Die Idole, die den Geist verzerren
Begegnet der Geist der Natur rein, oder schon aus der Richtung gebogen? Bacons berühmte Diagnose lautet: Vier Arten von Trugbildern verzerren das Denken, ehe die Forschung überhaupt beginnt.
Der berühmteste Zug des Buches ist seine Lehre von den Idolen — den systematischen Trugbildern, die den Geist verzerren, ehe er auf ein Zeugnis trifft. Es sind vier: jene, die der ganzen Gattung angeboren sind, jene, die dem Gemüt und der Geschichte jedes Einzelnen eigen sind, jene, die aus der Schlüpfrigkeit der Worte entstehen, und jene, die aus überkommenen Philosophien aufgenommen werden. Der Irrtum ist nicht bloß Nachlässigkeit, die man Fall für Fall berichtigt, sondern eine ständige Verzerrung, in Wahrnehmung, Sprache und Überlieferung eingebaut. Erst von seinen Idolen befreit, kann der Geist die Natur lesen — darum macht Bacon diese Diagnose zum Grund seiner Methode.
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Ins Gespräch kommen
- Alchemisten, die am Schmelzofen arbeiten, spinnen aus wenigen Versuchen eine ganze Philosophie. Wie verzerrt das Lieblingsthema eines Menschen seinen Blick auf alles andere?
- Sie sagen, vier Arten von Trugbildern verbiegen jeden Geist, bevor er auf Belege trifft. Wenn das auch für Ihren gilt, warum sollte man Ihrem Bericht darüber trauen?
- Der Geist unterstellt der Natur mehr Ordnung, als er vorfindet, etwa perfekte Kreisbahnen der Himmelskörper. Wie könnte jemand diese Gewohnheit an sich selbst ertappen?
- Sie warnen vor den Verehrern der Alten wie vor den Jägern des Neuen und wollen doch Aristoteles ersetzen. Auf welcher Seite stehen Sie?
- Kreide und Schlamm seien gute Wörter zum Denken, Erde aber ein schlechtes. Warum sollte ein weites Alltagswort stärker irreführen als ein enges?