WerkPaul the Apostle

Die Briefe an die Philipper und an Philemon

Zwei Briefe aus der Gefangenschaft: ein Dank an Philippi, in dessen Mitte ein Gedicht über die Selbstentäußerung Christi steht, und eine Bitte, Onesimus wieder aufzunehmen.

von Paul the Apostle10 Passagen vorhanden

  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Originaltitel
Πρὸς Φιλιππησίους · Πρὸς Φιλήμονα
Erstveröffentlichung
(mit 57 Jahren)
Originalsprache
Griechisch

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Überblick

Beide Briefe dieser Seite sind im Gefängnis geschrieben, und im ersten wägt Paulus offen ab, ob er lieber leben oder sterben möchte. Der Philipperbrief dankt der Gemeinde in Philippi in Makedonien, nach der Apostelgeschichte der ersten, die er in Europa gründete, für eine Gabe, die Epaphroditus überbracht hatte; dieser war bei Paulus schwer erkrankt. Der Philemonbrief, der kürzeste der Paulusbriefe, richtet sich an Philemon, einen christlichen Hausherrn, an Apphia und Archippus und an die Gemeinde, die sich in Philemons Haus versammelte. Es geht um Onesimus: Er war zu Paulus gekommen, gläubig geworden und wurde nun zurückgeschickt. Wo Paulus gefangen saß, ist umstritten. Die Überlieferung und viele Forschende nennen Rom, um 60–62; andere schlagen Ephesus Mitte der 50er-Jahre oder Caesarea um 57–59 vor. Die Erwähnung des Prätoriums (der Garde des Statthalters) und des kaiserlichen Haushalts passt zu Rom, entscheidet die Frage aber nicht. Im Zentrum des Philipperbriefs steht ein Gedicht über Christus, der nicht an der Gottgleichheit festhielt, sondern sich selbst entäußerte, Knechtsgestalt annahm und eben darum erhöht wurde; viele Forschende halten das Gedicht für älter als den Brief. Paulus stellt es einer Gemeinde als Vorbild hin, in der zwei Frauen in leitender Stellung, Euodia und Syntyche, sich zerstritten hatten. Er wendet sich gegen Lehrer, die die Beschneidung verlangen, nennt sie Hunde und zählt seine eigenen Vorzüge auf – am achten Tag beschnitten, Hebräer von Hebräern, Pharisäer –, um sie dann für Verlust zu erklären. Viele Forschende meinen, der überlieferte Brief füge zwei oder drei Schreiben nach Philippi zusammen. Der Philemonbrief argumentiert ganz mit Takt: Paulus verzichtet darauf zu befehlen, bittet Philemon, Onesimus als geliebten Bruder aufzunehmen, und bietet an, alles zu bezahlen, was Onesimus schuldet. Die meisten Leser halten Onesimus für einen entlaufenen Sklaven; einige Forschende wenden ein, der Text belege das nicht. Gegen die Sklaverei sagt der Brief ausdrücklich nichts, und in den Kämpfen um ihre Abschaffung beriefen sich beide Seiten auf ihn. Der Text hier ist die englische King James Version von 1611, aus dem Griechischen übersetzt; die Verszählung ist entfernt, die Kapitel sind erhalten.

Schlüsselbegriffe

Was ist die „Selbstentäußerung“ Christi im Philipperbrief?

Die Bewegung, die der Hymnus im Philipperbrief beschreibt: Christus, der in göttlicher Gestalt war, hielt diesen Rang nicht fest, sondern entäußerte sich, nahm Knechtsgestalt an und starb am Kreuz. Theologen nennen das kénōsis, griechisch für Entleerung. Es ist kein Verlust dessen, was er ist, sondern eine Wahl, wie er sein will, und Paulus leitet sie ein mit „Seid so gesinnt, wie es Christus auch war“.

Was meint Paulus mit dem Bürgerrecht im Himmel?

Dass die Gläubigen zuerst einem anderen Gemeinwesen angehören und dort, wo sie sind, nur als Ansässige leben. Die King-James-Bibel sagt „our conversation is in heaven“ und meint mit dem Wort in einem älteren Sinn die Lebensführung als Bürger. Von dort erwarten sie einen Retter, der ihren nichtigen Leib verwandeln wird; es geht also um den Leib und die Zukunft, nicht um eine Flucht aus der Welt.

Was ist die „Gemeinschaft am Evangelium“?

