WerkPaul the Apostle

Der Brief an die Römer

Paulus stellt sich einer Gemeinde vor, die er nie gesehen hat, und legt dar, dass Juden und Nichtjuden auf dieselbe Weise vor Gott gerecht werden.

von Paul the Apostle36 Passagen vorhanden

  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Originaltitel
Πρὸς Ῥωμαίους
Erstveröffentlichung
(mit 52 Jahren)
Originalsprache
Griechisch

Rechtsverletzung melden

Überblick

Paulus schrieb den Christen in Rom, bevor er ihnen je begegnet war. Er hielt sich in Korinth auf, höchstwahrscheinlich 56–57 (die Schätzungen reichen von Ende 55 bis 57), und wollte das Geld, das seine griechischen Gemeinden gesammelt hatten, zu den Armen der Gemeinde in Jerusalem bringen; danach hoffte er über Rom weiter nach Spanien zu reisen. Den Brief diktierte er einem Schreiber, Tertius, der gegen Ende einen eigenen Gruß einfügt. Überbracht hat ihn wahrscheinlich Phöbe, Diakonin der Gemeinde in Kenchreä, dem Hafen von Korinth, die Paulus den Römern empfiehlt. Sein längster Brief ist darum zugleich eine Selbstvorstellung: die Begründung seiner Botschaft, ausgebreitet vor Fremden, deren Hilfe er brauchte, und eine Antwort an Kritiker, die behaupteten, seine Lehre mache die Sünde harmlos. Seine These lautet, dass Juden und Nichtjuden (Heiden) vor Gott in derselben Lage sind. Alle haben versagt, und alle werden auf dieselbe Weise gerecht: durch pístis, das gläubige Vertrauen auf das, was Gott in Christus getan hat, nicht durch die Werke, die das jüdische Gesetz verlangt. Sein Zeuge ist Abraham: Er vertraute Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet, bevor er beschnitten war. Von dort führt der Brief zum gespaltenen Ich, das das Gesetz kennt und es nicht halten kann, und dann zu der Frage, die für Paulus am schwersten wiegt: Wenn das stimmt, was wird dann aus Israel, das seine Botschaft größtenteils abgelehnt hat? Drei Kapitel geben die Antwort: Gott hat sein Volk nicht verstoßen. Zu den späteren Lesern des Briefs gehören Augustinus, der ihn 386 in einem Garten in Mailand beim 13. Kapitel aufschlug und sein altes Leben aufgab; Luther, der 1515/16 Vorlesungen über ihn hielt und ihn in seiner Vorrede von 1522 das allerlauterste Evangelium nannte; John Wesley, der 1738 in London hörte, wie Luthers Vorrede dazu vorgelesen wurde – ein Abend, mit dem man oft den Methodismus beginnen lässt; und Karl Barth, ein Schweizer Dorfpfarrer, dessen Kommentar von 1919 die Theologie des 20. Jahrhunderts veränderte. Seit E. P. Sanders’ Paul and Palestinian Judaism (1977) lesen ihn viele Forschende weniger als Lehre von der Schuld des Einzelnen denn als Argument darüber, wie Juden und Nichtjuden zu einem Volk werden. Der Text hier ist die englische King James Version von 1611, aus dem Griechischen übersetzt; die Verszählung ist entfernt, die Kapitel sind erhalten.

Schlüsselbegriffe

Was bedeutet „gerechtfertigt“ im Römerbrief?

Vor Gott für gerecht erklärt, so wie ein Richter jemanden freispricht. Paulus behauptet, dass Gott das umsonst tut, als Geschenk für jeden, der ihm vertraut, und nicht als Lohn für das Halten des Gesetzes. Seine kühnste Wendung: Gott „macht den Gottlosen gerecht“. Das Urteil wartet nicht, bis jemand gut geworden ist, auch wenn ein neues Leben daraus folgen soll.

Was sind die „Werke des Gesetzes“, die laut Paulus nicht retten?

Die Taten, die das jüdische Gesetz des Mose gebietet, von der Beschneidung bis zu den Geboten. Niemand wird durch sie gerecht, sagt Paulus, weil das Gesetz die Sünde aufdeckt, statt sie zu beseitigen: „durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde“. Seit der Reformation las man darin gute Taten überhaupt; viele Forscher betonen heute die Zeichen, die Juden absonderten, etwa Beschneidung und Speisegebote.

Was meinen „Fleisch“ und „Geist“ im Römerbrief?

