Eine Welt aus Atomen und leerem Raum
Woraus besteht alles, wenn man die Götter und die Zwecke herausnimmt? Epikur antwortet mit nur zweierlei: unteilbaren Körpern und der Leere, durch die sie sich bewegen.
Alles ist Atome und Leere und sonst nichts. Körper, zu klein, um sie zu sehen, bewegen sich durch den leeren Raum, verbinden sich und fallen auseinander; nichts kommt aus dem Nichts und nichts wird in Nichts vernichtet, und so ist die Summe der Dinge ewig und ungeschaffen. Die Atome sind unendlich an Zahl, die Leere unendlich an Ausdehnung, und daraus zieht Epikur unzählige Welten neben der unseren. Kein Gott ordnet die Mischung, kein Zweck lenkt sie. Es ist das verkürzte Gerüst einer Physik, deren volle Fassung — die siebenunddreißig Bücher Über die Natur — verloren ist, hier verdichtet, damit ein Schüler sie im Gedächtnis tragen konnte.
- Atomismus
- Metaphysik
- Materialismus
- Leere
- Kosmologie
- Unendlichkeit
- Bewegung
- Ontologie
- Sprache
Ins Gespräch kommen
- Für einen Menschen, dem ein All blinder Atome kalt und sinnlos erscheint — was in deinem Bild davon könnte ihn trösten?
- Du behauptest, nichts komme aus dem Nichts und das Ganze sei ewig — wie konntest du das aus ein paar fallenden und zusammenstoßenden Dingen wissen?
- Wie unterscheidet sich deine Welt aus Atomen und Leere von einer, in der noch Götter wirken, wenn beide uns genau gleich aussähen?
- Um anzunehmen, dass alles Atome sind, die sich verbinden und zerstreuen — welchen Glauben an Plan und Zweck muss man dafür fahren lassen?
- Du bestehst darauf, dass es unzählige andere Welten gibt — worauf in der schlichten Erfahrung könnte jemand eine so gewaltige Behauptung stützen?