WerkJean-Jacques Rousseau

Friedensschriften

Rousseaus Umarbeitung von Saint-Pierres Plan eines europäischen Bundes gegen den Krieg — glänzend neu gefasst und dann für einen Plan gehalten, den kein Fürst je annähme.

von Jean-Jacques Rousseau99 Passagen vorhanden

  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Originaltitel
A Lasting Peace through the Federation of Europe and The State of War
Erstveröffentlichung
(mit 44 Jahren)
Originalsprache
Französisch

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Überblick

Der Gedanke war nicht Rousseaus; er erbte die Papiere. Der Abbé de Saint-Pierre hatte sein Leben damit zugebracht, einen einzigen Entwurf zu betreiben — einen ständigen Bund der Souveräne Europas, der Krieg zwischen ihnen unmöglich machen würde —, über Bände, die fast niemand zu Ende las. Rousseau bekam die Handschriften, um etwas Lesbares daraus zu machen, und veröffentlichte 1761 einen Auszug, der den Plan überzeugender darlegt, als es sein Verfasser je vermochte: eine europäische Konföderation, bindende Schlichtung der Streitigkeiten, gemeinsame Gewalt gegen jeden Fürsten, der den Frieden bricht. Dann schrieb er ein zweites Stück und hielt es zurück. Sein Urteil über den Plan erschien erst nach seinem Tod, 1782, und es ist kühl. Der Bund würde den Krieg tatsächlich beenden, und genau darum wird kein Souverän ihm je zustimmen, denn er würde eben die Ehrgeize einfrieren, die einen Menschen herrschen lassen wollen. Die Vernunft billigt den Plan; das Interesse begräbt ihn. Das verwandte Bruchstück Der Kriegszustand schärft die Diagnose: Der Krieg ist keine Leidenschaft natürlicher Menschen, sondern ein Verhältnis zwischen Staaten, von der gesellschaftlichen Ordnung selbst hergestellt. Zusammen gestehen die Stücke dem Friedensprojekt seine Logik zu und verweigern ihm den Trost. Das Werk ist gering in Rousseaus Schaffen, und er beanspruchte wenig davon als eigenes, doch das Problem überlebte ihn — drei Jahrzehnte später nahm Kant denselben Titel und dieselbe Frage in seinem eigenen Essay über den ewigen Frieden auf.

Schlüsselbegriffe

Wessen Plan fasst dieses Buch eigentlich neu?

Der Entwurf gehört dem Abbé de Saint-Pierre, der sein Leben damit zubrachte, einen ständigen Bund der Souveräne Europas über Bände zu betreiben, die fast niemand zu Ende las. Rousseau bekam die Handschriften, um sie lesbar zu machen, und veröffentlichte 1761 einen Auszug des Plans, der ihn überzeugender darlegt, als es sein Verfasser je tat. Er beanspruchte wenig des Entwurfs als eigenen und behielt sein eigenes Urteil einem gesonderten, kühleren Stück vor.

Was ist der Unterschied zwischen dem Auszug und dem Urteil?

Der Auszug von 1761 legt Saint-Pierres Konföderation in ihrer überzeugendsten Gestalt dar und gesteht zu, dass die Vernunft sie billigt. Das Urteil, zurückgehalten und erst 1782 nach Rousseaus Tod gedruckt, zieht den kühlen Schluss: Weil der Plan die Ehrgeize einfröre, die Menschen herrschen wollen lassen, wird kein Souverän ihn je annehmen. Die beiden Stücke zusammen gestehen dem Projekt seine Logik zu und verweigern ihm den Trost.

Was behauptet das Bruchstück über den Kriegszustand?

Es schärft die Diagnose hinter dem Friedensplan: Der Krieg ist keine Leidenschaft natürlicher Menschen, sondern ein Verhältnis zwischen Staaten, von der gesellschaftlichen Ordnung selbst hergestellt. Einzelne haben keinen natürlichen Zwist; es sind die Souveräne, ohne gemeinsamen Richter gegeneinander gestellt, die den Krieg erzeugen. Das verlegt die Krankheit nicht in die menschliche Natur, sondern in die politische Form — weshalb auch die Heilung politisch sein müsste.

Warum meint Rousseau, kein Fürst werde den Bund annehmen?

Weil die Konföderation funktionieren würde — sie würde den Krieg wahrhaft beenden und dabei eben die Ehrgeize und die Handlungsfreiheit einfrieren, die das Herrschen begehrenswert machen. Ein Souverän wägt den Plan nach seinem Interesse, nicht nach der Billigung der Vernunft, und verliert nach diesem Maß mehr, als er gewinnt. Die Vernunft befürwortet den Entwurf; das Interesse begräbt ihn. Das Hindernis ist kein Fehler des Plans, sondern das Begehren derer, die ihn annehmen müssten.

Wie hängt das mit Kants ewigem Frieden zusammen?

