WerkPaul the Apostle

Epheserbrief, Kolosserbrief

Zwei Gefangenschaftsbriefe unter dem Namen des Paulus, die das Bild einer einzigen weltweiten Kirche entwerfen; viele Forschende halten seine Anhänger für die Verfasser.

von Paul the Apostle20 Passagen vorhanden

  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Originaltitel
Πρὸς Ἐφεσίους · Πρὸς Κολοσσαεῖς
Erstveröffentlichung
(mit 57 Jahren)
Originalsprache
Griechisch

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Überblick

In den ältesten Handschriften des sogenannten Epheserbriefs fehlen die Worte, die Ephesus als Bestimmungsort nennen. Der Brief grüßt niemanden, obwohl Paulus nach der Apostelgeschichte mehr als zwei Jahre in dieser Stadt verbrachte. Marcion, ein christlicher Lehrer des 2. Jahrhunderts, kannte ihn als Brief an die Laodizener. Diese Seite enthält zwei Briefe, die unter dem Namen des Paulus aus der Gefangenschaft geschrieben sind. Der Kolosserbrief richtet sich an die Gemeinde in Kolossä, einer Stadt im Lykostal in Kleinasien; gegründet hatte Paulus diese Gemeinde nicht. Der Epheserbrief liest sich wie ein Rundschreiben an mehrere Gemeinden und folgt über weite Strecken eng dem Kolosserbrief. Die Überlieferung hält beide für Briefe des Paulus, geschrieben während seiner Gefangenschaft in Rom um 60–62. Viele Forschende meinen, Anhänger hätten sie nach seinem Tod, etwa zwischen 70 und 100, in seinem Namen verfasst – aus Gründen des Stils (lange, aufgetürmte Sätze und ein Wortschatz, der nicht seiner ist), der Theologie (die Kirche ist nun ein einziger weltweiter Leib mit Christus als Haupt, und von den Gläubigen heißt es, sie seien schon mit ihm auferweckt) und der Lage (keine Grüße im Epheserbrief, keine Kollekte für Jerusalem, kein Gefühl, dass das Ende nahe ist). Andere erklären die Unterschiede mit einem anderen Thema, einem anderen Schreiber oder einer Entwicklung im Denken des Paulus selbst; Umfragen unter Forschenden zeigen ein geteiltes Bild. Der Kolosserbrief wendet sich gegen eine Lehre, die er eine leere, trügerische Philosophie nennt: Sie band die Gläubigen an die Elementarmächte der Welt, an die Verehrung von Engeln, an Feste, Neumonde und Sabbate und an Vorschriften, die Anfassen und Kosten verboten; worum es sich dabei handelte, darüber ist sich die Forschung nie einig geworden. Seine Antwort ist ein Hymnus auf Christus als Bild des unsichtbaren Gottes, in dem alles geschaffen ist und Bestand hat, sodass ihm nichts hinzugefügt werden muss. Der Epheserbrief weitet das aus: Juden und Nichtjuden werden zu einem neuen Menschen, die Trennwand zwischen ihnen ist niedergerissen. In ihren Schlusskapiteln stellen beide Briefe Haustafeln auf, die Frauen zur Unterordnung, Kinder und Sklaven zum Gehorsam und Männer, Väter und Herren zur Milde anhalten; egalitär gesinnte Leser deuten sie vom Aufruf des Epheserbriefs zur gegenseitigen Unterordnung her, andere weisen diese Lesart zurück. Der Text hier ist die englische King James Version von 1611, aus dem Griechischen übersetzt; die Verszählung ist entfernt, die Kapitel sind erhalten.

Schlüsselbegriffe

Was sind „Fürstentümer und Gewalten“ in diesen Briefen?

Unsichtbare Herrscher und Kräfte, von denen man glaubte, sie regierten die Welt, über und hinter ihren menschlichen Obrigkeiten. Die Briefe sagen zweierlei über sie: Christus hat sie geschaffen, denn in ihm ist alles geschaffen, auch Fürstentümer und Gewalten, und am Kreuz hat er sie entwaffnet und öffentlich zur Schau gestellt. Darum hören die Gläubigen, ihr eigentlicher Kampf gelte nicht Fleisch und Blut.

Was ist das „Geheimnis“ im Epheser- und Kolosserbrief?

