WerkGeorg Wilhelm Friedrich Hegel

Vorlesungen über die Ästhetik

Die Kunst als das sinnliche Scheinen der Idee, von der symbolischen über die klassische zur romantischen — postume Berliner Vorlesungen, die sie in ihrer höchsten Bestimmung für vergangen erklärten.

von Georg Wilhelm Friedrich Hegel2.006 Passagen vorhanden

  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Erstveröffentlichung
(posthum erschienen)
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Deutsch

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Überblick

Heinrich Gustav Hotho fügte dieses Buch aus den Notizen eines Toten zusammen. Hegel las in den 1820er Jahren in Berlin über die Kunst, schrieb die Vorlesungen aber nie aus; nach seinem Tod 1831 sammelte sein Schüler Hotho die erhaltenen Manuskriptreste und mehrere Kurse von Zuhörernachschriften und veröffentlichte 1835 einen zusammenhängenden Text, den er 1842 überarbeitete. Diese Herkunft ist keine Fußnote zum Buch — sie ist sein zentrales Problem. Gelehrte argumentieren heute, Hotho habe Hegels lockereres Denken zu einem härteren System gestrafft und eigenes Bindegewebe geliefert, sodass die nahtlose Abhandlung, die Generationen bewunderten, teils Hotho gehören mag. Was es behauptet, ist kühn und klar: Die Kunst ist eine der Weisen, in denen der Geist sich selbst die Wahrheit zeigt, indem er der Idee eine Form gibt, die die Sinne fassen können, und sie durchläuft drei große Phasen — die symbolische, in der die Bedeutung über jede Gestalt hinausdrängt, die sie finden kann; die klassische, in der die griechische Skulptur eine vollkommene Passung von Idee und Form erreicht; und die romantische, in der die christliche Innerlichkeit erneut jede Form übersteigt. Daraus folgt die These, die die Vorlesungen berüchtigt machte. In der modernen Welt, sagt Hegel, antwortet die Kunst nicht länger auf unser höchstes Bedürfnis; als das höchste Gefäß der Wahrheit ist sie ein Vergangenes geworden. Arthur Danto baute in den 1980er Jahren seine eigene Kunstphilosophie um diese Behauptung neu auf. Seither aufgefundene Nachschriften, darunter ein 2022 aufgetauchter Heidelberger Satz, öffnen immer wieder die Frage, wie viel des Buches überhaupt Hegel ist.

Schlüsselbegriffe

Was ist das Ideal in Hegels Ästhetik?

Das Ideal ist die Schönheit, wie Hegel sie bestimmt: die Idee, in eine vollkommen angemessene sinnliche Form gebracht, sodass innere Bedeutung und äußere Gestalt einander ganz entsprechen. Es ist kein abstrakter Maßstab, sondern die erreichte Einheit, die ein großes Werk verkörpert. Die griechische klassische Skulptur ist sein Hauptbeispiel, wo die menschliche Gestalt zu einem vollkommenen Gefäß des Göttlichen wird, ohne dass auf einer der beiden Seiten etwas übrig bleibt.

Was sind die symbolische, die klassische und die romantische Kunstform?

Es sind Hegels drei Phasen in der Passung zwischen Bedeutung und Form. In der symbolischen läuft die Bedeutung jeder Gestalt voraus, und die Form bleibt rätselhaft. In der klassischen halten Idee und Form sich vollkommen die Waage, wie in der griechischen Skulptur. In der romantischen wird der Geist für jede äußere Form zu innerlich, und Malerei, Musik und Dichtung wenden sich der Seele zu. Die Abfolge ist eine philosophische Geschichte der Kunst, nicht bloß eine Liste von Stilen.

Warum nennt Hegel die Kunst ‚ein Vergangenes‘?

Er meint, dass die Kunst in der modernen, hochreflektierten Welt nicht länger die höchste Weise sein kann, in der eine Kultur ihre tiefsten Wahrheiten erfasst, wie sie es für die Griechen war; die Religion und die Philosophie tragen nun diese Rolle. Die Wendung betrifft den Rang der Kunst, nicht ihr Überleben. Die Kunst wird weiter gemacht und bewegt uns weiter, doch sie antwortet nicht länger auf unser höchstes Bedürfnis, wie sie es einst tat.

Wer war Hotho, und warum ist die Verfasserschaft des Buches umstritten?

Heinrich Gustav Hotho war der Schüler, der dieses Buch nach Hegels Tod aus erhaltenen Manuskriptresten und mehreren Kursen von Zuhörernachschriften zusammenfügte und es 1835 veröffentlichte. Hegel schrieb die Vorlesungen nie selbst aus. Gelehrte argumentieren heute, Hotho habe Hegels lockereres Denken zu einem härteren System gestrafft und eigenes Bindegewebe geliefert, sodass umstritten bleibt, wie viel der nahtlosen Abhandlung wirklich Hegel ist — und neue Nachschriften öffnen die Frage weiter.

Wie ordnet Hegel die einzelnen Künste?

