Die Evangelien, gelesen als gewöhnliche Dokumente
Was geschieht, wenn man die vier Evangelien liest wie jede andere Geschichte, als Zeugen, die einander widersprechen können? Holbach tut es, und die Geschichte hinter ihnen löst sich auf, je genauer man hinsieht.
Die Methode ist das Argument: Man stelle die vier Evangelisten nebeneinander, behandle sie als Dokumente statt als Offenbarung und lese sie als überprüfbares Zeugnis. So gelesen widersprechen sie einander, und Holbach sammelt die Ungereimtheiten, um zu zeigen, dass sich hinter ihnen keine schlüssige Geschichte rekonstruieren lässt. Wunder, die kein Zeuge bestätigen konnte, Daten, die nicht zusammenpassen, Ereignisse, die ein Evangelium berichtet und ein anderes auslässt — alles wird zum Beleg dafür, dass die Überlieferung unzuverlässig ist. Das ist die historische Kritik der Bibel, kühl durchgeführt, und 1770 erschien sie ohne Verfasser, Verleger und Druckort auf dem Titelblatt.
- Historische Kritik
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- Zeugnis
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Ins Gespräch kommen
- Jemand, dem die Evangelien als Wort Gottes gelehrt wurden, ist verstört zu erfahren, dass sie einander widersprechen. Wie soll er das gewichten?
- Antike Zeugen weichen in Einzelheiten stets voneinander ab. Legt man die Evangelien beim Suchen nach Widersprüchen nicht an einen Maßstab an, den keine Geschichte bestünde?
- Wie unterscheidet sich das Lesen der Schrift als Zeugnis vom Lesen als Offenbarung in dem, was es einen Leser zu fragen erlaubt?
- Um die Evangelien als gewöhnliche Dokumente zu behandeln — welchen besonderen Rang, der sie zur Heiligen Schrift machte, muss ein Leser fallen zu lassen bereit sein?
- Du sammelst die Ungereimtheiten, um das Ganze zu diskreditieren. Könnten dieselben Widersprüche nicht ebenso gut die Merkmale ehrlicher, unabhängiger Zeugen sein?