Wer hat wen falsch gelesen
Wenn ein Gelehrter erklärt, sein Werk sei gekürzt und entstellt worden, wie soll der Streit entschieden werden? Du Châtelets Antwort: beide Texte vor den Leser legen und ihn urteilen lassen.
Mairan warf ihr vor, seine Abhandlung nicht richtig gelesen, sie in ihrem Auszug verstümmelt und ihre Ansichten von Gästen in ihrem Haus übernommen zu haben. Du Châtelet beantwortet jeden Vorwurf mit Texten. Sie druckt ihren Auszug neben seinen Wortlaut, damit der Leser die Abweichungen selbst wägt, gesteht mit gespieltem Ernst, die Worte „oder dauert immer“ ausgelassen zu haben, und dreht den Vorwurf um: Er selbst hat die Worte gestrichen, die ihre Behauptung einschränken. Die Gäste können sie nichts gelehrt haben, denn sie änderte ihre Meinung beim Lesen Johann Bernoullis, und ihre Korrektur war gedruckt, bevor sie kamen. Autorität entscheidet ohnehin nichts in einer Frage, die mathematisch geworden ist.
- Textgenauigkeit
- Zitat
- Interpretation
- Textinterpretation
- Lektüre
- Rhetorik
- Argumentation
- Autorität
- Darlegung der Gegenpositionen
- philosophische Debatte
- Widerlegung
- Beipflichtung
Ins Gespräch kommen
- Mairan wirft Ihnen vor, seine Abhandlung verstümmelt zu haben, und Sie drucken Ihren Auszug neben seinen Wortlaut. Warum überlassen Sie das Urteil dem Leser, statt sich zu verteidigen?
- Einer Frau wird gesagt, ihre Ansichten stammten gewiss von den Gästen in ihrem Haus. Weshalb antworten Sie mit einer bereits gedruckten Berichtigung statt mit Empörung?
- Nur der strenge Stil passe zur Philosophie, sagen Sie, und dann verspotten Sie die Rechnung Ihres Gegners mit einem Diamantenkauf. Hilft der Spott dem Argument?
- Mairan lehnt Autoritätsargumente ab, bemerken Sie, und stützt sich doch auf Newton. Wieso zählt Autorität nichts mehr, sobald eine Frage mathematisch geworden ist?
- Immer wieder sollen Sie Mairans Abhandlung neu lesen und finden doch keinen der versprochenen Beweise darin. Wann hört „Lesen Sie nochmals“ auf, ein Argument zu sein?