Hegel ordnet die besonderen Künste danach, wie viel sinnlichen Stoff sie tragen müssen. Die Architektur ist am schwersten und am meisten symbolisch; die Skulptur erreicht das klassische Gleichgewicht in der menschlichen Gestalt; dann werden die romantischen Künste zunehmend innerlicher — die Malerei, dann die Musik und schließlich die Dichtung, die freieste, die in der Sprache statt in Stein oder Klang arbeitet. Die Ordnung folgt dem Geist, der den äußeren Stoff abstreift, während er innerlicher und selbstbewusster wird.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Die Kunst als das sinnliche Scheinen der Idee

Wozu ist die Schönheit da, jenseits des Vergnügens? Hegel macht die Kunst zu einer der Weisen, in denen der Geist sich selbst die Wahrheit zeigt — der Idee eine Gestalt gegeben, die die Sinne wirklich fassen können.

Die Kunst, argumentiert Hegel, ist keine Zierde und kein bloßes Gefühl, sondern eine von drei höchsten Formen, in denen der Geist erfasst, was er ist, neben der Religion und der Philosophie stehend. Ihre eigentümliche Aufgabe ist es, der Idee eine sinnliche Form zu geben — die Wahrheit sichtbar, hörbar, der Wahrnehmung gegenwärtig zu machen statt nur dem Denken. Die Schönheit ist dieses angemessene Scheinen, das Ideal, in dem innere Bedeutung und äußere Gestalt einander vollständig entsprechen. Das ist eine große Behauptung, und sie stellt Hegel gegen jede Ansicht, die die Kunst als Schmuck, Flucht oder private Selbstäußerung behandelt: Für ihn trägt ein großes Werk das tiefste Selbstverständnis der Epoche.

  • Ästhetik
  • Kunst
  • Pneuma
  • Ideal
  • Form
  • Vorstellung
  • Einheit
  • Göttlichkeit
  • Einbildungskraft
  • Bewusstsein
  • Klassische Kunst

Symbolisch, klassisch, romantisch

Hat die Geschichte der Kunst eine Gestalt, oder nur eine Abfolge von Stilen? Hegel liest sie als drei große Phasen, deren jede eine andere Passung zwischen einer Bedeutung und der Form ist, die sie zu fassen versucht.

Hegel führt die Kunst durch drei Phasen. In der symbolischen drängt die Bedeutung über jede Gestalt hinaus, sodass die Form rätselhaft und riesig bleibt, wie in der ägyptischen Architektur. In der klassischen erreicht die griechische Skulptur ein vollkommenes Gleichgewicht von Idee und Form, wobei die menschliche Gestalt das Göttliche voll ausdrückt. In der romantischen übersteigt die christliche Innerlichkeit erneut jede äußere Form, und Malerei, Musik und Dichtung wenden sich der Seele zu. Das Schema ist kein neutraler Katalog, sondern eine philosophische Geschichte: Form und Gehalt jagen einem Gleichgewicht nach, das einmal getroffen wird, in Griechenland, und dann bewusst gebrochen, da der Geist für jede Gestalt zu innerlich wird.

  • Symbolismus
  • Architektur
  • Skulptur
  • Dichtung
  • Drama
  • Tragödie
  • Poetik
  • Epik
  • Individualität
  • Endlichkeit
  • Einbildungskraft
  • Kunst

Die Kunst als ein Vergangenes

Kann die Kunst noch die höchsten Wahrheiten einer Kultur tragen, oder ist das Denken ihr entwachsen? Hegels berüchtigtste Behauptung lautet, dass die Kunst in der modernen Welt nicht länger auf unser tiefstes Bedürfnis antwortet.

Aus der Geschichte der drei Phasen folgt die These, die die Vorlesungen berühmt machte. Sobald der Geist so reflektiert und innerlich wird wie jetzt, argumentiert Hegel, kann die Kunst nicht länger das höchste Gefäß der Wahrheit sein, das sie für die Griechen war; diese Rolle geht an die Religion und die Philosophie über. Dies ist die Behauptung, dass die Kunst in ihrer höchsten Bestimmung für uns vergangen ist. Er sagt nicht voraus, dass keine Kunst mehr entsteht oder aufhört, uns zu bewegen — nur, dass sie nicht länger das Gewicht trägt, das sie einst trug. Arthur Danto baute in den 1980ern seine Kunstphilosophie um genau diese Behauptung neu auf.

  • Pneuma
  • Ästhetik
  • Bewusstsein
  • Subjektivität
  • Freiheit
  • Universalität
  • Abstraktion

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Was dieses Buch zusammen denkt

Jeder Bogen am Rad ist ein Begriff dieses Buches. Ein Band verbindet zwei, nach denen der Text gemeinsam greift; seine Breite zeigt, wie viele seiner Passagen beide enthalten. Am stärksten: Subjektivität mit Ästhetik.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 15 Paarungen. 308 gemeinsame Passagen insgesamt. 85 schwächere Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
SubjektivitätÄsthetik52
SkulpturÄsthetik31
NaturPneuma30
PneumaÄsthetik29
NaturSymbolismus24
SymbolismusÄsthetik24
IndividualitätÄsthetik21
NaturÄsthetik19
PneumaSymbolismus16
IndividualitätNatur11
PneumaSubjektivität11
IndividualitätPneuma10
IndividualitätSkulptur10
NaturSubjektivität10
PneumaSkulptur10

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  3. 1817 Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse III: Die Philosophie des Geistes (Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse)

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