WerkJean-Jacques Rousseau

Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts

Rousseaus Antwort auf die älteste Frage der Politik — was macht eine Regierung rechtmäßig? —, deren Antwort, der Gemeinwille, später zur Losung der Französischen Revolution wurde.

von Jean-Jacques Rousseau1.160 Passagen vorhanden

  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Originaltitel
Du contrat social, ou Principes du droit politique
Erstveröffentlichung
(mit 50 Jahren)
Originalsprache
Französisch

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Überblick

Jede politische Ordnung, die Rousseau um sich sah, stützte die Herrschaft auf etwas, das ihr Gewicht, wie er meinte, nicht tragen konnte: auf Gewalt, auf Eroberung, auf das vermeintliche Recht des Stärkeren oder auf Gott. Vom Gesellschaftsvertrag von 1762 macht sich auf, den einen Grund zu finden, der den Gehorsam rechtmäßig machen könnte — eine Übereinkunft unter Gleichen, in der jeder, indem er sich allen gibt, sich niemandem gibt und einen Anteil an einer gemeinsamen Souveränität zurückerhält. Rousseau nennt dies den Gemeinwillen, und er ist nicht die Summe dessen, was die Menschen zufällig wollen, sondern das, was sie als Glieder eines Ganzen wollen. Aus ihm zieht er Schlüsse, die die Monarchien erschreckten: Die Souveränität gehört dem Volk und kann nie an einen König oder ein Parlament abgetreten werden. Es beginnt mit dem Satz, an den sich jeder halb erinnert, dass der Mensch frei geboren ist und überall in Ketten liegt, und trägt nahe seinem Herzen einen berüchtigten Gedanken — dass ein Volk eines seiner Glieder mit Recht zwingen kann, frei zu sein —, seither gelesen als Freibrief der Demokratie oder als Keim ihrer Tyrannei. Frankreich verbot das Buch 1762, und Genf verbrannte es neben dem Emile. Dann wurde es weithin übergangen, bis die Generation von 1789 es wiederentdeckte und die Jakobiner den Gemeinwillen zu ihrer Losung machten; 1794 trug Frankreich Rousseaus Überreste ins Panthéon.

Schlüsselbegriffe

Was ist der Gemeinwille?

Es ist das, was ein Volk als ein einziger Körper will, auf das Gemeinwohl gerichtet, verschieden vom Willen aller, der bloß die Summe der Einzelinteressen ist. Der Gemeinwille zielt immer richtig auf das Gute, mag ein Volk sich auch täuschen, was ihm dient. Rousseau macht ihn zum wahren Souverän, zum Maßstab, an dem das Gesetz rechtmäßig ist, und zur Quelle der Freiheit eines Bürgers.

Was ist der Gesellschaftsvertrag in Rousseaus Sinn?

Es ist die Gründungstat, durch die eine zerstreute Menge zu einem Volk wird: Jeder gibt sich und seine Rechte ganz der ganzen Gemeinschaft, und weil alle gleich allen geben, ist keiner einem anderen unterworfen. Dafür erhält jeder einen Anteil an der gemeinsamen Souveränität und den Schutz des Gemeinwillens. Der Vertrag schafft rechtmäßige Herrschaft, wo Gewalt und Eroberung es nie konnten.

Was heißt „zur Freiheit gezwungen“ eigentlich?

Rousseau hält dafür, dass, wer sich weigert, dem Gemeinwillen zu gehorchen, vom ganzen Körper dazu genötigt werden darf, und diese Nötigung ist nichts weiter, als ihn zu zwingen, frei zu sein — dem Gesetz zu folgen, das er als Bürger wahrhaft will, statt der privaten Neigung, die ihn knechten würde. Kritiker lesen es als Ermächtigung zum Zwang im Namen der Freiheit; Verteidiger lesen es als die gewöhnliche Gewalt, die jedes Gesetz verlangt.

Warum lässt sich die Souveränität nicht vertreten?

Weil die Souveränität die Ausübung des Gemeinwillens ist, und ein Wille kann nicht übertragen oder einem Stellvertreter übergeben werden, ohne aufzuhören, der eigene zu sein. Das Volk mag eine Regierung bestellen, die Gesetze auszuführen, doch in dem Augenblick, in dem es einen König oder ein Parlament für sich wollen lässt, hört es auf, frei zu sein, und der Staat verliert seine Rechtmäßigkeit. Die Souveränität bleibt unveräußerlich beim versammelten Volk.

Was sind natürliche, bürgerliche und sittliche Freiheit?

Die natürliche Freiheit ist das unbegrenzte Recht des Naturzustands, nur durch die eigene Kraft begrenzt; beim Eintritt in die Gesellschaft tauscht ein Mensch sie gegen die bürgerliche Freiheit, durch den Gemeinwillen begrenzt, und gewinnt die sittliche Freiheit — den Gehorsam gegen ein Gesetz, das man sich selbst vorschreibt. Rousseau zählt den Tausch als Gewinn: Die natürliche Freiheit ist unsicher und einsam, während die sittliche Freiheit unter selbstgemachtem Gesetz einen Menschen wahrhaft zum Herrn seiner selbst macht.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Was eine Regierung rechtmäßig macht

Der Mensch ist frei geboren und liegt doch überall in Ketten — was könnte je den Gehorsam des einen gegenüber dem anderen rechtmäßig machen statt bloß erzwungen? Rousseau sucht den einen Grund, der hält.

