Was es heißt zu sein
Fügen wir einer Sache etwas hinzu, wenn wir sagen, dass sie ist? Eine falsche Antwort, meint Averroes, hat den großen Avicenna in die Irre geführt.
Mit Aristoteles hält Averroes fest, dass Sein in vielfacher Weise ausgesagt wird, doch stets mit Bezug auf die Substanz, das Einzelding, das aus sich selbst besteht; Größe, Farbe und Ort gibt es nur als etwas an einer Substanz. Das Allgemeine ist keine Substanz, und Platons abgetrennte Ideen erklären nichts. Gegen Avicenna zeigt er, dass „seiend“ und „eins“ das Ding selbst bezeichnen, keine hinzukommenden Merkmale. Avicenna ließ sich dabei auch vom Arabischen täuschen, dessen Wort für „seiend“ wie ein Wort für eine Eigenschaft gebildet ist.
- Sein
- Substanz
- Einheit
- Wesen
- Kategorien
- Prädikation
- Universalien
- Definition
- Form
- Zahl
- Logik
Ins Gespräch kommen
- Im Arabischen sieht das Wort für „seiend“ aus, als nenne es eine Eigenschaft, die zum Ding hinzukommt. Wie führte dieses Wort Avicenna Ihrer Lesart nach in die Irre?
- Wir sagen, ein Pferd ist, seine Größe ist, seine Farbe ist. Wie kann ein einziges kleines Wort all das abdecken, ohne jedes Mal etwas anderes zu bedeuten?
- Wenn nur Einzeldinge Substanzen sind, welche Art von Wirklichkeit bleibt dann für ein Allgemeines wie „Mensch“?
- Platons Ideen sollten erklären, warum die Dinge sind, was sie sind. Weshalb stehen Sie auf Aristoteles' Seite und halten sie für keine Erklärung?