WerkDavid Hume

Dialoge über natürliche Religion

Drei Sprecher streiten, ob die Welt einen Baumeister beweist; Humes Freunde weigerten sich, das Buch zu drucken — sein Neffe druckte es.

von David Hume220 Passagen vorhanden

  • Englisch, die Originalsprache
Originaltitel
Dialogues Concerning Natural Religion
Erstveröffentlichung
(posthum erschienen)
Originalsprache
Englisch

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Überblick

Seit etwa 1751 lag das Buch auf Humes Tisch; dreimal hat er es überarbeitet, zuletzt in seinem Todesjahr. Ein junger Zuhörer berichtet das Gespräch hinterher. Kleanthes hält die Welt für eine Maschine fein abgestimmter Teile; Maschinen hätten Verfertiger, und der Verfertiger dieser einen müsse daher einem menschlichen Verstand ähneln. Demea lässt nicht zu, dass aus etwas so Kleinem wie der menschlichen Erfahrung auf Gott geschlossen wird. Philo räumt Kleanthes die Methode ein und fährt sie dann zuschanden: Die Welt gleicht einer wachsenden Pflanze oder einem Tier mindestens so sehr wie einer Uhr; ein Analogieschluss trägt nicht weiter als die Ähnlichkeit, auf der er ruht; und der Baumeister, den diese Welt hergibt, wäre ein unfähiger, oder ein gleichgültiger, oder ein Lehrling. Der elfte Teil legt das Leiden der Tiere dorthin, wo das Argument hindurch muss. Am Ende räumt Philo vieles von dem ein, was er zertrümmert hat; was dieses Zugeständnis wert ist, bleibt seither strittig, und welcher Sprecher Hume ist, entscheidet der Text nicht. Adam Smith wurde gebeten, das Manuskript nach Humes Tod in den Druck zu bringen, und wollte nicht. Ein Nachtrag zum Testament, unterzeichnet am 7. August 1776, achtzehn Tage vor seinem Tod, legte das Buch daher William Strahan in die Hände, der seit vielen Jahren sein Londoner Drucker war — unter einer Bedingung: Wäre es zweieinhalb Jahre nach dem Tod noch immer ungedruckt, ginge das Eigentum an den Neffen über. Strahan ließ die Frist verstreichen, und 1779 brachte es der Neffe heraus, ohne Verlegernamen auf dem Titelblatt. Binnen Monaten erschienen Besprechungen, und jede bestätigte, was Hugh Blair an Strahan geschrieben hatte: Die Sache hatte erstaunlich wenig Lärm gemacht.

Schlüsselbegriffe

Was bedeutet Anthropomorphismus in den Dialogen?

Anthropomorphismus bedeutet, göttliche Intelligenz so zu behandeln, als gleiche sie der menschlichen Intelligenz. Humes Figuren streiten darüber, ob die Ordnung der Welt diesen Vergleich zulässt, doch Philo betont seine Grenzen: Die menschlichen Vorstellungen von Denken und Absicht stammen aus menschlicher Erfahrung, während der göttliche Geist jenseits jeder Erfahrung liegt, die eine solche Ähnlichkeit begründen könnte.

Wie greift Kleanthes im neunten Teil das apriorische Argument an?

Demea meint, eine ewige Ursachenkette bedürfe noch immer eines notwendigen Wesens, das das Ganze erklärt. Kleanthes entgegnet, dass nichts mehr zu erklären bleibt, sobald jedes Glied seine Ursache erhalten hat, und dass die Zusammenfassung der Teile zu einem Ganzen eine Handlung des Verstandes ist und keine Tatsache, die eine eigene Ursache verlangt. Die Forderung nach einer weiteren Ursache geht daher ins Leere.

Warum nennt Philo das Universum einen singulären Effekt?

Philo nennt das Universum einen singulären Effekt, weil die Erfahrung nur diesen einen Kosmos darbietet, nicht eine Klasse vergleichbarer Welten und ihrer Ursachen. Schlussfolgerungen durch Analogie gehen gewöhnlich von wiederholten Fällen zu einer unsichtbaren Ursache über; das Universum bietet keinen solchen Vergleich. Dadurch wird der Schluss vom Konstrukteur einer Maschine auf den Konstrukteur einer Welt weit weniger zwingend.

Was ist Demeas negative Theologie?

Demeas negative Theologie geht davon aus, dass Gottes Wesen das menschliche Verständnis übersteigt. Die religiöse Sprache sollte daher Gottes Unbegreiflichkeit hervorheben, statt ihn mit vertrauten menschlichen Begriffen zu beschreiben. Seine Position schützt Gottes Transzendenz, erzeugt aber zugleich eine Spannung: Wenn göttliche Attribute nicht verstanden werden können, könnte es der Vernunft schwerfallen zu zeigen, was diese Attribute bedeuten oder was sie stützen.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Kann die Natur Gott beweisen?

