WerkGeorg Wilhelm Friedrich Hegel

Wissenschaft der Logik

Hegel öffnet die Metaphysik wieder, die Kant schloss, und leitet die Denkkategorien vom reinen Sein an ab — die gewaltige „große Logik“, geschrieben, während er eine Nürnberger Schule leitete.

von Georg Wilhelm Friedrich Hegel1.726 Passagen vorhanden

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Kant hatte die alte Metaphysik für geschlossen erklärt: Eine Vernunft, die über die Erfahrung hinaus nach dem Sein, der Seele oder Gott greift, erzeuge nur Schein, und seine Kritik zäunte das Denken innerhalb der Grenzen möglicher Erfahrung ein. Diesen Zaun wollte Hegel niederreißen. Er schrieb das Werk nicht von einem Lehrstuhl aus, sondern als Rektor einer höheren Schule in Nürnberg, frisch verheiratet, tagsüber Heranwachsende unterrichtend, durch die Jahre 1808 bis 1816. Es erschien in drei Bänden — die Lehre vom Sein 1812, vom Wesen 1813, vom Begriff 1816 — und die Leser nennen es die große Logik, um es von der gedrängten Fassung abzuheben, die er später in seine Enzyklopädie einfügte. Sein Einsatz ist, dass das reine Denken, ohne äußere Stütze verfolgt, seine eigenen Kategorien der Reihe nach entfaltet: Das Sein, alles Gehalts entleert, geht ins Nichts über, und die Bewegung zwischen beiden ist das Werden. Von dort vervielfältigen sich die Kategorien hin zu dem, was Hegel die Idee nennt. Es verlangt ungeheure Geduld. Marx las es beim Verfassen des Kapitals erneut und schrieb, er würde eines Tages gern schlicht darlegen, was an seiner Methode das Rationelle sei; er tat es nie. Über weite Strecken des zwanzigsten Jahrhunderts taten Russell und seine Erben das ganze Gebäude als auf einer Logik ruhend ab, die Frege überholt hatte. Dann kehrte es zurück — heute gelesen als Theorie der Kategorien oder als Kants eigene transzendentale Logik, zu ihrem Ende geführt. Hegel überarbeitete noch das erste Buch, als er 1831 starb.

Schlüsselbegriffe

Warum wird dies die ‚große Logik‘ genannt?

Die Leser nennen es die große Logik, um es von der gedrängten Fassung abzuheben, die Hegel später in seine Enzyklopädie einfügte. Dies ist das volle, dreibändige Werk — die Lehre vom Sein (1812), vom Wesen (1813) und vom Begriff (1816) —, ausführlich geschrieben, während er eine Nürnberger Schule leitete. Der Name deutet auf Umfang und Genauigkeit: dieselbe Architektur, mit jener Geduld ausgearbeitet, die der kürzere Text opfern musste.

Was ist das reine Sein, und warum kann das Buch nicht anderswo beginnen?

Das reine Sein ist das Denken, jeder Bestimmung entleert — Sein ohne Qualität, Quantität oder Beziehung. Hegel beginnt hier, weil eine voraussetzungslose Wissenschaft nichts annehmen darf, und dies ist das Wenigste, was sie sagen kann. Gerade weil es so leer ist, lässt sich das reine Sein nicht vom reinen Nichts unterscheiden, und dieser Zusammenbruch erzwingt den ersten Fortschritt. Der Anfang ist um seiner Armut willen gewählt, nicht um seiner Gewissheit willen.

Welches sind die drei Lehren, durch die die Logik geht?

Das Werk entfaltet sich in dreien: Sein, Wesen und Begriff. Das Sein umfasst die unmittelbaren Kategorien — Qualität, Quantität, Maß. Das Wesen umfasst die reflektierten — Identität, Unterschied, Grund, Erscheinung, Wirklichkeit. Der Begriff umfasst das Denken, das sich selbst ergreift — den Begriff, das Urteil, den Schluss und schließlich die Idee. Jede Lehre ist vermittelter als die vorige, sodass die Ordnung dem Denken folgt, das sich von der Oberfläche der Unmittelbarkeit zum vollen Selbstbegreifen vertieft.

Was meint Hegel mit dem Begriff?

Der Begriff ist kein abstraktes Etikett, das der Geist von außen anlegt, sondern das sich selbst bestimmende Allgemeine, das sich besondert und durch seine eigenen Unterschiede hindurch es selbst bleibt. In der Lehre vom Begriff arbeitet er sich durch Urteil und Schluss als Formen des eigenen Lebens des Denkens, nicht bloß als Regeln des Schließens. Hier geht die Logik von Kategorien über Gegenstände zu einem Denken über, das sich selbst durchsichtig ist.

Was ist die Idee, mit der die Logik endet?