Eine Teilhaberschaft, nicht bloß Freundschaft: Die Philipper waren vom ersten Tag an an Paulus' Werk beteiligt, auch mit Geld. Das griechische Wort koinōnía heißt, etwas gemeinsam haben. Er hält fest, dass keine andere Gemeinde mit ihm „im Geben und Nehmen“ Gemeinschaft hatte als sie allein, und versteht ihre Gabe als Anteil an der Sendung, nicht als Gefälligkeit für ihn.

Was meint Paulus, wenn er Onesimus seinen Sohn nennt, den er „in Fesseln gezeugt“ hat?

Dass Paulus Onesimus im Gefängnis zum Glauben gebracht hat und sich darum als seinen geistlichen Vater versteht. Diese Verwandtschaft ist der Hebel des ganzen Briefs an Philemon: Ein Mann, der in die Familie der Gläubigen hineingeboren ist, steht Philemon nun nahe „im Fleisch wie im Herrn“, als Glied seines Hauses und als Bruder, und Paulus schickt ihn zurück wie sein eigenes Herz.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Die Gesinnung Christi: sich selbst entäußern

Wie sähe eine Gemeinschaft aus, in der jeder die anderen höher achtet als sich selbst? Der Philipperbrief antwortet mit einem Hymnus auf Gottes Sohn, der Knechtsgestalt annimmt.

In der Mitte des Philipperbriefs steht ein Hymnus: Christus, der in göttlicher Gestalt war, hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst, nahm Knechtsgestalt an und war gehorsam bis zum Tod am Kreuz; darum hat Gott ihn erhöht. Paulus bietet ihn als die Gesinnung an, die die Philipper teilen sollen, in einer Gemeinde, in der zwei Frauen, die an seiner Seite gearbeitet hatten, in Streit geraten waren. Er wendet ihn auch auf sich selbst an: Er zählt seine Vorzüge als Pharisäer auf, nur um sie für Verlust zu achten.

  • Demut
  • Selbstlosigkeit
  • Dienst
  • Einheit
  • Gemeinschaft
  • Gottesverehrung
  • Rechtlichkeit
  • Göttliche Handlungsmacht
  • Heil

Christus ist mein Leben, Sterben mein Gewinn

Wie schreibt ein Gefangener, dem die Hinrichtung droht, einen Brief über die Freude? Paulus wägt Leben gegen Sterben ab und sagt, er habe gelernt, in jedem Geschick zufrieden zu sein.

In Ketten sieht Paulus sogar in Rivalen, die ihm zum Trotz predigen, Verbreiter der Botschaft. Er ist hin- und hergerissen: Abzuscheiden und bei Christus zu sein wäre weit besser, doch zu bleiben ist um der Gemeinde willen nötiger, und so erwartet er zu bleiben. Derselbe Brief dankt den Philippern für ihre Gabe und betont zugleich, er habe gelernt, im Mangel wie im Überfluss zufrieden zu sein. Sein Rat gegen die Sorge ist kein Versprechen, dass alles gut ausgeht, sondern das Gebet mit Danksagung und ein Friede, der alle Vernunft übersteigt.

  • Leben und Tod
  • Leiden
  • Auferstehung
  • Zufriedenheit
  • Angst
  • Gebet
  • Mut
  • Standhaftigkeit
  • Verlangen
  • Vertrauen
  • Glauben
  • Geben
  • Großzügigkeit
  • Unterscheidungsvermögen

Onesimus: ein Bruder, kein Knecht

Wie bittet man einen Hausherrn, einen Mann wieder aufzunehmen, der ihn im Unrecht verlassen hat? Der kürzeste Paulusbrief ist ein Argument, das fast ganz aus Takt besteht.

Onesimus war im Gefängnis zu Paulus gekommen und gläubig geworden, und Paulus schickt ihn nun zu Philemon zurück, in dessen Haus sich eine Gemeinde versammelt. Er könnte befehlen, sagt Paulus, bittet aber um der Liebe willen: Nimm ihn nicht mehr als Knecht auf, sondern als geliebten Bruder, wie du mich aufnehmen würdest. Schuldet er dir etwas, so rechne es mir an; ich will es bezahlen, wobei du mir dich selbst schuldest. Der Brief sagt nichts ausdrücklich gegen die Sklaverei und überlässt es Philemon, wie weit die Bruderschaft reicht.

  • Sklaverei
  • Bruderschaft
  • Vergebung
  • Gastfreundschaft
  • Freundschaft
  • Liebe
  • Tugend

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