Irrtum ist keine Häresie
Kann jemand über Gott irren, ohne Ketzer zu sein? Vor seinen Richtern beharrt Eckhart darauf, dass der Verstand irren kann, Häresie aber erst ein verstockter Wille macht.
Eckhart antwortet den Kölner Kommissaren zuerst mit einem Protest: Die Privilegien seines Ordens nehmen ihn von ihrem Gericht aus, nie stand er im Verdacht der Häresie, und angeklagt wäre er nicht, wäre er im Volk weniger bekannt und weniger eifrig für die Gerechtigkeit. Dann folgt die Unterscheidung, die das ganze Schriftstück trägt. Irren kann er, denn der Irrtum gehört dem Verstand, Ketzer sein kann er nicht, denn die Häresie gehört dem Willen, und nur das hartnäckige Festhalten am Irrtum macht sie. Jedem besseren Verständnis will er weichen.
- Häresie
- Intellekt
- Wissen
- Demut
- Sünde
- Tugend
Ins Gespräch kommen
- Häresie liegt, wie Sie vor Ihren Richtern darlegen, im Willen und nicht im Verstand. Woher weiß jemand so sicher, dass sein eigener Wille gesund ist?
- Sie eröffnen mit der Erklärung, das Gericht des Erzbischofs dürfe Sie gar nicht richten. Ist die Ablehnung der Richter nicht ein seltsamer Unschuldsbeweis?
- Zuhörer hätten Ihre Predigten nachlässig mitgeschrieben und Ihnen Worte in den Mund gelegt, klagen Sie. Wie weit haftet ein Prediger für das, was andere berichten?
- Selbst Thomas von Aquin, der große Lehrer Ihres Ordens, wurde einst der Häresie bezichtigt und später bestätigt. Was beweist sein Fall für Ihren?
- Sie bieten an, jedem besseren Verständnis Ihrer Worte sofort zu weichen. Ist das Demut oder ein Weg, nie widerrufen zu müssen?