Die Idee ist die Krönung der Kategorien: die volle Einheit von Begriff und Wirklichkeit, ein Denken, das dem Sein angemessen ist. Sie ist kein Ding, sondern die vollendete Struktur, die das ganze Buch abgeleitet hat — die Vernunft, die erkennt, dass ihre eigenen Bestimmungen die Bestimmungen dessen sind, was ist. Von diesem Endpunkt geht Hegels System in die Naturphilosophie über, indem die Idee sich in die Äußerlichkeit entlässt.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Die Metaphysik wieder öffnen, die Kant geschlossen hatte

Nachdem Kant die Vernunft in die mögliche Erfahrung eingezäunt hat — gibt es für das Denken noch einen Weg zum Sein, oder muss jeder solche Versuch Schein hervorbringen? Hegel setzt darauf, dass das reine Denken, sich selbst überlassen, es vermag.

Kant hatte die alte Metaphysik für erledigt erklärt: Eine Vernunft, die über die Erfahrung hinaus nach dem Sein greift, erzeuge Schein. Hegel wollte diesen Zaun niederreißen, und dies ist der Abriss. Sein Einsatz ist, dass das reine Denken, ohne jede äußere Stütze aus der Erfahrung verfolgt, seine eigenen Kategorien in strenger Ordnung entfaltet und so eine echte Wissenschaft dessen zurückgewinnt, was ist. Gegen die formale Logik, die nur das richtige Schließen regelt, und gegen Kants Grenzen bietet er eine Logik, die zugleich Metaphysik ist — die Selbstentwicklung des Denkens ist die Selbstentwicklung der Wirklichkeit. Es verlangt ungeheure Geduld; die Leser nennen es die große Logik, um seinen Umfang zu bezeichnen.

  • Logik
  • Metaphysik
  • Methodologie
  • Begriff
  • Universalität
  • Notwendigkeit
  • Bestimmung
  • Grund
  • Totalität

Kategorien, die sich selbst bewegen

Wo beginnt das Denken, wenn es nichts voraussetzen darf? Hegel setzt beim Sein an, allen Gehalts entleert, und zeigt, dass es nicht stillhält — der Anfang ist schon in Bewegung.

Das Buch beginnt mit dem reinen Sein, dem Denken, jeder Bestimmung entkleidet. So entleert, argumentiert Hegel, ist es vom reinen Nichts nicht zu unterscheiden, und der rastlose Übergang zwischen beiden ist das Werden — der erste Gehalt, erzeugt statt vorausgesetzt. Von dort vervielfältigen sich die Kategorien aus eigener Notwendigkeit durch Qualität, Quantität und Maß, wobei jede Bestimmung ihre eigene Negation und einen reicheren Nachfolger heraufruft. Nichts wird von außen eingeführt; die Bewegung wird von den Widersprüchen getrieben, die jedem Begriff innewohnen. Darum kann der Anfang kein festes Axiom sein: Er ist der unbestimmteste Gedanke, und seine Armut ist gerade das, was das Ganze in Bewegung setzt.

  • Qualität
  • Quantität
  • Maß
  • Negation
  • Widerspruch
  • Vermittlung
  • Unendlichkeit
  • Bestimmung
  • Einheit
  • Negativität

Wesen, Reflexion und Widerspruch

Ist der Widerspruch nur ein Zeichen, dass wir schlecht gedacht haben, oder ist er gerade das, was die Wirklichkeit in Bewegung hält? Hegel macht ihn zum Motor statt zum Fehler.

In der Lehre vom Wesen argumentiert Hegel, dass die Identität nicht bloße Selbstgleichheit ist, sondern den Unterschied schon in sich enthält — ein Ding ist, was es ist, nur dadurch, dass es nicht ist, was es nicht ist. Weit genug getrieben, verschärft sich der Unterschied zum Widerspruch, und der ist für Hegel nicht bloß ein zu vermeidender Denkfehler, sondern die Wurzel aller Bewegung und alles Lebens. Das stürzt die aristotelische Regel um, die den Satz vom Widerspruch als das erste Gesetz des Denkens behandelt. Das Wesen ist hier kein verborgenes Etwas hinter der Erscheinung, sondern die Bewegung der Reflexion selbst, die Weise, wie ein Ding durch sein Gegenteil vermittelt ist.

  • Wesen
  • Reflexion
  • Identität
  • Widerspruch
  • Negation
  • Grund
  • Form
  • Negativität
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Was dieses Buch zusammen denkt

Jeder Bogen am Rad ist ein Begriff dieses Buches. Ein Band verbindet zwei, nach denen der Text gemeinsam greift; seine Breite zeigt, wie viele seiner Passagen beide enthalten. Am stärksten: Reflexion mit Wesen.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 18 Paarungen. 318 gemeinsame Passagen insgesamt. 82 schwächere Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
ReflexionWesen33
IdentitätReflexion30
NegationReflexion28
IdentitätNegation24
NegationVermittlung21
LogikNegation19
LogikVermittlung17
GrundVermittlung16
IdentitätWesen16
LogikReflexion16
IdentitätLogik15
GrundReflexion13
GrundWesen13
ReflexionVermittlung13
IdentitätVermittlung12
GrundNegation11
NegationWesen11
VermittlungWesen10

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