Zwei Arten zu leben, nicht Körper gegen Seele. „Fleisch“ ist menschliches Leben, das in sich selbst verkrümmt und der Macht der Sünde unterworfen ist; darum kann Paulus sagen, fleischlich gesinnt sein sei der Tod. „Geist“ ist Gottes eigenes Leben, den Gläubigen geschenkt, das sie von innen führt. Der Kampf, den Paulus beschreibt, spielt zwischen diesen beiden Herren, nicht zwischen dem Leib und dem Wunsch, ihm zu entkommen.

Was ist der „Geist der Kindschaft“?

Paulus' Bild dafür, wie Gläubige Gottes Kinder werden: nicht in die Familie hineingeboren, sondern angenommen, mit allen Rechten von Erben. Das Zeichen ist, dass sie Gott „Abba, Vater“ nennen, mit dem vertrauten aramäischen Wort, das ein Kind gebraucht. Die Annahme an Kindes statt ersetzt das Verhältnis des Knechts, der aus Furcht gehorcht, durch das eines Sohnes oder einer Tochter, die dazugehören.

Was ist der „Rest“ im Römerbrief?

Der Teil Israels, der vertraut hat und den Paulus als Beweis nimmt, dass Gott sein Volk nicht verstoßen hat. Sein Beispiel ist Elia, der glaubte, er allein sei übrig, und hören musste, Gott habe sich siebentausend bewahrt, die vor Baal nicht die Knie gebeugt hatten. So gebe es auch jetzt einen Rest, „nach der Wahl der Gnade“, erwählt aus Geschenk, nicht aus Verdienst.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Gerecht durch Vertrauen, Juden wie Griechen

Wenn niemand Gottes Gesetz hält, weder Jude noch Heide, wie kann dann irgendwer vor Gott bestehen? Paulus antwortet: Verdienen lässt sich das nicht, nur im Vertrauen empfangen.

Paulus führt den Fall wie ein Anwalt. Die Heiden beteten Bilder an, obwohl die Schöpfung ihnen Gott deutlich zeigte; die Juden hatten das Gesetz und brachen es, und wer den anderen richtet, verurteilt sich selbst. Alle haben also gesündigt. Dann die Wende: Gott spricht gerecht, umsonst, als Geschenk, durch das Vertrauen auf sein Handeln in Christus. Abraham ist der Beweis, als gerecht angerechnet, noch bevor er beschnitten war. Das Gesetz wird dadurch nicht aufgehoben, sondern aufgerichtet, und das Rühmen ist für alle gleich ausgeschlossen.

  • Glauben
  • Rechtfertigung
  • Gnade
  • Rechtlichkeit
  • Recht
  • Götzendienst
  • Urteil
  • Heuchelei
  • Gewissen
  • Offenbarung

Sünde, Gnade und eine seufzende Schöpfung

Warum tut der Mensch, der das Gute kennt, dennoch das Böse, das er hasst? Paulus beschreibt die Sünde als Macht, die versklavt, und die Gnade als Befreiung, die bis in die ganze Schöpfung reicht.

Sünde ist für Paulus weniger eine Liste von Verfehlungen als ein Herr. Durch einen Menschen kam sie in die Welt und mit ihr der Tod; das Gesetz, an sich heilig, macht die Knechtschaft nur sichtbar, sodass das Ich das Gute will und das Böse tut. Die Gnade antwortet nicht mit einer besseren Regel, sondern mit neuem Leben, im Sterben und Auferstehen mit Christus. Kritikern, die meinten, so werde die Sünde harmlos, hält er entgegen: Befreite kehren nicht in ihre Ketten zurück. Selbst die Schöpfung seufzt und wartet auf Freiheit.

  • Sünde
  • Freiheit
  • moralische Verantwortung
  • moralische Verwandlung
  • Heil
  • Hoffnung
  • Leiden

Hat Gott Israel verstoßen?

Die meisten aus Paulus' eigenem Volk wiesen seine Botschaft zurück: Ist Gottes Wort damit gescheitert? Drei Kapitel ringen mit dieser Frage und weigern sich, Israel aufzugeben.

