Die Armenbesucherin und die Nachbarn
Was berechtigt eine junge Frau aus gutem Haus, einer Familie Sparsamkeit zu predigen, die ärmer ist, als sie selbst es je war? Addams stellt die Regeln der Besucherin neben die Art, wie Nachbarn einander helfen, und die Regeln wirken klein.
Im Mietshaus nimmt eine irische Familie, deren Ernährer selbst arbeitslos ist, eine Witwe mit fünf Kindern auf, die auf die Straße gesetzt wurde, und eine Frau leiht ihre Schuhe her. Gegeben wird dort, so weit die Not reicht. Die Besucherin vom Wohlfahrtsbüro prüft zuerst, lobt Sparen und Mäßigkeit und staunt, wenn ihre sichersten Sätze Widerspruch finden: In der Kneipe, die sie einen Schrecken nennt, bekam ein Arbeitsloser freies Essen und fünf Dollar geliehen. Addams schickt sie nicht fort. Sie zeigt, dass die Besucherin nach den Gewohnheiten ihrer eigenen Schicht urteilt und dass die Familien lernen, ihr gegenüber die Sparsamkeit zu preisen.
- Nächstenliebe
- Armut
- Philanthropie
- gegenseitige Hilfe
- Soziale Klasse
- moralisches Urteil
- Mitgefühl
Ins Gespräch kommen
- Nachbarn im Mietshaus leihen einander die Schuhe, die Armenbesucherin besitzt ein Dutzend Paar und prüft erst einmal. Wer von beiden versteht Ihnen zufolge mehr vom Geben?
- Sparen wirkt in einer wohlhabenden Straße tugendhaft und fast wie ein Verbrechen, wo die Nachbarn hungern. Ist Sparsamkeit für Sie also gar keine echte Tugend?
- Eine Armenbesucherin warnt vor den Schrecken der Kneipe, und zwar einen Mann, der dort Essen und fünf Dollar geliehen bekam. Was sollte sie von ihm lernen?
- Familien loben vor der Armenbesucherin die Sparsamkeit, weil ihre Hilfe davon abhängt. Woran erkennt ein Helfer, dass man ihm nur sagt, was er hören will?
- Eine Familie bekommt Bohnen und Kohle vom Bezirk und zahlt ein Fahrrad in Raten ab. Weshalb wollen Sie das nicht einfach Leichtsinn nennen?