Die Pflicht zum Denken
Duldet das religiöse Gesetz die Philosophie nur, oder verlangt es sie? Von der Antwort eines Richters hängt ab, ob ein Muslim die Alten überhaupt studieren darf.
Averroes argumentiert wie ein Richter, der ein Urteil begründet. Der Koran fordert die Gläubigen auf, über das Seiende nachzudenken und daraus zu lernen; recht verstandenes Nachdenken schließt von der Welt auf ihren Urheber, und das beste Schließen ist der Beweis aus sicheren Prämissen. Für alle, die einem Beweis folgen können, ist Philosophie also Pflicht, und sie dürfen übernehmen, was frühere Denker erarbeitet haben, gleich welchen Glaubens, so wie man beim Opfer ein Messer benutzt, ohne nach dem Schmied zu fragen. Dass manche Schüler irregehen, beweist nicht mehr, als dass sich mancher am Wasser verschluckt.
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Ins Gespräch kommen
- Der Koran fordert seine Hörer auf, über das Seiende nachzudenken. Warum lesen Sie darin ein Gebot zur Philosophie und nicht bloß eine Erlaubnis?
- Ein Messer taugt beim Opfer, gleich wer es geschmiedet hat. Warum dürfen Muslime ebenso von Philosophen lernen, die ihren Glauben nicht teilten?
- Wer sich am Wasser verschluckt, macht es den Durstigen nicht verboten. Weshalb soll ein von der Philosophie irregeleiteter Schüler sie nicht allen verschließen?
- Ein Gläubiger fürchtet, gründliches Nachdenken über die Welt könnte seinen Glauben schwächen. Was würden Sie ihm als Richter des religiösen Gesetzes antworten?
- Wenn Philosophie eine religiöse Pflicht ist, wieso behalten Sie sie denen vor, die einem Beweis folgen können, statt sie allen Gläubigen aufzuerlegen?