Die Wissenschaft der Gerechtigkeit, die Smith nie vollendete
Lässt sich die Gerechtigkeit als System durcharbeiten, wie man eine Wissenschaft darlegt? Diese Mitschriften sind die vollste erhaltene Spur der Rechtstheorie, der Smith sein Leben lang nachging und die er nie vollendete.
Hinter der Ökonomie läuft Smiths eigentlicher Ehrgeiz: eine systematische Theorie der Gerechtigkeit — eine natürliche Rechtslehre, die erklärt, wie Gesellschaften zu Eigentum kommen, Verbrechen strafen, besteuern und regieren. Die Vorlesungen arbeiten Recht und Regierung als eine Wissenschaft mit Prinzipien durch, nicht als einen Katalog von Gesetzen, und fragen, was die Gerechtigkeit verlangt, statt was ein Staat gerade gebietet. Smith ließ seine eigenen Papiere vor seinem Tod verbrennen, sodass diese Theorie ohne einen Satz Studentenmitschriften gänzlich verschwunden wäre. Erhalten ist ein Entwurf: die vollste Aufzeichnung, die wir von einem Vorhaben haben, auf das sein Verfasser jahrzehntelang hinarbeitete und das er nie zu vollenden oder zu veröffentlichen vermochte.
- Rechtswissenschaft
- Gerechtigkeit
- Rechtsgeschichte
- Eigentumsrechte
- Strafrecht
- Souveränität
- Besteuerung
Ins Gespräch kommen
- Was bietet deine unvollendete Wissenschaft der Gerechtigkeit einem Menschen, der spürt, dass Gesetze gemacht werden, aber nicht sagen kann, was ein Gesetz gerecht macht?
- Du behandelst die Gerechtigkeit als etwas, das eine systematische Wissenschaft feststellen könnte — ist ein Sinn für Gerechtigkeit aber nicht mehr gefühlt als abgeleitet?
- Wie unterscheidet sich die Gerechtigkeit, der du in diesen Vorlesungen nachgehst, von dem, was die Gesetze eines gegebenen Staates gerade gebieten?
- Um die Gerechtigkeit durch eine Rechtswissenschaft statt durch das sittliche Gefühl zu suchen, welches Vertrauen ins Gewissen allein muss beiseitegelegt werden?
- Was gibt einem, der das Gesetz befolgt, aber zweifelt, dass es gerecht ist, deine Darstellung, woher die Gerechtigkeit kommt, zum Nachdenken?