WerkThomas Reid

An Essay on Quantity

(dt. etwa: Essay über die Quantität)

Ein Landpfarrer erklärt der Royal Society, dass sich Schmerz, Schönheit und Tugend nicht messen lassen – und Gleichungen über sie nichts messen.

von Thomas Reid14 Passagen vorhanden

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Erstveröffentlichung
(mit 38 Jahren)
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Englisch

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Überblick

1725 veröffentlichte Francis Hutcheson, später Professor für Moralphilosophie in Glasgow, Formeln, mit denen sich der moralische Wert einer Handlung berechnen lassen sollte: aus dem Guten, das sie bewirkte, und aus der Fähigkeit dessen, der sie ausführte. In der vierten Auflage von 1738 strich er sie; 1746 starb er. Zwei Jahre danach legte Reid in den Philosophical Transactions der Royal Society dar, dass sich Tugend überhaupt nicht berechnen lässt. Er war damals Pfarrer von New Machar, einer Landgemeinde bei Aberdeen; eingereicht hatte den Aufsatz Henry Miles, ein Fellow der Gesellschaft. Hutcheson nennt Reid nirgends; der Titel des Aufsatzes sagt nur, er sei durch eine Abhandlung veranlasst, die Verhältnisrechnungen auf Tugend und Verdienst anwende. Mathematik greift nach Reid nur dort, wo sich etwas mit einer Einheit seiner eigenen Art messen lässt – wo man es verdoppeln, halbieren oder vermehren kann wie eine Länge. Schmerz, Lust, Schönheit und Tugend haben zwar Grade, doch eine Einheit für sie hat niemand; Gleichungen über sie fügen deshalb kein Wissen hinzu und putzen nur heraus, was man ohnehin weiß. Dieselbe Probe wendet er dann auf einen Streit an, der die Mathematiker seit Jahrzehnten beschäftigte: ob sich die Kraft eines bewegten Körpers nach seiner Geschwindigkeit richtet, wie die Newtonianer meinten, oder nach dem Quadrat seiner Geschwindigkeit, wie die Leibnizianer. Beide Seiten, so Reid, hatten Kraft einfach verschieden definiert, und kein Experiment konnte zwischen zwei Definitionen entscheiden.

Schlüsselbegriffe

Was versteht Reid unter Größe?

Alles, was sich messen lässt, nicht, wie manche sagten, alles, was ein Mehr oder Weniger zulässt. Eine echte Größe besteht aus Teilen, die zueinander in Verhältnis stehen; sie lässt sich also vermehren, vermindern, verdoppeln oder halbieren. Die engere Definition ist wichtig, weil die weitere dazu verleitete, mathematisches Schließen auf Dinge anzuwenden, die Grade haben, aber nicht messbar sind.

Was unterscheidet eigentliche von uneigentlicher Größe?

Eigentliche Größe wird durch ihre eigene Art gemessen: eine Linie durch bekannte Linien, eine Dauer durch bekannte Zeiten. Reid findet vier Arten, Ausdehnung, Dauer, Zahl und Verhältnis. Uneigentliche Größe wie Geschwindigkeit, Dichte oder Kraft lässt sich nicht durch sich selbst messen; ihr wird ein Maß über eine verwandte eigentliche Größe zugewiesen, so wie die Geschwindigkeit am Weg gemessen wird, der in gegebener Zeit zurückgelegt wird.

Warum nennt Reid die mathematische Evidenz eine Evidenz eigener Art?

Weil sie nur Sätzen über Dinge zukommt, die sich durch Linien oder Zahlen messen lassen. Größe erlaubt eine größere Vielfalt genau bestimmbarer Beziehungen als jeder andere Gegenstand; darum kann die Mathematik lange Schlussketten ohne Gefahr des Irrtums verfolgen. Wo diese Bedingung fehlt, wie bei Geschmäcken, Lust, Schönheit oder den meisten Wahrscheinlichkeiten, ist dieselbe Gewissheit nicht zu haben, so mathematisch die Schreibweise auch aussieht.

Welchen Streit über die Kraft will der Aufsatz beilegen?

Den langen Streit darüber, wie die Kraft eines bewegten Körpers zu messen sei: Newtons Anhänger maßen sie an der Geschwindigkeit, die des Leibniz an deren Quadrat. Reid argumentiert, dass Kraft erst zur mathematischen Größe wird, wenn eine Definition ihr ein Maß zuweist. Jede Seite hatte eine andere Definition gesetzt und dann versucht, sie durch Experimente zu beweisen, was nie gelingen konnte, denn keine Definition kann falsch sein.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Was sich messen lässt

Welche Dinge erreicht die Mathematik wirklich, und welche scheint sie nur zu erreichen? Der Aufsatz antwortet mit einem einzigen Prüfstein, einer Einheit von der eigenen Art des Dings, und wendet ihn auf die Tugend wie auf die Kraft bewegter Körper an.

Größe ist für Reid, was sich messen lässt, nicht alles, was ein Mehr oder Weniger zulässt. Ausdehnung, Dauer, Zahl und Verhältnis werden durch ihre eigene Art gemessen; Geschwindigkeit und Kraft werden erst mathematisch, wenn eine Definition sie an eine dieser Größen bindet. Schmerz, Lust, Schönheit und Tugend haben Grade, aber keine Einheit, und so spielen Gleichungen des Verdienstes bloß mit Wörtern. Derselbe Prüfstein beendet einen Skandal der Mechanik: Newtons Anhänger maßen die Kraft an der Geschwindigkeit, die des Leibniz an ihrem Quadrat, und jede Seite hatte schlicht eine andere Definition gesetzt, die kein Experiment widerlegen kann, denn keine Definition kann falsch sein.

  • Messung
  • Quantität
  • Kraft
  • Geschwindigkeit
  • Definition
  • Physikphilosophie
  • Philosophie der Mathematik
  • Mechanik
  • Wissenschaftliche Methode
  • Schmerz
  • Ethik
  • Tugend
  • Proportion
  • Ausdehnung
  • Wahrscheinlichkeit
  • mathematische Definitionen
  • wissenschaftlicher Dissens

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Nr. 802

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Kraft“ und „Physikphilosophie“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 4 Konzepte, verbunden durch 5 Paarungen. 14 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
KraftPhysikphilosophie5
MessungPhilosophie der Mathematik5
KraftMessung4
MessungPhysikphilosophie3
KraftPhilosophie der Mathematik1

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    Reids erstes Buch legt knapp dar, was seine beiden späteren Essays-Bände ausführlich gegen die Ideentheorie vorbringen.

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  3. 1774 A Brief Account of Aristotle's Logic, with Remarks

    Kein eigenes Buch, sondern ein Kapitel im Buch eines anderen – und die ausführlichste Darstellung der formalen Logik, die Reid veröffentlicht hat.

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