Jede Ordnung, die Rousseau sah, stützte die Herrschaft auf etwas, das ihr Gewicht nicht tragen konnte — Gewalt, Eroberung, das Recht des Stärkeren oder Gott. Keines macht aus Macht eine Verpflichtung, denn Übermacht schafft keine Pflicht. Seine Antwort ist ein Bund unter Gleichen, in dem jeder, indem er sich allen gibt, sich niemandem gibt und einen Anteil an einer gemeinsamen Souveränität zurückerhält. Die Rechtmäßigkeit kommt nicht daher, wer herrscht, sondern aus einer Übereinkunft, die die Beherrschten vernünftig wollen könnten. Es ist die Frage, mit der das westliche politische Denken beginnt, und Rousseaus Fassung setzte die Bedingungen jedes Streits nach ihm neu.

  • Autorität
  • Politische Legitimität
  • Gesellschaftsvertrag
  • Souveränität
  • Recht
  • Gerechtigkeit
  • politische Theorie
  • politische Philosophie
  • Politische Autorität

Der Gemeinwille

Wenn ein Volk gemeinsam entscheidet, gibt es etwas, das es wahrhaft als Ganzes will, verschieden von der Summe der privaten Wünsche? Auf diesem Gedanken baut Rousseau eine Souveränität, die sich nicht abtreten lässt — und eine berühmte Gefahr.

Der Gemeinwille ist nicht, was die Menschen zufällig wollen, und nicht die Zählung der Einzelinteressen, sondern das, was sie als Glieder eines Körpers wollen, auf das Gemeinwohl gerichtet. Aus ihm zieht Rousseau Schlüsse, die die Monarchien erschreckten: Die Souveränität gehört dem Volk und kann nie an einen König oder ein Parlament übertragen werden. Und er trägt ihn bis zu dem berüchtigten Satz, ein Volk dürfe ein Glied mit Recht zwingen, frei zu sein — seither gelesen als Freibrief der Demokratie oder als Keim ihrer Tyrannei. Der Begriff ist sein mächtigster und sein umstrittenster einzelner Schritt.

  • allgemeiner Wille
  • Souveränität
  • Staatsbürgerschaft
  • Politische Legitimität
  • Gleichheit
  • politische Theorie
  • politische Philosophie
  • Ethik

Freiheit unter einem Gesetz, das man sich selbst gibt

Wie kann Gehorsam gegen das Gesetz etwas anderes sein als ein Verlust der Freiheit? Rousseau behauptet, das rechte Gesetz schmälere die Freiheit nicht, sondern vollende sie und tausche natürliche Unabhängigkeit gegen etwas ein, das er für mehr wert hält.

Beim Eintritt in den bürgerlichen Zustand tauscht ein Mensch die natürliche Freiheit, zu tun, was immer er kann, gegen eine sittliche Freiheit, in der er nur einem Gesetz verantwortlich ist, an dem er mitgewirkt hat. Einer Regel zu gehorchen, die man sich selbst vorgeschrieben hat, ist, sagt Rousseau, Freiheit, nicht Unterwerfung, und sie verlangt die Gleichheit und die Bürgertugend, die den Bürgern das Gemeinwohl über den privaten Vorteil wollen lassen. Gegen die Ansicht, Freiheit sei bloß das Fehlen von Zwang, macht er die Selbstgesetzgebung zu ihrer höchsten Gestalt. Darum verlangt die Republik, die er will, von ihren Bürgern mehr, als eine Monarchie von ihren Untertanen.

  • Freiheitsrecht
  • Tugend
  • Bürgertugend
  • Recht
  • Moralität
  • Gleichheit
  • Staatsbürgerschaft
  • Natur

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Was dieses Buch zusammen denkt

Jeder Bogen am Rad ist ein Begriff dieses Buches. Ein Band verbindet zwei, nach denen der Text gemeinsam greift; seine Breite zeigt, wie viele seiner Passagen beide enthalten. Am stärksten: Governance mit politische Theorie.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 16 Paarungen. 138 gemeinsame Passagen insgesamt. 84 schwächere Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
Governancepolitische Theorie16
GesellschaftsvertragSouveränität15
RechtSouveränität15
Souveränitätallgemeiner Wille15
GerechtigkeitGesellschaftsvertrag10
Gesellschaftsvertragallgemeiner Wille10
GerechtigkeitRecht9
GesellschaftsvertragPolitische Legitimität9
GovernanceSouveränität9
Souveränitätpolitische Theorie7
Politische LegitimitätSouveränität6
Gerechtigkeitallgemeiner Wille4
Rechtallgemeiner Wille4
GerechtigkeitGovernance3
GesellschaftsvertragRecht3
GovernancePolitische Legitimität3

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  1. 1755 Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen (Discours sur l'origine et les fondements de l'inégalité parmi les hommes)

    Rousseaus zweite und ehrgeizigere Abhandlung, für die Akademie von Dijon geschrieben und 1755 erschienen. Sie entwirft den natürlichen Menschen und den Ursprung des Eigentums, auf denen der Gesellschaftsvertrag später seine Politik baute.

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  2. 1756 Friedensschriften (A Lasting Peace through the Federation of Europe and The State of War)

    Zwei kurze Stücke aus Rousseaus Auseinandersetzung mit dem Friedensprojekt des Abbé de Saint-Pierre: der Auszug von 1761 und das erst 1782 veröffentlichte Urteil, mit dem Bruchstück Der Kriegszustand. Schmal neben seinen großen Büchern, aber der Keim seines Denkens über den Krieg zwischen Staaten.

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  3. 1762 Emile oder Über die Erziehung (Émile, ou De l'éducation)

    Rousseaus längstes Buch und das, welches er am höchsten schätzte, 1762 in derselben Saison wie der Gesellschaftsvertrag erschienen und mit ihm verurteilt. Heute als Gründungstext der modernen kindzentrierten Erziehung gelesen.

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  4. 1762 Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts (Du contrat social, ou Principes du droit politique) du bist hier FREN
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