Das Eine, das auf nichts ruht
Alles, was wir wissen, ruht auf Bedingungen; kann etwas auf gar nichts ruhen? Schellings Wagnis ist, dass ein unbedingter Punkt das ganze Wissen gründen muss, sonst gründet es nichts wirklich.
Kant hatte die Philosophie als System ohne Grundstein hinterlassen, und das Jahrzehnt nach ihm suchte das eine Prinzip, das es trägt. Schellings Kandidat ist das absolute Ich, nicht das alltägliche Selbst, das erwacht und sich erinnert, sondern eine reine, sich selbst setzende Freiheit, die nichts über sich voraussetzt. Weil es sein eigenes Sein setzt, entgeht es allein dem Rückgang der Bedingungen. Er errichtet dies gegen Spinozas Substanz, die den Grund zum Gegenstand macht, dem das Selbst bloß angehört; für den zwanzigjährigen Schelling kann das Unbedingte nur Subjekt sein, ein Akt, nie ein Ding unter Dingen.
- Absolutes
- Subjektivität
- Erkenntnistheorie
- Metaphysik
- Idealismus
- Ontologie
- Totalität
- Freiheit
- Notwendigkeit
Ins Gespräch kommen
- Jemand möchte seine tiefsten Überzeugungen auf etwas gründen, das ihm nicht unter den Füßen weggezogen werden kann. Was bietet ein unbedingtes erstes Prinzip, das ein Beweis nicht kann?
- Ist die Forderung nach einem Einzigen, das auf nichts ruht, nicht ein Verlangen, das die Philosophie überwinden statt stillen sollte?
- Wie unterscheidet sich das absolute Ich in diesem Buch vom gewöhnlichen Selbst, das erwacht, sich erinnert und vergisst?
- Was muss ein Mensch bereit sein als bloß bedingt zu behandeln, ehe er das Eine erreichen kann, von dem du sagst, es sei es nicht?
- Du stellst hier das Absolute gegen Spinozas Substanz. Warum kann der Grund alles Erkennens nie selbst ein Gegenstand sein?