Reichtum bemisst sich an dem, was man braucht
Wie viel ist genug? Die verstreuten Sprüche kehren immer wieder zur Größe eines Bedürfnisses zurück — und zur Freiheit dessen, der gelernt hat, wenig zu brauchen.
Die erhaltenen Maximen umkreisen eine Einsicht: Der natürliche Reichtum ist begrenzt und leicht zu erlangen, der Reichtum leerer Meinung läuft endlos weiter. Nichts genügt dem, dem genug zu wenig ist. An der Absicht der Natur gemessen ist Armut großer Reichtum, an grenzenloser Begierde gemessen ist Reichtum große Armut. Genügsamkeit ist den Fragmenten nicht Entbehrung, sondern die klügste Berechnung, denn die Lust am Luxus wird, einmal erworben, zum Herrn. Wer seine Wünsche dem anpasst, was die Natur wirklich verlangt, erkauft eine Sicherheit, die kein Glück gewährt. Das ist Hedonismus, streng gewendet — Lust, gesichert, indem man die Gelüste beschneidet, die sie sonst verschlängen.
- Verlangen
- Reichtum
- Genügsamkeit
- Lust
- Glück
- Freundschaft
- Lust und Schmerz
- Atomismus
Ins Gespräch kommen
- Bei einem Menschen, der immer mehr verdient und sich doch nie genug fühlt — was sollte er am Wollen selbst ändern?
- Menschen zu raten, weniger zu wollen, klingt fast wie ein Rat an die Armen, sich zu fügen — ist das nicht Resignation im Gewand der Weisheit?
- Wie unterscheidest du ein natürliches Verlangen, das zu stillen sich lohnt, von einem leeren, das wächst, so viel man ihm auch gibt?
- Um sich mit Brot und Wasser zu begnügen — welchen Genüssen muss ein Mensch entsagen, und geht dabei etwas Wertvolles verloren?
- Wenn jemand sich den Geschmack am Luxus angewöhnt hat und nun nicht mehr ohne ihn kann — was ist deiner Ansicht nach mit seiner Freiheit geschehen?