Im Wuppertal der 1830er Jahre lief die Wupper rot von den Färbereien, und die Fabrikherren, denen sie gehörten, waren fromme Leute. In ihren Sälen bedienten Kinder die Maschinen, die Arbeiter tranken Branntwein gegen die Luft in den Werkstätten, und über der Gegend lag eine Erweckungsfrömmigkeit, die jede Frage nach den Ursachen schon für Unglauben hielt. 1839 erschien im Telegraph für Deutschland eine Schilderung dieser Zustände, gezeichnet mit „Friedrich Oswald“. Der Verfasser war achtzehn, und seinem Vater gehörte eine der Fabriken.
Zwei Jahre zuvor hatte der Vater ihn vom Elberfelder Gymnasium genommen, ein Jahr vor dem Abitur, für eine Kaufmannslehre: zuerst im väterlichen Geschäft in Barmen, ab 1838 in Bremen. Eine Universität hat er nie besucht. Philosophie las er neben Frachtbriefen und Kaffeenotierungen, und als er 1841 in Berlin seinen Militärdienst ableistete, saß er als Gasthörer in Schellings Vorlesungen, die den Hegelianern das Handwerk legen sollten — und schrieb dagegen an. Das Kontor war für ihn nie ein Umweg um das Denken herum. Es war der Ort, an dem das Denken sein Material bekam.
Ende 1842 schickte der Vater ihn nach Manchester, in die Baumwollspinnerei Ermen & Engels, wo sich die Radikalität verlieren sollte. Sie verlor sich nicht. Tagsüber führte er die Bücher der Firma, abends ging er mit Mary Burns, einer irischen Arbeiterin, durch die Viertel, die kein Besucher zu sehen bekam.
Aus diesen einundzwanzig Monaten kamen zwei Bücher. In den Umrissen zu einer Kritik der Nationalökonomie von 1844 beschreiben die Begriffe der Ökonomen — Konkurrenz, Wert, Grundrente — keine Naturgesetze, sondern eine bestimmte Einrichtung der Gesellschaft, die auch anders ausfallen könnte; Marx schrieb den Aufsatz eigenhändig in sein Heft ab. Ein Jahr später, mit vierundzwanzig, veröffentlichte Engels Die Lage der arbeitenden Klasse in England: Krankenhausberichte, Fabrikinspektorenprotokolle, Parlamentsakten und die eigenen Wege durch Manchester, zusammengeführt zu einem Befund. Das Elend war kein Betriebsunfall und kein Sittenverfall. Es war ein Erzeugnis, so regelmäßig hergestellt wie das Tuch. So schreiben konnte nur, wer die Sache von innen kannte — aus dem Büro, in dem die Löhne festgesetzt wurden.
1849 stand er auf den Barrikaden in Elberfeld und zog dann als Adjutant durch die Pfalz, bis der Aufstand zerschlagen war. Danach kam der Preis. Im November 1850 ging er zurück in dasselbe Kontor und blieb zwanzig Jahre, weil in London jemand am Kapital schrieb und nichts verdiente. Nach London berichtete er über das Geschäft wie über eine Strafe.
Der Text, der ihn wirkungsgeschichtlich am weitesten trug, war ein Auftrag. Wilhelm Liebknecht bat ihn, gegen einen Berliner Privatdozenten anzuschreiben, dessen Weltsystem in der Partei Anhänger fand. Engels antwortete 1877/78 über Philosophie, Ökonomie und Geschichte hinweg; ein Kapitel steuerte Marx selbst bei. Entstanden ist dabei die erste geschlossene Darstellung der Lehre als Weltanschauung — geschrieben, während das Sozialistengesetz die Partei verbot. Aus drei ihrer Kapitel wurde die Broschüre, die den Sozialismus vor 1914 in mehr Hände brachte als alles außer dem Manifest.
Nach Marx' Tod 1883 entzifferte er elf Jahre lang dessen Manuskripte und gab die beiden unvollendeten Bände des Kapital heraus, 1885 und 1894. Zugleich wehrte er ab, was aus der Lehre zu werden drohte: Jüngeren, die alles aus der Ökonomie ableiteten, hielt er 1890 entgegen, das Ökonomische entscheide erst in letzter Instanz. Ob er Marx geordnet oder erstarren lassen hat, ob eine Dialektik der Natur überhaupt marxisch ist — darüber wird seit Lukács' Einspruch von 1923 gestritten. Der Streit ist selbst das Maß: Fast alles, was das zwanzigste Jahrhundert Marxismus nannte, ist durch seine Hände gegangen.