Klugheit, der beste Schutz einer Frau
Was schützt eine Frau, deren Stellung davon abhängt, was andere über sie sagen? Der Rat behandelt den guten Ruf als Besitz, der verwaltet sein will, und die Klugheit als die Kunst, ihn zu verwalten.
Die weltliche Klugheit gibt der Fürstin sieben Lehren, und die schwerste betrifft ihre Feinde. Niemand wird von allen geliebt, hat doch der Neid sogar Christus getötet. Also soll sie denen, die ihr schaden wollen, ein freundliches Gesicht zeigen, sie in Nebensachen um Rat fragen und kein Wort gegen sie fallen lassen. Derselbe Wirklichkeitssinn bestimmt den Rat, die eigenen Abrechnungen zu lesen, und den zur öffentlich sichtbaren Mildtätigkeit, die das Buch „gerechte Heuchelei“ nennt, weil sie auf Gutes zielt. Ein zerstörter Ruf hilft niemandem, am wenigsten denen, die von ihr abhängen.
- Klugheit
- Ansehen
- Üble Nachrede
- Neid
- Ehre
- Tugend
- Loyalität
- Werbung
- Mäßigung
- Besonnenheit
- Stolz
- Demut
- Tugendethik
Ins Gespräch kommen
- ‚Gerechte Heuchelei‘ nennen Sie es, wenn eine Fürstin ihre Mildtätigkeit sehen lässt, damit andere sie nachahmen. Kann eine Tugend, die auch der Wirkung dient, noch Tugend sein?
- Ihre Fürstin soll ihren Feinden freundlich begegnen, sie in Nebensachen um Rat fragen und nie gegen sie reden. Ist das Klugheit oder Unaufrichtigkeit mit guten Manieren?
- In Ihrem Buch schreibt eine Erzieherin ihrer jungen Herrin, eine heimliche Liebe werde sie den guten Ruf kosten. Warum soll ein Ruf schwerer wiegen als ihr Glück?
- Die Abrechnungen ihrer Einkünfte selbst zu lesen und zu wissen, was sie Händlern schuldet, ist für Sie Pflicht einer Fürstin. Warum ist Zahlenkenntnis eine Frage der Moral?
- Der Neid hat sogar Christus getötet, erinnern Sie die Fürstin, also wird niemand von allen geliebt. Warum dann so viel Sorgfalt auf das, was die Leute reden?