Erziehen nach der Natur
Was, wenn das ganze Ziel, ein Kind zu unterrichten, wäre, die Welt davon abzuhalten, es zu verderben, ehe es ihr begegnen kann? Rousseau baut eine Erziehung, die nichts zu lehren scheint und alles formt.
Rousseau folgt einem Zögling von der Wiege bis zur Ehe und behauptet, Kinder seien keine kleinen Erwachsenen, die man mit Lektionen füllt, sondern wachsende Geschöpfe, deren Vermögen in einer Ordnung reifen, die ein Erzieher achten, nicht überstürzen darf. Seine Methode ist berühmt negativ: Der Erzieher richtet die Umgebung so ein, dass der Junge aus Dingen und Folgen lernt statt aus Büchern und Befehlen und von niemandem etwas zu lernen scheint. Gegen Drill und Katechismus seiner Zeit macht Rousseau die Kindheit zu einer Stufe eigenen Werts. Pestalozzi und ein Jahrhundert kindzentrierten Unterrichts gehen auf die Wette zurück, dass die Natur, gibt man ihr Raum, die Arbeit tut.
- Erziehung
- Pädagogik
- Natur
- Entwicklung
- Kindheit
- Erfahrung
- Gewohnheit
- Wahrnehmung
- Urteil
- Mentorat
- kindliche Entwicklung
Ins Gespräch kommen
- Ein Elternteil fürchtet, jede Stunde, in der sein Kind nicht unterrichtet wird, sei verloren — was sagt ihm deine negative Erziehung?
- Ist ein Erzieher, der heimlich die ganze Welt einrichtet, nicht bloß ein sanfterer Tyrann als der, der offene Befehle gibt?
- Wie würdest du unterscheiden, ob man ein Kind aus Folgen lernen lässt oder es schlicht zu führen versäumt?
- Was muss ein Lehrer unterlassen — verbessern, erklären, drängen —, ehe die Natur die Arbeit tun kann, die du ihr anvertraust?
- Jemand, mit Lektionen und Lob großgezogen, fühlt, dass er nie gelernt hat, selbst zu denken — wo ging seine Schulung nach deiner Darstellung fehl?