WerkHenry David Thoreau

Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat und andere Essays

Vierzehn Essays und Reden, darunter der Bericht über eine Nacht im Gefängnis, den Gandhi und Martin Luther King Jr. später als Methode lasen.

von Henry David Thoreau362 Passagen vorhanden

  • Englisch, die Originalsprache
Originaltitel
Civil Disobedience and Other Essays
Erstveröffentlichung
(posthum erschienen)
Originalsprache
Englisch

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Überblick

Martin Luther King Jr. las „Civil Disobedience“ zum ersten Mal als Student am Morehouse College in Atlanta, wo er 1944 sein Studium aufnahm, und nach eigener Auskunft danach noch mehrere Male. Gandhi hatte 1907 einen Teil davon für die Leser seiner Zeitung in Südafrika übersetzt, sagte später allerdings, seine Kampagne sei längst im Gang gewesen, als er den Essay kennenlernte. Am Anfang stand eine Steuerforderung. Im Juli 1846 verlangte Sam Staples, der Steuereinnehmer von Concord in Massachusetts, von Thoreau die Kopfsteuer, einen festen Betrag pro Kopf, den Thoreau seit sechs Jahren nicht gezahlt hatte. Er weigerte sich, weil das Geld eine Regierung stützte, die die Sklaverei aufrechterhielt und Krieg gegen Mexiko führte. Dafür verbrachte er eine Nacht im Gefängnis der Stadt; dann zahlte jemand, wahrscheinlich seine Tante, für ihn. Anfang 1848 erläuterte er seine Weigerung vor dem Concord Lyceum, dem Vortragsverein der Stadt, und 1849 wurde der Vortrag unter dem Titel „Resistance to Civil Government“ gedruckt. Der heute gebräuchliche Titel tauchte erstmals 1866 auf, vier Jahre nach Thoreaus Tod. Der Essay wendet sich gegen William Paley, den englischen Moralphilosophen, der gelehrt hatte, einer Regierung sei so lange zu gehorchen, wie der Widerstand die Allgemeinheit mehr koste als das Unrecht, das diese Regierung begeht. Thoreau erwidert, manches Unrecht lasse sich so nicht abwägen. Macht ein Gesetz einen Menschen zum Werkzeug des Unrechts an einem anderen, so muss er es brechen und das Gefängnis hinnehmen; ein Staat, der wählen muss, ob er alle seine gerechten Bürger einsperrt oder das Unrecht aufgibt, wird das Unrecht aufgeben. Die späteren Stücke gehen weiter. „Slavery in Massachusetts“ ist eine Rede, gehalten am 4. Juli 1854 in Framingham. Einen Monat zuvor hatten Marineinfanteristen und Soldaten des Bundes Anthony Burns, der aus der Sklaverei in Virginia geflohen war, durch Boston zu dem Schiff eskortiert, das ihn zurückbrachte. „A Plea for Captain John Brown“ trug Thoreau am 30. Oktober 1859 in Concord vor, zwei Wochen nachdem der Sklavereigegner John Brown das Waffenarsenal des Bundes in Harpers Ferry in Virginia überfallen hatte; die Rede verteidigt einen Mann, der zu den Waffen gegriffen hatte. „Walking“ behauptet, dass Menschen nur durch die Berührung mit der Wildnis lebendig bleiben, und erschien im Juni 1862 im Atlantic Monthly, einen Monat nach Thoreaus Tod.

Schlüsselbegriffe

Was ist eine „Mehrheit von einem“?

Eine Mehrheit von einem ist Thoreaus Ausdruck für einen einzelnen Menschen, der mehr im Recht ist als seine Nachbarn. Im Essay über den Ungehorsam rät er den Gegnern der Sklaverei, der Regierung ihre Unterstützung zu entziehen und nicht zu warten, bis sie in der Überzahl sind. Recht wird nicht dadurch Recht, dass man es zählt, und wer danach handelt, besitzt schon die Autorität, die eine Mehrheit beansprucht. Es genüge, fügt er hinzu, Gott auf seiner Seite zu haben.

Was meint Thoreau mit Zweckmäßigkeit?

Zweckmäßigkeit heißt, über das Handeln zu entscheiden, indem man Vorteile gegen Kosten abwägt. Thoreau übernimmt das Wort von William Paley, dem englischen Moralphilosophen, für den man einer Regierung gehorchen soll, solange Widerstand der Allgemeinheit mehr schadet als der Missstand. Für kleine Dinge lässt er die Regel gelten, für die Gerechtigkeit nicht. Eine Planke, die man einem Ertrinkenden zu Unrecht entrissen hat, muss man zurückgeben, auch wenn man ertrinkt, und ein Volk muss aufhören, Sklaven zu halten, was es auch kostet.

