Im römischen Afrika des vierten Jahrhunderts stand eine Frage über allen anderen: Wenn ein einziger guter Gott alles geschaffen hat, woher kommt dann das Böse? Die Kirchen antworteten schlecht. Die Manichäer antworteten glänzend — zwei ewige Mächte, Licht und Finsternis, im Krieg quer durch den Kosmos und durch jeden einzelnen Menschen hindurch. Das Böse war eine Substanz. Es war in den Menschen eingedrungen, und was dieser falsch tat, gehörte im Grunde nicht ihm. Ein Rhetoriklehrer aus Thagaste hielt das für die einzige Deutung, die einer Prüfung standhielt, und blieb neun Jahre lang Hörer der Sekte.
Zerbrochen ist diese Überzeugung an einem einzigen enttäuschenden Gespräch. Seine Zweifel hatten sich auf die Astronomie zugespitzt: Die manichäischen Erzählungen über Sonne, Mond und Sterne stimmten mit nichts überein, was sich berechnen ließ. Man vertröstete ihn auf Faustus, den gefeiertsten Lehrer der Bewegung. Faustus kam nach Karthago, sprach wunderschön und wusste nicht mehr als Augustinus. Augustinus ging trotzdem nicht — er hatte keinen Ort, an den er hätte gehen können.
Mailand gab ihm den Ausweg. 384 übernahm er dort einen öffentlich besoldeten Lehrstuhl für Rhetorik und hörte, wie Ambrosius die Schrift allegorisch las statt als wörtlichen Bericht; 386 las er lateinische Übersetzungen von Plotin und Porphyrios. Aus diesen Büchern kam der Schritt, der das Problem vollständig auflöste: Das Böse ist kein Ding. Es ist eine Privation, ein Gutes, dem fehlt, was ihm zukommen sollte — so wie Blindheit keine Substanz ist, sondern ein Auge ohne Sehkraft. Nichts Böses wurde je geschaffen, weil das Böse nie ein Geschöpf war.
Die Lösung kam mit einer Rechnung, und dass er sie beglich, machte ihn zum Philosophen statt bloß zum Konvertiten. Ist das Böse keine fremde Materie, die im Menschen sitzt, dann ist die Unordnung sein eigenes Wollen — und vierzig Jahre lang hat Augustinus daran gearbeitet, was dieses Wollen dann eigentlich ist. Er fand es in sich selbst gespalten. Ein Mensch befiehlt seiner Hand, und die Hand gehorcht; er befiehlt seinem eigenen Willen, und der verweigert sich. Die Bekenntnisse, um 396 bis 400 von einem Bischof über einen Menschen geschrieben, der zu sein er aufgehört hatte, sind der Bericht dieser Entdeckung. Sie sind keine Memoiren, sondern das Argument, dass ein Mensch sich selbst undurchsichtig ist — geführt, indem die erste Person zum Instrument wird.
Den Rest trug er öffentlich aus. 391 wurde er in Hippo offenbar gegen seinen Willen geweiht, 396 war er Bischof; rund dreihundert Briefe und sechshundert Predigten sind geblieben. Als Rom 410 an die Westgoten fiel und Heiden dafür die Christen verantwortlich machten, begann er den Gottesstaat: zweiundzwanzig Bücher, 426 abgeschlossen, die die Geschichte in zwei Staaten teilen und das Schicksal des Glaubens vom Schicksal jedes Reiches lösen. Der Westen bezog daraus seine erste Geschichtsphilosophie. Dort schärfte er auch das alte Instrument weiter und hielt fest, dass ein Getäuschter existieren muss, um getäuscht werden zu können — zwölf Jahrhunderte, bevor Descartes darauf ein System baute.
Der letzte Streit war der bitterste. Pelagius lehrte, Gott gebiete nichts, was ein Mensch nicht leisten könne. Augustinus hielt dagegen, der Wille sei gebunden und allein die Gnade löse ihn, und er setzte sich durch: Karthago verurteilte Pelagius 418. Julian von Aeclanum griff ihn dennoch bis zu seinem Tod weiter an. Seine härtesten Positionen kamen zuletzt — die Vorherbestimmung und das Los der ungetauft gestorbenen Kinder. Ob die Gnade, die er beschrieb, überhaupt Raum zum Wählen lässt, ist in der Forschung bis heute umstritten.
Er starb am 28. August 430, während die Vandalen Hippo belagerten. Drei Jahre zuvor war er dreiundneunzig seiner eigenen Bücher noch einmal durchgegangen und hatte ihre Irrtümer selbst verzeichnet. Im Westen blieb seine Autorität bis ins neunzehnte Jahrhundert im Wesentlichen unangefochten; heute wird sie von mehreren Seiten hart bestritten. Die Frage, die er unausweichlich gemacht hat, ist es nicht.