Paulus schreibt von großer Traurigkeit um seine Verwandten. Zuerst zeigt er, dass Gottes Erwählung nie allein der Abstammung folgte: Jakob wird Esau vorgezogen, der Töpfer ist frei über den Ton. Dann, dass Israel strauchelte, damit die Völker hineinkommen. Zuletzt, im Bild der wilden Zweige, die in einen edlen Ölbaum eingepfropft sind, dass die Heiden sich nicht rühmen dürfen, denn die Wurzel trägt sie. Die ausgebrochenen Zweige können wieder eingepfropft werden, und ganz Israel wird gerettet. Der Abschnitt endet nicht in einer Lösung, sondern im Lob unerforschlicher Gerichte.

  • Religiöse Einbeziehung
  • Versprechen
  • Vorsehung
  • Göttliche Barmherzigkeit
  • Mission
  • Schrift
  • Gerechtigkeit

Ein hingegebenes Leben: die Liebe als Erfüllung des Gesetzes

Wie sieht Vertrauen aus unter Nachbarn, unter Herrschern und unter Gläubigen, die sich uneins sind? Als Liebe, antwortet Paulus, die tut, worauf das Gesetz von Anfang an zielte.

Nach elf Kapiteln Argument wendet sich Paulus der Lebensführung zu und nennt sie die Hingabe des Leibes als lebendiges Opfer. Vergeltet niemandem Böses mit Bösem; überlasst die Rache Gott und gebt dem hungrigen Feind zu essen. Ordnet euch der Obrigkeit unter und zahlt Steuern. Seid niemandem etwas schuldig außer der Liebe, die dem Nächsten nichts Böses tut und so das Gesetz erfüllt. Wo Gläubige über Speisen und Feiertage streiten, sollen die Starken die Schwachen nicht verachten, denn was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.

  • Liebe
  • Gemeinschaft
  • Demut
  • Tugendethik
  • Gehorsam
  • Gebet

In diesem Werk

Passagen vorhanden
36
eigenständige Begriffe
93
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 701

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Glauben“ und „Recht“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 5 Konzepte, verbunden durch 10 Paarungen. 36 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
GlaubenRecht3
GlaubenGnade2
GlaubenHeil2
GnadeHeil2
GnadeRecht2
GnadeSünde2
HeilSünde2
RechtSünde2
GlaubenSünde1
HeilRecht1

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. 51 Die Briefe an die Thessalonicher (Πρὸς Θεσσαλονικεῖς Α΄ · Πρὸς Θεσσαλονικεῖς Β΄)

    Einer seiner frühesten erhaltenen Briefe, gepaart mit einem zweiten in seinem Namen, dessen Verfasserschaft umstritten ist. Zusammen enthalten sie das meiste, was die Paulusbriefe über die Wiederkunft des Herrn sagen.

    EN
  2. 53 Der Brief an die Galater (Πρὸς Γαλάτας)

    Ein Streitbrief, in Eile an Gemeinden geschrieben, die er zu verlieren fürchtete. Er enthält seinen ausführlichsten Bericht über seine frühen Jahre als Apostel und über den Zusammenstoß mit Petrus und bringt in gedrängter Form vor, was der Römerbrief später in aller Breite entfaltet.

    EN
  3. 55 Die Briefe an die Korinther (Πρὸς Κορινθίους Α΄ · Πρὸς Κορινθίους Β΄)

    Nicht ein Brief, sondern ein Briefwechsel: zwei von mindestens vier Briefen, die Paulus nach Korinth schrieb, der zweite womöglich aus mehreren zusammengesetzt. Sie dokumentieren sein längstes Ringen mit einer einzelnen Gemeinde, die er gegründet hatte.

    EN
  4. 57 Der Brief an die Römer (Πρὸς Ῥωμαίους) du bist hier EN
  5. 62 Die Briefe an die Philipper und an Philemon (Πρὸς Φιλιππησίους · Πρὸς Φιλήμονα)

    Zwei Briefe aus der Gefangenschaft: einer an die Gemeinde, die ihn mit Geld unterstützte, einer an einen einzelnen Haushalt. Der Philemonbrief ist der einzige der unbestrittenen Paulusbriefe, der sich vor allem an eine einzelne Person richtet.

    EN
  6. 62 Epheserbrief, Kolosserbrief (Πρὸς Ἐφεσίους · Πρὸς Κολοσσαεῖς)

    Die beiden Briefe dieses Regals, die einander im Wortlaut am nächsten stehen – mit dem zweiten Thessalonicherbrief die drei, deren Verfasserschaft umstritten ist. Sie führen das Denken des Paulus weiter zu einer Lehre von der universalen Kirche.

    EN
Anmelden oder abonnieren, um dieses Werk zu besprechen

— oder öffne ein anderes Werk aus dieser Feder