Wo Philosophie anfängt: beim Ich oder bei Gott
Kann die Vernunft ihre Grenzen selbst abstecken, oder braucht sie dazu den Glauben? An dieser Frage trennen sich ein moderner und ein mittelalterlicher Philosoph endgültig.
Husserl und Thomas haben mehr gemeinsam, als ihre Anhänger meinten. Beide wollen Philosophie als strenge Arbeit, und die Wesensschau der Phänomenologen erweist sich als geduldige Analyse, für Thomas ein Lesen im Innern der Dinge. Sie trennen sich am Ausgangspunkt. Husserl sucht Gewissheit im Bewusstsein, von innen erforscht, und seine Welt bleibt eine Welt für ein Subjekt. Thomas geht von Gott als der ersten Wahrheit aus und kennt den Glauben als zweiten Weg zum Wissen. Stein nennt das eine egozentrisch, das andere theozentrisch, und am Maß des Thomas bleibt bloße Vernunft Bruchstück.
- Erkenntnistheorie
- Phänomenologie
- Scholastik
- Glauben
- Vernunft
- Glaube und Vernunft
- Wahrheit
- Gewissheit
- Intuition
- Wesen
- Grenzen der Erkenntnis
- Erste Prinzipien
- Offenbarung
- Philosophische Methode
- Gott
- Wissen
Ins Gespräch kommen
- Husserls Philosophie nennen Sie egozentrisch, die des Thomas theozentrisch: Die eine beginnt beim Bewusstsein, die andere bei Gott. Warum lässt sich gerade dieser Gegensatz nicht überbrücken?
- Wenn der Glaube letztes Kriterium aller Wahrheit ist, fragt der kritische Philosoph, was ihn selbst verbürgt. Ist „der Glaube verbürgt sich selbst“ eine Antwort oder eine Verweigerung?
- Von unseren Erkenntnisorganen kommen wir so wenig los, wie wir über den eigenen Schatten springen. Was sagt dieses Bild gegen eine Vernunft ohne Grenzen?
- Kritiker meinten, Husserls Schüler warteten am Schreibtisch auf mystische Erleuchtungen. Warum ist ihre Wesensschau für Sie die mühevolle Analyse, die Thomas ein Lesen im Innern der Dinge nannte?
- Die natürliche Vernunft nähert sich der Wahrheit Schritt für Schritt und kommt nie ans Ziel. Warum muss eine Philosophie, die nur auf sie baut, Bruchstück bleiben?