Die Welt bis auf nichts bezweifeln
Wie weit lässt sich der Zweifel treiben, ehe etwas sich weigert, nachzugeben? Descartes verweigert allem, was im Geringsten unsicher ist, die Zustimmung und jagt den einen Glauben, den ein Betrüger nicht erschüttern könnte.
Die erste Meditation baut das Wissen mit Absicht ab. Die Sinne täuschen, also ist ihnen nicht zu trauen; der Traum zeigt, dass wir Wachen und Schlaf nicht immer scheiden können; und ein höchst mächtiger Betrüger, ein bösartiger Dämon, könnte selbst zwei und drei fünf ergeben lassen. Descartes behandelt jedes davon nicht als müßige Sorge, sondern als Werkzeug, ein Ätzmittel, auf den Glauben gelegt, bis nur bleibt, was sich nicht bezweifeln lässt. Es ist methodischer Zweifel, Zweifel im Dienst des Wiederaufbaus: Er setzt jedes Urteil einmal aus, damit, was übersteht, das Gewicht einer Wissenschaft tragen kann. Der Dämon ist Übertreibung mit Absicht, die stärkste Probe, die er ersinnen kann.
- Skepsis
- Gewissheit
- Irrtum
- Urteil
- Erkenntnistheorie
- Fundamentalismus
- Wahrnehmung
- Empfindung
- Ideen
Ins Gespräch kommen
- Wenn ein Mensch nicht mehr sagen kann, welche seiner Überzeugungen wahrhaft die seinen sind, ist dein radikaler Zweifel eine Heilung oder eine tiefere Krankheit?
- Selbst die Mathematik zu bezweifeln sieht nach einem Spiel aus, in dem niemand wirklich leben könnte; warst du je wahrhaft unsicher über zwei und drei?
- Wie unterscheidet sich der Zweifel, den du hier loslässt, von dem des Skeptikers, der das Wissen abträgt und sich dann in den Trümmern niederlässt?
- Jedes Urteil auf einmal auszusetzen verlangt, den Trost von allem Festen aufzugeben; was muss ein Geist ertragen, um da hindurchzugehen?
- Warum überhaupt einen allmächtigen Betrüger erfinden, wenn gewöhnlicher Irrtum und gewöhnliche Täuschung schon Grund genug geben, den Sinnen zu misstrauen?