Gottes Plan, seit Ewigkeiten verborgen und jetzt bekannt gemacht: dass die Heiden Miterben sind und zum selben Leib gehören wie Israel. Geheimnis heißt hier kein ungelöstes Rätsel, sondern ein Geheimnis, das ausgesprochen wurde. Der Kolosserbrief fasst es in eine Wendung, „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“, gesagt zu Gläubigen aus den Heiden, die einst keinen Anteil an den Verheißungen hatten.

Was bedeutet es, dass Christus „das Haupt des Leibes“ ist?

Dass die Kirche ein einziger Leib ist, über die Welt verteilt, und Christus sie regiert und belebt, wie ein Haupt den Körper lenkt. Der Epheserbrief sagt, Gott habe ihn der Kirche zum Haupt über alles gegeben, die sein Leib ist. Das Bild enthält eine Verheißung des Wachstums: Der ganze Leib, zusammengefügt, wächst zu ihm hin; Einheit ist also zu erreichen, nicht nur zu bewahren.

Was ist die „Fülle“, von der diese Briefe sprechen?

Das Ganze dessen, was Gott ist und gibt, ohne Abzug; das griechische Wort heißt plḗrōma. Der Kolosserbrief sagt, in Christus wohne die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; die Gläubigen, in ihm vollendet, brauchen also weder Engel noch zusätzliche Riten. Der Epheserbrief überträgt das Wort auf die Kirche, „die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“.

Was ist eine „Haustafel“?

So nennt die Forschung die paarweisen Regeln am Ende beider Briefe für die Glieder eines antiken Hauses: Frauen und Männer, Kinder und Väter, Sklaven und Herren. Jedes Paar wird in beide Richtungen angesprochen, der schwächere Teil zur Unterordnung oder zum Gehorsam gerufen, der stärkere an eine Pflicht erinnert und an einen Herrn im Himmel. Der Epheserbrief stellt das Ganze unter die Mahnung, sich einander unterzuordnen.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Christus über allen Mächten

Wenn Christus genügt, wozu dann noch Engel, heilige Tage und Speiseregeln? Der Kolosserbrief antwortet einer rivalisierenden Lehre mit einem Hymnus, der Christus über alles Seiende stellt.

Der Kolosserbrief warnt davor, sich durch Philosophie und leeren Trug einfangen zu lassen: durch eine Lehre, die die Gläubigen an die Elemente der Welt band, an Engelverehrung, an Neumonde und Sabbate und an Regeln wie „Rühr nicht an, koste nicht“. Seine Antwort ist ein Hymnus auf Christus als Bild des unsichtbaren Gottes, in dem alles geschaffen ist und Bestand hat. Die Anklageschrift gegen uns wurde an sein Kreuz geheftet und die Mächte im Triumph vorgeführt; darum muss ihm nichts hinzugefügt werden.

  • Christologie
  • Göttliche Macht
  • Weisheit
  • Wahrheit
  • Erlösung
  • Taufe
  • religiöse Praxis

Eine neue Menschheit in einer weltweiten Kirche

Was wird aus der alten Grenze zwischen Juden und Heiden, wenn beide zu Christus gehören? Der Epheserbrief sagt, die Mauer sei gefallen, und entwirft eine einzige Kirche, die die Welt umspannt.

Der Epheserbrief sagt seinen Lesern aus den Heiden, sie seien einst Fremde gegenüber den Verheißungen gewesen und nun Mitbürger, weil Christus die trennende Scheidewand niedergerissen und aus beiden einen neuen Menschen geschaffen hat. Die Kirche ist sein Leib, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt, und ihre Einheit fasst der Brief zusammen: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. Seine Gebete greifen nach einer Liebe, deren Breite, Länge, Tiefe und Höhe alle Erkenntnis übersteigt, und sein Rat lautet, in diese Einheit hineinzuwachsen, wahrhaftig in der Liebe.

  • Kirche
  • Einheit
  • Aussöhnung
  • Gnade
  • Heil
  • Glauben
  • Gemeinschaft
  • Liebe
  • Lob
  • Gebet
  • Hoffnung

Den alten Menschen ablegen

Wenn die Gläubigen schon mit Christus gestorben und auferstanden sind, warum muss man ihnen noch sagen, sie sollten nicht lügen, stehlen und wüten? Beide Briefe antworten mit dem Bild des Kleiderwechsels und einer Liste dessen, was anzuziehen ist.

