzdem handeln, den Gesetzen folgen und Ruhe finden? Das erste Buch bejaht es und zeigt, wie ein solches Leben verläuft.
Sextus Empiricus teilt die Philosophen in drei Gruppen: die einen glauben, die Wahrheit gefunden zu haben, die anderen erklären sie für unauffindbar, die Skeptiker suchen noch. Stellt man jedem Argument ein gleich starkes entgegen, hält das Urteil inne; die Seelenruhe folgt dann wie der Schatten dem Körper. Der Skeptiker leugnet die Erscheinungen nicht, Honig schmeckt ihm weiterhin süß. Er lebt nach ihnen, geleitet von der Natur, von Hunger und Durst, von den Gesetzen und Sitten seines Landes und von den Fertigkeiten, die er gelernt hat.
- Skeptizismus
- Urteilsenthaltung
- Beipflichtung
- Dogmatismus
- Erscheinung und Wirklichkeit
- Sprache
- Ethik
- Wissen
Ins Gespräch kommen
- Der Maler Apelles scheiterte am Schaum eines Pferdemauls, warf wütend den Schwamm aufs Bild, und der Schaum war da. Warum kommt die Ruhe des Skeptikers auf dieselbe Weise?
- Skeptiker sind für Sie die, die noch suchen, doch die Ruhe kam erst, als sie aufhörten, entscheiden zu wollen. Ist das Suchen dann noch ernst gemeint?
- Wer friert oder Durst hat, leidet so oder so. Weshalb leidet doppelt, wer das zudem für von Natur aus schlecht hält?
- Ein Skeptiker hat keine Überzeugung darüber, wie die Dinge wirklich sind. Woher weiß er dann, dass er essen, den Gesetzen folgen und einen Beruf ausüben soll?
- Wie ein Arzt verordnen Sie gegen leichte Selbstgewissheit schwache Argumente, gegen hartnäckige starke. Kümmert es einen Skeptiker überhaupt, ob ein Argument gut ist?