Was heißt es, dem Staat als Maschine zu dienen?

Dem Staat als Maschine dient, wer ihm seinen Körper gibt, ohne Urteil oder sittliches Empfinden zu gebrauchen. Thoreaus Beispiele sind Soldaten, Gefängniswärter und Polizeidiener, die er auf eine Stufe mit Holz und Steinen stellt. Gesetzgeber und Beamte dienen mit dem Kopf und unterscheiden selten nach Recht und Unrecht. Sehr wenige, die Helden, Märtyrer und Reformer, dienen auch mit dem Gewissen, widersetzen sich darum meist dem Staat und werden von ihm als Feinde behandelt.

Was meint Thoreau im Essay über das Gehen mit dem Wilden?

Das Wilde ist alles in der Natur und im Menschen, was nicht gezähmt und nutzbar gemacht wurde, und Thoreau sieht darin die Quelle aller Kraft. Es ist ebenso sehr eine Eigenschaft wie ein Ort: Der Westen, von dem er spricht, ist nur ein anderer Name dafür. Er findet es in den Büchern, die uns anziehen, in einem Stück Musik und in den Freunden, die er sich wünscht, wilden Menschen statt zahmen. Alles Gute, sagt er, ist wild und frei.

Was versteht Thoreau unter dem Erwerb des Lebensunterhalts?

Der Erwerb des Lebensunterhalts ist die Art, wie ein Mensch verdient, was er braucht, und für Thoreau gehört er zum Leben selbst und ist kein bloßes Mittel dazu. Ist dieser Erwerb nicht verlockend und herrlich, schreibt er, dann ist es das Leben auch nicht. Arbeit bemisst sich deshalb daran, ob sie um ihrer selbst willen getan wird. Er würde den einstellen, der aus Liebe zur Sache arbeitet, und nennt einen Arbeiter betrogen, der nur seinen Lohn erhält.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Wenn das Gewissen über dem Gesetz steht

Muss ein Bürger sein Gewissen je dem Gesetzgeber überlassen? Thoreau verneint das im Essay über den Ungehorsam und fragt, was man einer Regierung schuldet, die im eigenen Namen Unrecht tut.

Wir sollten zuerst Menschen sein und danach Untertanen, schreibt Thoreau. Die meisten dienen dem Staat als Maschinen, mit ihrem Körper. Ein Unrecht, das bloß Reibung in der Maschine der Regierung ist, mag man hinnehmen; eines, das einen zum Werkzeug des Unrechts an einem anderen macht, verlangt den Gesetzesbruch. Wählen genügt dieser Pflicht nicht, es ist eine Art Glücksspiel. Gegen William Paleys Regel, die Kosten abzuwägen, hält er: Eine Planke, die man einem Ertrinkenden entrissen hat, muss man zurückgeben, auch wenn man selbst ertrinkt. Unter einer Regierung, die zu Unrecht einsperrt, ist der rechte Platz für einen Gerechten das Gefängnis.

  • ziviler Ungehorsam
  • Gewissen
  • Politische Autorität
  • Gerechtigkeit
  • Freiheit

Sklaverei, John Brown und das Ende der Geduld

Was schuldet ein freier Staat einem Menschen, den er in die Sklaverei zurückschickt, und was darf man für ihn tun? In den 1850er-Jahren rückt Thoreaus Antwort von der Verweigerung zur Verteidigung der bewaffneten Befreiung.

In „Sklaverei in Massachusetts“ wendet sich Thoreau gegen den eigenen Staat, der einen Entflohenen ausliefert: Das Gesetz mache Menschen nie frei, sagt er, die Menschen müssten das Gesetz frei machen, und ihm sei, als habe er ein Land verloren. Richter, die nur fragen, was das Gesetz erlaubt, nennt er Prüfer von Einbrecherwerkzeug. Fünf Jahre später geht das Plädoyer für Captain John Brown weiter. Brown lehrte, man dürfe mit Gewalt eingreifen, um den Sklaven zu befreien, und Thoreau stimmt zu; diese Menschenliebe ist ihm lieber als eine, die weder schießt noch befreit. Nach der Hinrichtung schreibt er, Brown sei lebendiger denn je.

