Moral lernt man, indem man beobachtet wird
Woher kommt das Urteil über das eigene Verhalten, wenn kein Vermögen Richtig und Falsch aufspürt? Smith erklärt dieses Urteil für geborgt und das Gewissen für die Gewohnheit, aus sich herauszutreten.
Hutcheson setzte Tugend gleich Wohlwollen, Mandeville führte sie auf Eitelkeit zurück; Smith lehnte beides ab und setzte einen gedachten Betrachter an die Stelle, an der ein moralischer Sinn gestanden hatte. Das eigene Verhalten billigen wir, wenn ein Zuschauer, der nichts von uns will, mitgehen könnte, und dieser Zuschauer ist aus allen zusammengesetzt, die je über uns geurteilt haben. Sympathie ist dabei die Maschinerie: nicht Güte, sondern die gewöhnliche Arbeit, in eine fremde Lage einzutreten. Gegen Hume spielt die Nützlichkeit keine begründende Rolle, und ein göttliches Gebot braucht es nicht.
- Sympathie
- unparteiischer Beobachter
- moralisches Urteil
- Moralpsychologie
- Gewissen
- Schicklichkeit
- moralisches Glück
Ins Gespräch kommen
- Wer ganz allein aufwüchse, könnte den eigenen Charakter so wenig beurteilen wie sein Gesicht ohne Spiegel. Wer oder was wird für uns zu diesem Spiegel?
- Wenn der innere Zuschauer aus den Nachbarn zusammengesetzt ist, ist das Gewissen dann nicht die Meinung derer, die einen zufällig erzogen haben?
- Jemand wird für einen Unfall getadelt, den er nicht verhindern konnte. Soll er das Urteil der Welt annehmen, oder irrt die Welt schlicht?
- Für einen Mord aufs Rad geflochten, den er nie beging, fragt Calas den Mönch, der ihn zum Geständnis drängt, ob er ihn schuldig glaubt. Was gibt ihm Halt?
- Wir bedauern die Toten wegen des kalten Grabes und des verlorenen Sonnenlichts, obwohl nichts davon sie berührt. Was zeigt das darüber, woher unser Mitgefühl kommt?