WerkAugustine of Hippo

Vom Gottesstaat (De civitate Dei)

Rom fiel 410, und die Heiden gaben den Christen die Schuld; Augustinus antwortete mit zweiundzwanzig Büchern und zwei Staaten, die die ganze Geschichte durchziehen.

von Augustine of Hippo2.580 Passagen vorhanden

  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Originaltitel
De civitate Dei contra paganos
Erstveröffentlichung
(mit 59 Jahren)
Originalsprache
Latein

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Überblick

410 nahmen Alarichs Goten Rom und plünderten es drei Tage lang, und im ganzen Reich zogen die Heiden den naheliegenden Schluss: Tausend Jahre hatte die Stadt unter ihren alten Göttern gestanden und fiel binnen eines Jahrhunderts, nachdem sie sie für Christus verlassen hatte. Die nächsten dreizehn oder vierzehn Jahre, von etwa 413 bis 426, verbrachte Augustinus damit, diesen Vorwurf zu beantworten, in zweiundzwanzig Büchern — dem längsten zusammenhängenden Argument, das er je schrieb. Die erste Hälfte zerlegt die Anklage unmittelbar: Rom war schon lange vor jedem christlichen Kaiser geplündert, ausgehungert und von Bürgerkriegen zerrissen worden, und die Götter, denen es seine Größe zuschrieb, hatten es nie beschützt noch gut gemacht. Dann wendet sich das Argument und errichtet sein eigenes Gebäude, das, welches der Titel nennt. Zwei Staaten durchziehen die ganze Geschichte, geschieden nicht durch Mauern, sondern durch die Liebe — der irdische Staat, zusammengehalten von der Selbstliebe, getrieben bis zur Verachtung Gottes, der himmlische von der Gottesliebe, getrieben bis zur Verachtung seiner selbst — und kein sichtbares Reich, Rom eingeschlossen, ist je schlicht das eine oder das andere. Den Christen wird gesagt, in keinem Staat eine bleibende Heimat zu erwarten und den Frieden dieser Welt zu nutzen, ohne ihn mit dem Frieden zu verwechseln, der ihnen verheißen ist. Das Werk überlebte seinen Anlass gänzlich: Die heidnische Klage, zu deren Beantwortung es geschrieben war, verblasste, und die zwei Staaten wurden zu einem der Rahmen, in denen das mittelalterliche Europa über die Kirche, das Reich und die Zwecke der politischen Macht selbst nachdachte.

Schlüsselbegriffe

Was sind die zwei Staaten in Vom Gottesstaat?

Zwei Gemeinschaften, bestimmt nicht durch das Gebiet, sondern durch die Liebe: der irdische Staat, gebunden von der Selbstliebe, getrieben bis zur Verachtung Gottes, und der himmlische, gebunden von der Gottesliebe, getrieben bis zur Verachtung seiner selbst. Sie laufen vermischt durch die ganze Geschichte, ihre Glieder unter alle Völker verstreut, und werden unsichtbar geschieden, erst im Jüngsten Gericht zu trennen. Kein wirklicher Staat ist geradeheraus der eine oder der andere.

Warum schrieb Augustinus Vom Gottesstaat?

410 plünderten Alarichs Goten Rom, und die Heiden warfen vor, die Stadt sei gefallen, weil sie ihre alten Götter für Christus verlassen hatte. Augustinus verbrachte etwa dreizehn Jahre, von rund 413 bis 426, damit, diese Anklage in zweiundzwanzig Büchern zu beantworten. Die erste Hälfte widerlegt den Vorwurf unmittelbar; die zweite errichtet die Theologie der zwei Staaten, sodass das Werk über seinen Anlass hinauswuchs zu einer vollen Deutung der Geschichte und der politischen Ordnung.

Was hielt Augustinus vom Römischen Reich?

Er sprach ihm jeden heiligen Rang ab. Roms Größe, gab er zu, kam aus einer echten, doch geringeren Tugend, der Liebe zum Ruhm, die Gott mit irdischer Herrschaft belohnte, ihrem vollen und einzigen Lohn. Doch kein Reich ist der Gottesstaat, und die Christen schulden keinem Staat ihre letzte Treue. Ein Gemeinwesen ohne wahre Gerechtigkeit, deutet er an, ist zuletzt kaum besser als eine große Räuberbande.

Wie erklärt Augustinus, dass die Guten leiden und die Bösen gedeihen?

Durch Aufschub. Lohn und Strafe werden am Ende der Geschichte entschieden, nicht in ihr, sodass gegenwärtiges Glück kein Maß des Verdienstes ist. Dieselben Heimsuchungen, fügt er hinzu, wirken verschieden auf verschiedene Seelen, läutern die Guten und verhärten die Bösen, wie ein Feuer den Ton härtet und das Wachs schmilzt. Die Vorsehung lenkt durchweg, doch ihre Gerechtigkeit ist weithin verborgen, ihr zu vertrauen statt sie an Ereignissen abzulesen.

Was meint Augustinus, wenn er Christen Fremdlinge nennt?