  • Sklaverei
  • Abolitionismus
  • moralischer Mut
  • Mut
  • Heldentum
  • Volksmeinung
  • Rhetorik

Gehen und die Wildnis, die uns am Leben hält

Was verliert, wer Straße und Acker nie verlässt? In den Naturessays behandelt Thoreau die Wildheit als Bedürfnis des Geistes und das Gehen als den Weg zu ihr.

Der Essay über das Gehen spricht im ersten Satz ein Wort für die Natur und für unbedingte Freiheit, gegen eine bloß bürgerliche Freiheit und Kultur. Der Gehende, den Thoreau meint, ist ein Schlenderer; das englische Wort dafür leitet er von Pilgern ins Heilige Land her. Ankommen muss er im Geist, nicht nur mit dem Körper. Der Westen, auf den er zugeht, ist ein anderer Name für das Wilde, und in der Wildheit liegt die Erhaltung der Welt. Darum setzt er auf den schwankenden Sumpf und schlägt eine Gesellschaft zur Verbreitung nützlicher Unwissenheit vor. Der Winterspaziergang und der Essay über Nacht und Mondlicht gehen denselben Weg bei Schnee und Mondschein.

  • Natur
  • Gehen
  • Mensch-Natur-Beziehung
  • Zivilisation
  • Wahrnehmung
  • Aufmerksamkeit
  • Wissen

Sein Brot verdienen, ohne das Leben zu verlieren

Gehört die Art, wie jemand sein Geld verdient, zu der Frage, wie gut er lebt? Für Thoreau entscheidet sie darüber, und weder Lohn noch Gold noch Maschinen ersetzen die Arbeit selbst.

„Leben ohne Grundsätze“ geht von einer Klage aus: Diese Welt ist ein Ort der Geschäfte, und nichts steht der Dichtung, der Philosophie, ja dem Leben selbst so sehr entgegen. Wer im Wald spazieren geht, heißt Faulenzer, wer ihn abholzt, fleißig. Die Wege zum Geld führen fast ausnahmslos abwärts, und der Goldrausch nach Kalifornien ist eine Lotterie, die der Menschheit Schande macht. Arbeit soll aus Liebe zur Sache getan werden. Einem Plan, die Arbeit durch Wind und Gezeiten abzuschaffen, hält er entgegen, er ziele bloß auf groben Komfort, und nichts werde bewirkt außer durch einen Einzelnen.

  • Arbeit
  • Erwerbsarbeit
  • Technik
  • Utopismus
  • Tugend
  • Zeit

In diesem Werk

Passagen vorhanden
362
eigenständige Begriffe
623
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 208

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Sklaverei“ und „ziviler Ungehorsam“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 17 Paarungen. 90 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
Sklavereiziviler Ungehorsam9
FreiheitNatur7
GerechtigkeitSklaverei6
Gewissenziviler Ungehorsam6
AbolitionismusGerechtigkeit4
FreiheitSklaverei4
GewissenSklaverei4
Abolitionismusziviler Ungehorsam3
NaturTechnik3
AbolitionismusSklaverei2
Freiheitziviler Ungehorsam2
Gerechtigkeitziviler Ungehorsam2
AbolitionismusGewissen1
FreiheitGewissen1
GerechtigkeitGewissen1
NaturSklaverei1
Naturziviler Ungehorsam1

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. 1849 Ich befuhr einen Fluss bei günstigen Winden. Eine Bootfahrt auf dem Concord und Merrimack (A Week on the Concord and Merrimack Rivers)

    Das erste von Thoreaus zwei Büchern, am Walden Pond zum Gedenken an seinen Bruder John entworfen und auf eigene Kosten gedruckt. Weil es sich nicht verkaufte, hielt er Walden oder Leben in den Wäldern zurück, das noch fünf Jahre warten musste.

    EN
  2. 1854 Walden oder Leben in den Wäldern (Walden)

    Das Buch, für das Thoreau bekannt ist, und das zweite von nur zweien, die er zu Lebzeiten veröffentlichte; es ging aus dem Aufenthalt am See hervor, während dessen er auch den ersten Entwurf von Ich befuhr einen Fluss bei günstigen Winden. Eine Bootfahrt auf dem Concord und Merrimack abschloss, erschien aber erst 1854.

    EN
  3. 1863 Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat und andere Essays (Civil Disobedience and Other Essays) du bist hier EN
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