Gut, bloß indem es existiert
Wie können geschaffene Dinge gut sein, bloß indem sie sind, wenn die Güte selbst Gott ist und sie offenkundig nicht Gott sind? Boethius beantwortet das Rätsel in Axiomen und schließt wie ein Geometer.
Boethius stellt das Rätsel scharf: Wäre ein Ding gut, bloß indem es existiert, und wäre die Güte selbst Gott, so schiene jedes existierende Ding Gott zu sein, was widersinnig ist. Ungewöhnlich für ein theologisches Stück legt er gemeinsame Grundbegriffe zugrunde, Axiome, die er den Leser wie in der Geometrie zuzugestehen bittet, und schließt Schritt für Schritt. Die Lösung dreht sich um eine Unterscheidung. Das erste Gute ist gut durch sein eigenes Sein; alles andere ist gut durch Teilhabe, gut, weil sein Dasein aus jenem ersten Guten strömt und ohne es nichts wäre. Die Methode zählte so viel wie die Antwort, und Aquin hielt sie eines eigenen vollständigen Kommentars für wert.
- Güte
- Teilhabe
- Substanz
- Sein
- Teleologie
- Göttliche Einfachheit
- Metaphysik
- Verursachung
- Handlung
Ins Gespräch kommen
- Du hältst dafür, ein Ding sei gut, bloß indem es existiert; was verlangt das einem Menschen an der bloßen Tatsache seines eigenen Seins zu sehen ab?
- Wenn alles gut ist, bloß indem es existiert, scheint der Unterschied zwischen einem Heiligen und einem Tyrannen getilgt; wie hält deine Auffassung sie auseinander?
- Wie unterscheidet sich, gut durch Teilhabe zu sein, davon, gut aus eigenem Recht zu sein, wie es nach dir nur das erste Gute ist?
- Gibt man zu, dass die Güte eines Dings ganz von seiner Quelle geliehen ist — welchen Anspruch, aus sich selbst gut zu sein, muss ein Mensch aufgeben?
- Für jemanden, der nicht sieht, warum ein gebrochenes und ringendes Leben überhaupt gut ist: Was bietet ihm dein Argument, dass das Dasein selbst gut ist?
- Theologie auf Axiome zu bauen, wie ein Geometer sie zugesteht, scheint nur zu beweisen, was du am Anfang annahmst; kann eine solche Methode etwas Wirkliches über Gott erreichen?