Die Rede als Schatten dessen, dem sie dient
Wenn ein Besucher sich zu einem Lehrer hingezogen fühlt, bevor ein Wort gefallen ist, wozu dann Worte? Die Gespräche antworten: Die Rede weist über sich hinaus und zählt nur für das, worauf sie weist.
Das erste Gespräch antwortet auf die Klage eines Besuchers, der Meister sage nichts: Der Mann sei hergekommen, bevor ein Wort gesprochen war, erwidert Rumi, also sei die Rede nur der Schatten dessen, dem sie dient. Das trifft auch seine eigene Kunst. Seinen Zuhörern sagte er, er könne Dichtung nicht ausstehen und trage Verse nur vor, damit sie sich nicht langweilten, so wie ein Gastgeber mit den Händen in Kutteln greift, weil sein Gast sie mag. Worte sind danach ein Entgegenkommen an den Hörer, nötig, weil Menschen sie brauchen, aber nie die Sache selbst.
- Sprache
- Lehre
- Interpretation
- Wissen
- Erkenntnistheorie
- geistige Erkenntnis
- Offenbarung
- Prophezeiung
- Erscheinung und Wirklichkeit
- geistige Wahrnehmung
- geistliche Führung
Ins Gespräch kommen
- Wenn Worte nur über sich hinausweisen, warum haben Sie dann so ausführlich zu jedem gesprochen, der in Konya zu Ihnen kam?
- Ein Suchender liest und hört immer weiter, doch was ihn zuerst auf die Suche gebracht hat, ist verstummt. Wo soll er es suchen?
- Ein Gastgeber greift in die Kutteln, weil sein Gast sie mag, sagten Sie, und Sie tragen Verse ebenso vor. Ist die Kunst des Lehrers nur Höflichkeit?
- Geriebener Bernstein zieht Stroh an, ganz ohne ein Wort. Warum kann kein Wunder jemanden bewegen, der nichts mit dem Heiligen gemein hat?
- Ein König, der kein Arabisch kann, nickt an den richtigen Stellen zu einer arabischen Ode. Was verstand er, das ihm die Worte nicht sagen konnten?