WerkFriedrich Engels

Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie

Ein Buch zur Rezension in der Hand, nutzte Engels es, um den Weg von Hegel zu Marx nachzuzeichnen — und druckte endlich Marx’ elf Thesen über Feuerbach.

von Friedrich Engels93 Passagen vorhanden

  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Erstveröffentlichung
(mit 66 Jahren)
Originalsprache
Deutsch

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Überblick

Eine sozialistische Zeitschrift gab Engels 1885 ein Buch zur Rezension — eine Feuerbach-Studie des dänischen Gelehrten Carl Starcke —, und er nutzte den Auftrag, um eine alte Schuld zu begleichen. Vierzig Jahre zuvor hatten er und Marx ihren Bruch mit der deutschen Philosophie in einem Manuskript niedergeschrieben, das sie unveröffentlicht liegen ließen, dem Nagen der Mäuse überlassen; nun, da Marx zwei Jahre tot war, setzte sich Engels mit fünfundsechzig hin, um die Rechnung öffentlich zu begleichen. Der Essay zeichnet nach, wie die beiden von Hegel zu ihrem eigenen Materialismus gelangt waren. Hegels System war fertig und falsch, argumentiert Engels, doch seine Methode — die Wirklichkeit als ein Prozess, in dem nichts dauerhaft oder heilig ist — war der revolutionäre Teil, und sie wirkte gegen das geschlossene System, das sie beherbergte. Feuerbach entthronte dann Hegels Geist und stellte Natur und Mensch wieder in die Mitte, nur um auf halbem Weg stehenzubleiben, seinen Materialismus in eine vage Religion der Liebe zu hüllen und nie zur wirklichen Geschichte zu gelangen. Marx trieb die Methode über beide hinaus: Es ist die Bewegung der Gesellschaft, nicht die der Ideen, die das Denken mitträgt, und die Aufgabe ist nicht, die Welt anders zu deuten, sondern sie zu verändern. Als Engels das Stück 1888 als Buch neu herausgab, druckte er zum ersten Mal, als Anhang, die elf knappen Notizen, die Marx 1845 über Feuerbach hingeworfen hatte — aus einem alten Heft geborgen. Der Essay wird heute weniger um seines Urteils über Feuerbach willen gelesen als um dieses Anhangs und der Karte willen, die er von Hegel zu Marx zeichnet.

Schlüsselbegriffe

Warum schrieb Engels diesen Essay?

Eine sozialistische Zeitschrift gab ihm 1885 ein Buch zur Rezension — eine Feuerbach-Studie des Dänen Carl Starcke —, und er nutzte es, um eine alte Schuld zu begleichen. Vierzig Jahre zuvor hatten er und Marx ihren Bruch mit der deutschen Philosophie in einem Manuskript niedergeschrieben, das sie unveröffentlicht liegen ließen. Nun, da Marx zwei Jahre tot war, setzte sich Engels mit fünfundsechzig hin, um die Rechnung öffentlich zu begleichen und nachzuzeichnen, wie die beiden zu ihrem eigenen Materialismus gelangt waren.

Wie trennt Engels Hegels Methode von seinem System?

Er argumentiert, Hegels System sei geschlossen und falsch gewesen, indem es endgültige, absolute Wahrheit beanspruchte, doch seine Methode — die Sicht der Wirklichkeit als eines rastlosen Prozesses, in dem nichts dauerhaft oder heilig ist — sei wahrhaft revolutionär gewesen. Die Methode wirkt gegen eben das System, das sie enthält. Engels behält die dialektische Methode, verwirft das konservative System und behandelt diese Trennung als den Schlüssel zu dem, was an Hegel zu retten war.

Was hatte Feuerbach richtig, und wo blieb er stehen?

Feuerbach entthronte Hegels Geist und stellte Natur und Mensch wieder in die Mitte und barg so den Materialismus aus dem Idealismus. Doch er blieb auf halbem Weg stehen: Er hüllte seinen Materialismus in eine vage Religion der Liebe und gelangte nie zur wirklichen Geschichte oder Gesellschaft. Für Engels ist er eine Übergangsgestalt — entscheidend darin, den Bann des Idealismus zu brechen, doch unfähig, den weiteren Schritt zur materiellen Bewegung des gesellschaftlichen Lebens zu tun, den Marx tat.

Was sind die Thesen über Feuerbach?

