Köpfe bilden, nicht schmücken
Soll ein Mädchen auf das Leben vorbereitet werden, indem es lernt zu urteilen, oder indem es sich die Fertigkeiten aneignet, die es anderen angenehm machen? Für Wollstonecraft entscheidet die Antwort darüber, ob Bildung Frauen Urteilsvermögen und eine nützliche Unabhängigkeit verleiht oder sie als Gesellschafterinnen, Lehrerinnen oder Gouvernanten abhängig lässt.
Wollstonecraft kehrt das Anstandsbuch gegen seine übliche Lehre: Mütter sollen Vernunft, Aufrichtigkeit, Selbstbeherrschung und eine brauchbare Fertigkeit pflegen, nicht Eitelkeit, Geziertheit und schmückende Talente. 1787 hatte dieser Rat eine unmittelbar wirtschaftliche Schärfe. Ihr Kapitel über Frauen ohne Vermögen nennt drei Aussichten – Gesellschafterin, Schullehrerin, Gouvernante – und weist jede als gehobenen Dienstbotenstand aus und nicht als Unabhängigkeit. Zwei dieser Rollen hatte sie selbst ausgeübt, bevor sie in Irland Gouvernante wurde. Fünf Jahre später kehrte das Argument als Anspruch auf die Rechte der Frauen wieder.
- Erziehung
- Tugend
- Vernunft
- Charakter
- Elternsein
- Wohlwollen
- Eitelkeit
- Leidenschaft
- moralische Erziehung
- Pflicht
- Urteil
- Affektiertheit
- moralische Entwicklung
- intellektuelle Entwicklung
- Natur
- Resignation
- Empfindungsvermögen
- Liebe
- Stolz
- Muße
- Religion
- Ästhetik
- Mitgefühl
- Frauenbildung
- Ehe
- Moralpsychologie
- Leiden
- Authentizität
- Kindererziehung
- Freundschaft
Ins Gespräch kommen
- Was soll eine Mutter fördern, wenn die Fertigkeiten ihre Tochter außerstande setzen, für sich selbst zu sorgen?
- Wenn Benimmbücher Gehorsam höher bewerten als Urteilskraft, warum sollte man ihre Lehren als Tugend annehmen?
- Wo endet bei einer Frau ohne Vermögen die Besonnenheit, und wo beginnt die Abhängigkeit?
- Auf welche Annehmlichkeit muss ein Elternteil verzichten, wenn Vernunft mehr zählt als die gefälligen Manieren einer Tochter?
- Wenn Gesellschafterin, Lehrerin und Gouvernante allesamt Formen eines Dienstes für die Oberschicht sind, welche Unabhängigkeit lässt sich guten Gewissens versprechen?