Wer die Anklage gegen die Frauen schrieb
Wenn alle Bücher die Frauen falsch nennen, sagt das etwas über die Frauen oder über die, die schrieben? Vor Cupidos Hof kommt die Klage zur Sprache, auf die kein Autor je antworten musste.
Cupido nimmt eine Bittschrift von Frauen jeden Standes entgegen und entscheidet wie ein Richter. Angeklagt sind zum einen die Männer, die Liebe schwören, verschwinden und in den Wirtshäusern damit prahlen, zum anderen die Gelehrten, die schon Schulknaben mit Ovid beibringen, Frauen seien Betrügerinnen. Christines Antwort ist die einer Juristin: Die Bücher schrieb eine Partei, die ohne Gegenseite plädierte, und oft waren es Männer, die ihr Leben lang Frauen nachstellten. Für einige lässt sich nicht ein ganzes Geschlecht verurteilen, so wenig wie alle Engel für die gefallenen. Die Verleumder werden von Amors Hof verbannt.
- Gender
- Täuschung
- Üble Nachrede
- Misogynie
- Gerechtigkeit
- Verallgemeinerung
- literarische Autorität
- Diffamierung
- Tadel
- moralische Verantwortung
- Loyalität
- Liebe
- Ehre
- Geschlechterstereotype
- Verrat
- Tugendethik
Ins Gespräch kommen
- Hätten Frauen die Bücher geschrieben, läse man es anders, sagt Ihr Cupido. Wie soll man einen Streit beurteilen, in dem immer nur eine Partei gesprochen hat?
- Verteidigt werden in Ihrem Gedicht nur die ehrbaren Frauen, die anderen bleiben aus der Rechnung. Überlassen Sie den Verleumdern mit dieser Ausnahme nicht den Boden, den sie brauchen?
- Eva habe Adam nicht betrogen, argumentieren Sie, denn niemand betrügt, ohne betrügen zu wollen. Wie weit reicht diese Verteidigung über Eva hinaus?
- Die Männer Ihres Gedichts schwören Liebe und prahlen danach im Wirtshaus. Was schuldet ein Mensch dem, der ihm im Vertrauen etwas von sich gegeben hat?
- Frauen töten nicht, legen kein Feuer und enterben niemanden, heißt es in Ihrem Gedicht. Beweist das ihre Tugend oder nur, wie wenig Macht sie haben?