Elf knappe Notizen, die Marx 1845 hinwarf, von Engels aus einem alten Heft geborgen und zum ersten Mal als Anhang zur Buchausgabe dieses Essays von 1888 gedruckt. Sie verdichten Marx’ Bruch mit dem früheren Materialismus und beharren darauf, dass die menschliche Tätigkeit und Praxis, nicht die passive Betrachtung, im Mittelpunkt stehen. Die letzte ist die meistzitierte: Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt darauf an, sie zu verändern.

Was bedeutet hier ‚es kommt darauf an, sie zu verändern‘?

Es bezeichnet den Übergang von der Philosophie als Deutung zur Praxis als Kriterium der Wahrheit. Für Marx und Engels schwebt das Denken nicht über der Gesellschaft und ordnet sie durch Argumente neu; es wird von materiellen und gesellschaftlichen Bedingungen mitgetragen, und das Verstehen zählt nur, sofern es in die Veränderung dieser Bedingungen mündet. Der Satz schließt den Weg, den der Essay nachzeichnet — aus dem deutschen Idealismus heraus und in einen auf die Tat gerichteten Materialismus.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Die Methode gegen das System

Wie kann eine Philosophie zugleich fertig und falsch sein und doch den revolutionärsten Gedanken ihrer Zeit enthalten? Engels spaltet Hegel in zwei und behält nur die Hälfte, die gegen ihn wirkt.

Hegels System, argumentiert Engels, war geschlossen, vollständig und darum falsch — ein Anspruch auf endgültige Wahrheit, den kein wachsendes Wissen einlösen konnte. Doch seine Methode war der revolutionäre Teil: die Sicht der Wirklichkeit als eines Prozesses, in dem nichts dauerhaft oder heilig ist, alles entsteht und vergeht. System und Methode liegen im Streit, und die Methode untergräbt das geschlossene Gebäude, das sie beherbergt. Engels’ Zug besteht darin, das konservative System zu verwerfen und die Dialektik zu retten, Hegels eigenes Werkzeug gegen Hegel zu wenden. Es ist der erste Schritt auf dem Weg, der ihn und Marx ganz aus dem deutschen Idealismus herausführte.

  • Dialektik
  • Idealismus
  • Hegelianismus
  • Metaphysik
  • Abstraktion
  • Geschichte des Denkens
  • Erkenntnistheorie
  • Historischer Materialismus

Von Feuerbach zur wirklichen Geschichte

Ist der Geist erst gestürzt und die Natur wieder in die Mitte gestellt, warum reicht das noch immer nicht? Engels zeichnet nach, wie Marx über Feuerbach hinaus zur Bewegung der Gesellschaft selbst vordrang.

Feuerbach entthronte Hegels Geist und stellte Natur und Mensch in die Mitte, blieb aber auf halbem Weg stehen — er hüllte seinen Materialismus in eine vage Religion der Liebe und gelangte nie zur wirklichen Geschichte. Marx trieb die Methode weiter: Es ist die Bewegung der Gesellschaft und ihrer materiellen Bedingungen, nicht das Spiel der Ideen. Das Bewusstsein spiegelt das gesellschaftliche Leben, statt es zu begründen, und die Aufgabe ist nicht, die Welt anders zu deuten, sondern sie zu verändern. Der Essay zeichnet diesen Ausgang aus der Philosophie nach und druckt als Anhang Marx’ elf Thesen über Feuerbach, die Karte von Hegel zu Marx im Kleinen.

  • Materialismus
  • Geschichte
  • Religion
  • Humanismus
  • Ideologie
  • Bewusstsein
  • Revolution
  • Klassenkampf

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93
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174
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 186

Was dieses Buch zusammen denkt

Jeder Bogen am Rad ist ein Begriff dieses Buches. Ein Band verbindet zwei, nach denen der Text gemeinsam greift; seine Breite zeigt, wie viele seiner Passagen beide enthalten. Am stärksten: Idealismus mit Materialismus.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 8 Paarungen. 22 gemeinsame Passagen insgesamt. 28 schwächere Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
IdealismusMaterialismus7
DialektikHegelianismus3
DialektikGeschichte2
GeschichtsschreibungIdeologie2
GeschichtsschreibungMaterialismus2
HegelianismusIdealismus2
IdeologieMaterialismus2
MaterialismusMoralität2

Vorhandene Werke

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  1. 1845 Die Lage der arbeitenden Klasse in England

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