Weil der Gottesstaat noch nicht versammelt ist, leben seine Glieder als Pilger oder Fremdlinge in welchem irdischen Staat auch immer sie wohnen. Sie nutzen seinen Frieden, gehorchen seinen Gesetzen und teilen seine Güter, halten ihn aber nicht für ihre wahre Heimat noch seinen Frieden für den Frieden, der ihnen zuletzt verheißen ist. Das Bild setzt einen bleibenden Abstand zwischen die Bürgerschaft des Gläubigen und jede politische Ordnung.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Zwei Staaten, durch die Liebe geschieden

Was scheidet die Menschen zuletzt, wenn nicht Nation, Klasse oder Bekenntnis? Augustinus antwortet mit zwei Staaten, die die ganze Geschichte durchweben, gekennzeichnet nicht durch Mauern, sondern durch das, was jeder liebt.

Zwei Lieben bauten zwei Staaten, schreibt Augustinus: den irdischen die Selbstliebe, getrieben bis zur Verachtung Gottes, den himmlischen die Gottesliebe, getrieben bis zur Verachtung seiner selbst. Es sind nicht zwei Reiche oder zwei Kirchen, sondern zwei Zugehörigkeiten, die vermischt durch jedes Zeitalter laufen, unsichtbar geschieden, erst am Ende zu trennen. Kein sichtbarer Staat, Rom eingeschlossen, ist je schlicht der eine oder der andere, und die Glieder jedes von ihnen sind unter alle Völker verstreut. Weil der wahre Staat noch nicht versammelt ist, leben die Christen als Fremdlinge in welchem Staat auch immer sie wohnen, seinen Frieden nutzend, ohne ihn mit dem Frieden zu verwechseln, der ihnen zuletzt verheißen ist.

  • Gemeinschaft
  • Identität
  • Gerechtigkeit
  • Transformation
  • Glauben
  • Spiritualität
  • Transzendenz

Eine Gestalt, verborgen in aller Geschichte

Bewegt sich die Geschichte auf etwas zu, oder wiederholt sie sich bloß und verfällt? Augustinus liest die ganze Menschheitsgeschichte als einen einzigen Bogen der Vorsehung, dessen Sinn Gott kennt und wir nur erahnen.

Gegen das heidnische Empfinden der Zeit als endloser Kreisläufe gibt Augustinus der Geschichte einen Anfang, eine Richtung und ein Ende, ein Drama von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht. Die Vorsehung lenkt es, doch ihr Wirken bleibt weithin verborgen: Die Guten leiden und die Bösen gedeihen, weil Lohn und Strafe auf ein Ende aufgeschoben sind, das wir von innen nicht sehen. Er verwirft jede zuversichtliche Lesart der Ereignisse als klare göttliche Urteile, Roms Fall eingeschlossen. Die Geschichte hat einen Sinn, doch ihn zu kennen ist Gottes Sache; unsere ist, ihm zu vertrauen, nicht ihn in Zeichen der Gunst oder des Zorns zu lesen.

  • Geschichte
  • Vorsehung
  • Teleologie
  • Zeit
  • Interpretation
  • Urteil
  • Göttliche Vorsehung

Die Antwort auf die Anklage gegen die Christen

Rom stand tausend Jahre unter seinen alten Göttern und fiel binnen eines Jahrhunderts, nachdem es sich Christus zugewandt hatte. Augustinus nimmt die Anklage auf und kehrt sie gegen die Götter selbst.

410 plünderten Alarichs Goten Rom, und die Heiden gaben dem Verlassen der alten Götter für Christus die Schuld. Augustinus antwortet unmittelbar: Rom war schon lange vor jedem christlichen Kaiser geplündert, ausgehungert und von Bürgerkriegen zerrissen worden, und die Götter, denen es das zuschrieb, hatten es nie beschützt noch sein Volk gut gemacht, waren sie doch in eben den Erzählungen über sie Schirmherren des Lasters. Was Rom an Größe hatte, kam aus einer Liebe zum Ruhm, einer Tugend von einer Art, doch nicht der wahren, und selbst die belohnte Gott mit dem Reich, das es suchte. Die Götter boten weder irdische Sicherheit noch ewiges Leben, sodass ihr Verlust nichts Wirkliches nahm.

  • Autorität
  • Macht
  • Tugend
  • Moralität
  • Tradition
  • Theologie
  • Menschennatur

In diesem Werk

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2.580
eigenständige Begriffe
1.800
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 5

Was dieses Buch zusammen denkt

Jeder Bogen am Rad ist ein Begriff dieses Buches. Ein Band verbindet zwei, nach denen der Text gemeinsam greift; seine Breite zeigt, wie viele seiner Passagen beide enthalten. Am stärksten: Gerechtigkeit mit Moralität.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 8 Paarungen. 99 gemeinsame Passagen insgesamt. 92 schwächere Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
GerechtigkeitMoralität19
GeschichteWahrheit16
InterpretationWahrheit16
EthikMoralität13
EthikGerechtigkeit12
LeidenTransformation9
GerechtigkeitLeiden8
GerechtigkeitGeschichte6

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