Das Problem überlebte Rousseau. Drei Jahrzehnte nach diesen Stücken nahm Kant denselben Titel und dieselbe Frage in seinem eigenen Essay über den ewigen Frieden auf und arbeitete den Gedanken eines Staatenbundes zur Sicherung eines dauerhaften Friedens um. Rousseaus Werk ist schmal neben seinen großen Büchern, und er verleugnete vieles davon, doch es steht als früher Keim der Überlieferung, die den Frieden zwischen Nationen als eine Sache politischer Gestaltung behandelt.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Eine Konföderation, die den Krieg beendet

Könnten sich die Souveräne Europas zu einem Bund verbinden, der Krieg zwischen ihnen unmöglich macht? Rousseau fasst den Fall neu und findet seine Logik nahezu unwiderleglich.

Rousseau übernimmt den lebenslangen Entwurf des Abbé de Saint-Pierre und legt eine ständige europäische Konföderation dar: bindende Schlichtung jeder Streitigkeit und gemeinsame Gewalt, gegen jeden Fürsten gekehrt, der den Frieden bricht. Nach dem Muster des Gesellschaftsvertrags, auf die Ebene der Staaten gehoben, gewänne jeder Souverän mehr Sicherheit, als er aufgibt. Rousseau legt den Plan überzeugender dar, als es sein Verfasser je vermochte, und gesteht zu, dass die Vernunft ihn voll billigt — das Argument geht, auf seine eigenen Bedingungen genommen, auf. Die Schwierigkeit, die er sich für andernorts aufspart, ist nicht, dass der Entwurf unhaltbar wäre, sondern dass er von Fürsten verlangt, ihn zu wollen.

  • Föderation
  • Frieden
  • Kollektive Sicherheit
  • Völkerrecht
  • Souveränität
  • Diplomatie
  • Internationale Beziehungen
  • Föderalismus
  • Krieg und Frieden
  • Machtgleichgewicht
  • Politische Autorität

Warum die Vernunft den Frieden nicht kaufen kann

Wenn der Plan den Krieg wahrhaft beenden würde, warum wird ihn kein Herrscher je unterzeichnen? Rousseaus Antwort wendet die Frage von der Geometrie zum Begehren und verweigert den Trost, den sein eigenes Argument versprochen schien.

Der Bund würde eben die Ehrgeize einfrieren, die einen Menschen herrschen lassen wollen, also wird kein Souverän ihn je annehmen: Die Vernunft billigt den Plan, das Interesse begräbt ihn. Rousseau schärft die Diagnose im Bruchstück über den Kriegszustand — der Krieg ist keine Leidenschaft natürlicher Menschen, sondern ein Verhältnis zwischen Staaten, von der gesellschaftlichen Ordnung selbst hergestellt. So wird das Friedensprojekt in einem Atemzug gerechtfertigt und aufgegeben. Er beanspruchte wenig des Werks als eigenes, doch das Problem überlebte ihn, und Kant nahm denselben Titel und dieselbe Frage drei Jahrzehnte später auf.

  • Krieg
  • Eigeninteresse
  • politischer Realismus
  • Souveränität
  • Imperium
  • Eroberung
  • Politische Ökonomie
  • Politische Institutionen
  • Politische Legitimität
  • politische Gewalt
  • Gesellschaftsvertrag

In diesem Werk

Passagen vorhanden
99
eigenständige Begriffe
194
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 181

Was dieses Buch zusammen denkt

Jeder Bogen am Rad ist ein Begriff dieses Buches. Ein Band verbindet zwei, nach denen der Text gemeinsam greift; seine Breite zeigt, wie viele seiner Passagen beide enthalten. Am stärksten: Krieg mit Souveränität.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 12 Paarungen. 36 gemeinsame Passagen insgesamt. 21 schwächere Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
KriegSouveränität6
SouveränitätVölkerrecht4
FöderationGovernance3
FöderationKollektive Sicherheit3
FöderationSouveränität3
GovernanceSouveränität3
Souveränitätpolitische Stabilität3
Souveränitätsocial compact3
Governancepolitische Stabilität2
GovernanceVölkerrecht2
Kollektive SicherheitSouveränität2
Kriegsocial compact2

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. 1755 Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen (Discours sur l'origine et les fondements de l'inégalité parmi les hommes)

    Rousseaus zweite und ehrgeizigere Abhandlung, für die Akademie von Dijon geschrieben und 1755 erschienen. Sie entwirft den natürlichen Menschen und den Ursprung des Eigentums, auf denen der Gesellschaftsvertrag später seine Politik baute.

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  2. 1756 Friedensschriften (A Lasting Peace through the Federation of Europe and The State of War) du bist hier FREN
  3. 1762 Emile oder Über die Erziehung (Émile, ou De l'éducation)

    Rousseaus längstes Buch und das, welches er am höchsten schätzte, 1762 in derselben Saison wie der Gesellschaftsvertrag erschienen und mit ihm verurteilt. Heute als Gründungstext der modernen kindzentrierten Erziehung gelesen.

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  4. 1762 Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts (Du contrat social, ou Principes du droit politique)

    Im selben Jahr wie der Emile erschienen und neben ihm verbrannt, legt dieser kurze Traktat Rousseaus positive Politik dar, wo die Abhandlung über die Ungleichheit nur die Krankheit erkannt hatte. Zu Lebzeiten übergangen, wurde er zum umstrittensten Buch der Französischen Revolution.

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