Allein gegen eine Nation im Krieg
Darf ein Einzelner sich im Krieg gegen Millionen seiner Mitbürger stellen? Addams richtet die Frage an sich selbst, gesteht, wie nah sie dem Zweifel kam, und beschreibt, was die Vereinsamung mit einem Menschen macht.
Zeitungen druckten Pazifist, Verräter und deutschfreundlich, als wäre es ein Wort, und eine Bemerkung über Bajonettangriffe und Rum verfolgte sie jahrelang. Die härtere Prüfung war die innere. Sie glaubte an das Urteil der vielen, und nun standen die vielen gegen sie. Die führenden Lehrer des Pragmatismus hatten sich für den Krieg erklärt. Der Pazifist, schreibt sie, kann aus dem Sumpf des Selbstmitleids geradewegs auf die kahlen Hügel der Selbstgerechtigkeit gelangen und sich an beiden Orten hassen. Was am Ende hielt, war eine schlichte Regel: Die erste Treue eines Menschen gilt seiner Einsicht in die Wahrheit, und er ist verpflichtet, für sie einzustehen.
- Pazifismus
- Politischer Dissens
- Volksmeinung
- Patriotismus
- politische Repression
- Wehrpflicht
- moralische Verantwortung
- Nationalismus
- Krieg
Ins Gespräch kommen
- Soldaten bekämen vor dem Bajonettangriff Rum oder Äther, berichteten Sie, und die Presse hörte darin eine Beleidigung. Was sagten Sie wirklich über diese jungen Männer?
- Zwischen dem Sumpf des Selbstmitleids und den kahlen Hügeln der Selbstgerechtigkeit liegt Ihre Landkarte des Pazifisten im Krieg. Wie hält man sich aus beidem heraus?
- Ihr Leben lang vertrauten Sie dem Urteil der einfachen Leute, und 1917 waren sie für den Krieg. Weshalb irrten die vielen ausgerechnet dieses eine Mal?
- Jemand hält an einer Überzeugung fest, die Freunde, Kollegen und Zeitungen illoyal nennen. Was haben Sie darüber gelernt, wie lange ein Mensch das allein aushält?
- Der Krieg brachte Reformen, die Sie lange gewollt hatten, sogar das Frauenstimmrecht, und Sie blieben misstrauisch. Warum kommt es darauf an, wie etwas Gutes errungen wird?