Wenn die Welt Ordnung erkennen lässt, rechtfertigt diese Ordnung dann den Glauben an einen göttlichen Schöpfer, oder geht die Schlussfolgerung über das hinaus, was die Erfahrung hergibt? Die Antwort entscheidet darüber, ob die natürliche Religion auf Belegen oder auf menschlicher Projektion beruht.

In Philo, Kleanthes und Demea prüft Hume, ob die beobachtete Ordnung die Existenz Gottes, seine Eigenschaften oder seine Absichten begründen kann. Kleanthes hält das Weltall für einer Maschine ähnlich; Philo greift die Analogie an, zieht den Kausalschluss in Zweifel und verweist auf das Leiden als Zeugnis gegen einen gütigen Plan. Der Dialog legt auch den Anthropomorphismus bloß: Der menschliche Geist schreibt der Natur womöglich deshalb Absicht zu, weil er kein anderes Vorbild kennt. Manche Leser sehen in Philo Humes Sprachrohr; andere lesen das Gespräch als bewusst offen gelassen.

  • Skepsis
  • Erkenntnistheorie
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  • Gestaltung
  • Teleologie
  • Vernunft
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  • Anthropomorphismus
  • Kosmologie
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  • Designargument
  • natürliche Theologie
  • Problem des Bösen
  • Religionsphilosophie
  • Göttliche Attribute
  • Verursachung
  • Empirismus
  • Kosmogonie
  • induktives Schließen
  • Argument aus Analogie
  • Gesunder Menschenverstand

In diesem Werk

Passagen vorhanden
220
eigenständige Begriffe
346
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 121

Was dieses Buch zusammen denkt

Jeder Bogen am Rad ist ein Begriff dieses Buches. Ein Band verbindet zwei, nach denen der Text gemeinsam greift; seine Breite zeigt, wie viele seiner Passagen beide enthalten. Am stärksten: Anthropomorphismus mit Theologie.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 16 Paarungen. 67 gemeinsame Passagen insgesamt. 84 schwächere Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
AnthropomorphismusTheologie9
ErkenntnistheorieSkepsis6
GlaubeSkepsis6
SkepsisTheologie6
AnalogieAnthropomorphismus4
AnalogieLogik4
AnalogieNatur4
AnalogieTheologie4
ErkenntnistheorieLogik4
ErkenntnistheorieTheologie4
LogikTheologie4
GlaubeLogik3
NaturSkepsis3
AnalogieErkenntnistheorie2
AnthropomorphismusErkenntnistheorie2
GlaubeTheologie2

Vorhandene Werke

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  1. 1739 Ein Traktat über die menschliche Natur (A Treatise of Human Nature)

    Der Steinbruch, aus dem fast alles andere in diesem Regal gebrochen wurde, und heute das meistgelesene Buch Humes — genau das Gegenteil dessen, was er wollte.

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  2. 1741 Politische und ökonomische Essays (Essays)

    Kein Buch, sondern eine Sammlung unter einem Titel — und die Stelle in diesem Regal, an der Hume nicht für Philosophen schreibt, sondern für das allgemeine Publikum: über Politik, Handel, Geschmack und Sitten.

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  3. 1748 Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand (An Enquiry Concerning Human Understanding)

    Kürzer, schärfer und neu begründet: der erste Teil des Traktats, umgearbeitet für ein allgemeines Publikum — mit zwei Abschnitten über Religion, die das frühere Buch bewusst ausgespart hatte.

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  4. 1751 Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral (An Enquiry Concerning the Principles of Morals)

    Die Moraltheorie aus dem dritten Buch des Traktats, neu gebaut für die Leser, die das Original ohnehin nie aufschlagen würden.

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  5. 1752 Politische und ökonomische Essays (Hume's Political Discourses)

    Zwölf Essays über Geld, Handel, Steuern, Staatskredit und Bevölkerung, 1752 erschienen und später in die gesammelten Essays aufgenommen — Ökonomie, bevor es ein Wort dafür gab.

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  6. 1757 Die Naturgeschichte der Religion. Über Aberglaube und Schwärmerei. Über die Unsterblichkeit der Seele. Über Selbstmord (The Natural History of Religion)

    Geschrieben für einen Band, der zwei seiner Essays an eine angedrohte Anklage verlor, fragt diese Schrift, woher die Religion kam, und nicht, ob etwas an ihr wahr ist — die historische Hälfte einer Frage, die die Dialoge philosophisch aufnehmen.

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  7. 1779 Dialoge über natürliche Religion (Dialogues Concerning Natural Religion) du bist hier EN
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