Eine Religion, die schadet, nicht bloß irrt
Angenommen, das Christentum ist falsch; ist es auch schlecht für die, die ihm anhängen? Holbachs Vorwurf lautet: ja — es richtet die Menschen darauf ab, den Tod zu fürchten und dieses Leben zu verachten um einer nächsten willen, von der niemand zeigen kann, dass es sie gibt.
Dieses war das erste von Holbachs Büchern, das unverblümt sprach, und sein Ziel ist nicht die Wahrheit des Christentums, sondern seine Wirkung. Die Religion ist nicht bloß irrig, sondern schädlich: Sie lehrt, den Tod zu fürchten und diese Welt gering zu achten um einer nächsten willen, die niemand nachweisen kann, und lässt die Menschen ängstlich und gehorsam zurück. Wo das System der Natur später die ganze materialistische Philosophie errichten sollte, klagt dieses Buch nur an und zeigt, wie ein Glaube den Charakter derer verformt, die in ihm aufwachsen. Es ging unter dem Namen eines toten Ingenieurs hinaus, um seinen Verfasser vor dem Gefängnis zu bewahren.
- Moralität
- Ethik
- Aberglaube
- Fanatismus
- Soziale Kontrolle
- Religion
- Theodizee
- Leichtgläubigkeit
- Religiöse Autorität
Ins Gespräch kommen
- Ein Mensch, erzogen, Tod und Gericht zu fürchten, trägt dieses Grauen bis weit ins Erwachsenenalter. Was, so deine Darstellung, hat die Religion mit ihm getan?
- Viele Gläubige führen ein anständiges, furchtloses Leben. Ist deine Behauptung, das Christentum schade ihnen, nicht schon durch sie widerlegt?
- Wie trennst du den Angriff auf den Schaden einer Religion vom Angriff auf ihre Wahrheit?
- Wenn ein Mensch die Hoffnung auf den Himmel aufgibt, auf welchen Trost angesichts des Todes verlangst du, dass er verzichtet?
- Du sagst, der Glaube lehre Verachtung für diese Welt. Gibt das Christentum den Menschen nicht auch Sinn und Standhaftigkeit, die du auslässt?