Einfache Grundsätze, schwere Ausführung
Wenn die Grundsätze des Krieges einfach sind, warum hält man sie so schwer ein? Clausewitz lehrte seinen königlichen Schüler, dass die Schwierigkeit nicht im Kennen liegt, sondern im Festhalten, sobald der Kampf beginnt.
Die Theorie, so bestand er, muss mit moralischen Kräften rechnen und nicht nur mit Zahlen: mit den wahrscheinlichen Fehlern des Gegners, dem Eindruck eines kühnen Schlages, sogar mit der eigenen Verzweiflung; wer anders lehrt, ist ein Pedant. Die Ratschläge zu Taktik und Strategie sind konkret, genommen aus den Schlachten Friedrichs des Großen, darunter Leuthen, und aus denen Napoleons bei Regensburg und Wagram. Doch der Krieg gleicht einer Maschine mit ungeheurer Friktion, und ein Plan, der sich leicht auf dem Papier entwerfen lässt, wird nur mit großer Mühe ausgeführt. Daher der Schlussappell: kühn im Entwurf, fest in der Ausführung.
- Militärtheorie
- Militärstrategie
- Taktik
- Planung
- Ungewissheit
- Risiko
- Mut
- Moral
- Standhaftigkeit
- Urteil
- Entscheidungsfindung
- Befehl
- Führung
- militärische Führung
Ins Gespräch kommen
- Friedrich der Große griff bei Leuthen an, nicht des berechneten Sieges gewiss, sondern vertraut mit dem Gedanken an einen ehrenvollen Untergang. Warum gibt das einem Feldherrn Halt?
- Geschichtsschreiber verschönern oft die Taten ihres Heeres oder richten Ereignisse nach den Regeln zurecht. Warum soll ein künftiger Feldherr Gefechte im Einzelnen studieren, nicht ihre Schlüsse?
- Welche Zweifel muss ein Feldherr zu überhören lernen, um standhaft zu bleiben, sobald der Kampf beginnt?
- Manche meinen, die Theorie rate stets zur Vorsicht. Warum würde sie, wenn sie überhaupt etwas rät, das Kühnste raten?
- Wenn mitten in einem Kampf die Verzweiflung kommt, wie soll man sie verbuchen: als Auskunft oder als Feind?