Der alte Mensch soll abgelegt werden wie ein Kleid und der neue angezogen. Die Weisungen sind konkret: Legt die Lüge ab; zürnt ihr, so sündigt nicht, und lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen; wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern arbeite, damit er etwas zu geben hat; seid freundlich und vergebt, wie Gott vergeben hat. Der Epheserbrief schließt, indem er den Leser rüstet. Der Kampf gilt nicht Fleisch und Blut, sondern geistlichen Mächten; darum besteht die Waffenrüstung Gottes aus Wahrheit, Gerechtigkeit, Glaube und dem Wort.

  • moralische Verwandlung
  • Tugend
  • Zorn
  • Vergebung
  • Erwerbsarbeit
  • Arbeit
  • Standhaftigkeit
  • Mut

Regeln für das Haus

Wie soll der Glaube an Christus ein Haus aus Männern und Frauen, Eltern und Kindern, Herren und Sklaven verändern? Beide Briefe antworten mit paarweisen Regeln, und Leser streiten seither, welche Hälfte die andere bestimmt.

In ihren Schlusskapiteln sprechen beide Briefe die Glieder des antiken Hauses der Reihe nach an. Frauen sollen sich unterordnen, Kinder und Sklaven gehorchen, die Sklaven „mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, als Christus“. Doch jedes Gebot hat ein Gegenstück: Männer sollen ihre Frauen lieben, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, Väter ihre Kinder nicht zum Zorn reizen, Herren geben, was recht und billig ist, im Wissen, dass auch sie einen Herrn im Himmel haben. Der Epheserbrief eröffnet den Abschnitt mit der Mahnung an alle, sich einander unterzuordnen.

  • Familienethik
  • Autorität
  • Gerechtigkeit
  • Fürsorge

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Vorhandene Werke

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  1. 51 Die Briefe an die Thessalonicher (Πρὸς Θεσσαλονικεῖς Α΄ · Πρὸς Θεσσαλονικεῖς Β΄)

    Einer seiner frühesten erhaltenen Briefe, gepaart mit einem zweiten in seinem Namen, dessen Verfasserschaft umstritten ist. Zusammen enthalten sie das meiste, was die Paulusbriefe über die Wiederkunft des Herrn sagen.

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  2. 53 Der Brief an die Galater (Πρὸς Γαλάτας)

    Ein Streitbrief, in Eile an Gemeinden geschrieben, die er zu verlieren fürchtete. Er enthält seinen ausführlichsten Bericht über seine frühen Jahre als Apostel und über den Zusammenstoß mit Petrus und bringt in gedrängter Form vor, was der Römerbrief später in aller Breite entfaltet.

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  3. 55 Die Briefe an die Korinther (Πρὸς Κορινθίους Α΄ · Πρὸς Κορινθίους Β΄)

    Nicht ein Brief, sondern ein Briefwechsel: zwei von mindestens vier Briefen, die Paulus nach Korinth schrieb, der zweite womöglich aus mehreren zusammengesetzt. Sie dokumentieren sein längstes Ringen mit einer einzelnen Gemeinde, die er gegründet hatte.

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  4. 57 Der Brief an die Römer (Πρὸς Ῥωμαίους)

    Der längste und systematischste seiner Briefe und derjenige, auf dem die spätere Theologie aufbaute: Für eine Gemeinde, die er nicht gegründet hatte, entfaltet er in aller Breite das Argument über Glauben und Gesetz, das er im Galaterbrief im Zorn vorgebracht hatte.

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  5. 62 Die Briefe an die Philipper und an Philemon (Πρὸς Φιλιππησίους · Πρὸς Φιλήμονα)

    Zwei Briefe aus der Gefangenschaft: einer an die Gemeinde, die ihn mit Geld unterstützte, einer an einen einzelnen Haushalt. Der Philemonbrief ist der einzige der unbestrittenen Paulusbriefe, der sich vor allem an eine einzelne Person richtet.

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  6. 62 Epheserbrief, Kolosserbrief (Πρὸς Ἐφεσίους · Πρὸς Κολοσσαεῖς) du bist hier EN
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