Die Kunst als das sinnliche Scheinen der Idee
Wozu ist die Schönheit da, jenseits des Vergnügens? Hegel macht die Kunst zu einer der Weisen, in denen der Geist sich selbst die Wahrheit zeigt — der Idee eine Gestalt gegeben, die die Sinne wirklich fassen können.
Die Kunst, argumentiert Hegel, ist keine Zierde und kein bloßes Gefühl, sondern eine von drei höchsten Formen, in denen der Geist erfasst, was er ist, neben der Religion und der Philosophie stehend. Ihre eigentümliche Aufgabe ist es, der Idee eine sinnliche Form zu geben — die Wahrheit sichtbar, hörbar, der Wahrnehmung gegenwärtig zu machen statt nur dem Denken. Die Schönheit ist dieses angemessene Scheinen, das Ideal, in dem innere Bedeutung und äußere Gestalt einander vollständig entsprechen. Das ist eine große Behauptung, und sie stellt Hegel gegen jede Ansicht, die die Kunst als Schmuck, Flucht oder private Selbstäußerung behandelt: Für ihn trägt ein großes Werk das tiefste Selbstverständnis der Epoche.
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Ins Gespräch kommen
- Was heißt es für das Erlebnis eines Menschen vor einem Gemälde zu sagen, die Kunst zeige den Sinnen die Wahrheit und gefalle ihnen nicht nur?
- Die Kunst ein Gefäß der Wahrheit neben Religion und Philosophie zu nennen — ist das nicht eine Last, die die Schönheit nie tragen sollte?
- Wie unterscheidet sich die Schönheit als sinnliches Scheinen der Idee von bloßer Hübschheit oder Zierde?
- Wenn die Kunst zählt, weil sie dem Geist eine Form gibt, die die Sinne fassen können — welche Auffassung der Kunst als reines Gefühl muss man aufgeben?
- Wenn ein Kunstwerk jemanden mehr bewegt, als es ein Argument je könnte — was genau geschieht da nach deiner Darstellung?